Eröffnung des WCCB in Bonn

Ein Freudentag für Bonn und den OB

Bonn. Bei der Eröffnung des neuen Kongresssaals mit UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon und Außenminister Frank-Walter Steinmeier weht ein Hauch von alter Hauptstadtzeit durch das Foyer.

Ende gut, alles gut? Am Sonntagnachmittag herrscht über und im gut klimatisierten neuen Kongressaal des WCCB jedenfalls nur eitel Sonnenschein. 800 geladene Gäste und nochmal gut 200 Kinder feiern mit UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon, Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch, Außenminister Frank- Walter Steinmeier und weiterer Politik-Prominenz aus Bund, Land und vor allem der Stadt Bonn die Eröffnung des Prestigeprojekts.

Die skandalträchtige Vergangenheit des WCCB spielt an dem Tag kaum eine Rolle. Trotz strenger Sicherheitsvorkehrungen wirkt die Stimmung gelöst und heiter.

Auf der Bühne spielen Bläser des Beethoven-Orchesters. Das Protokoll klappt wie am Schnürchen. Die Mitarbeiter des Presseamtes und des OB-Büros - federführend zuständig für die Eröffnungszeremonie - haben nicht verlernt, wie man einen Festakt mit Staatsgästen organisiert.

Dann weht ein Hauch alter Hauptstadtzeit durchs WCCB: Die Polizeieskorte mit den schwarzen Limousinen der Regierung und der UN fährt vor. 20 Minuten später als geplant. Aber was ist das schon im Vergleich zur sechsjährigen Verspätung, die die Fertigstellung des Kongresszentrums gekostet hat.

Ban Ki-Moon hat die Ruhe weg. Während drinnen im Saal alle gespannt auf ihn warten, geht er draußen auf eine Gruppe Koreaner zu. Es sind Mitglieder der deutsch-koreanischen Gesellschaft, die ihren berühmten Landsmann begeistert empfangen. Großes Hallo. Klar, dass auch das eine oder andere Handyfoto fällig ist.

Dann geht es im Eilschritt ins Foyer. Lauter Beifall brandet auf, als Ban Ki-Moon den Saal betritt. Mit Feuereifer schwenken die Kinder die Fahnen. Nur Zoe (5) macht schlapp. Die Kleine, die den Kindergarten der Bonn International School besucht, hat es sich lieber auf einer Treppe bequem gemacht.

Nimptschs große Stunde ist da. Er kam erst in dem Jahr in Amt und Würden, als die kriminellen Machenschaften des damaligen, später dann verurteilten Investors Man-Ki Kim zu Tage traten, als die WCCB-Baustelle nicht mehr zu retten war und stillgelegt werden musste.

Jahr um Jahr rang Nimptsch seit Ende 2009 mit Rat und Verwaltung um den richtigen Weg, wie das Konferenzzentrum doch noch fertiggestellt werden könnte.

Die feierliche Eröffnung ist für ihn sichtlich ein Triumph. Höchstpersönlich hat er am Vormittag mit den Kindern und Jugendlichen den Einzug mit den Flaggen aus dem Untergeschoss des WCCB, der sogenannten "Rheinebene", in den "Kristall" geübt, wie das Foyer wegen des imposanten Daches aus Glas und Stahl auch genannt wird.

Man merkt Nimptsch deutlich an, wie erleichtert er ist, als er endlich den Rednerreigen eröffnen darf. "Was für ein Tag der Freude", sagt er und begrüßt Ban auf koreanisch. "Wenn wir heute das World Conference Center Bonn eröffnen, dann auch mit etwas Stolz und mit Erleichterung darüber, dass wir die Aufgaben, die sich uns auf den Weg dahin gestellt haben, auch meistern konnten", sagt er weiter.

Nimptschs Dank geht in alle Richtungen: an Rat und Verwaltung, an Bund und Land, die das Projekt finanziell unterstützt haben. Immerhin insgesamt noch mal 34 Millionen Euro erhält die Stadt für die Fertigstellung, die nach jüngstem Stand bei über 86 Millionen Euro liegen soll.

Auch wenn viele Ratsmitglieder, die ebenfalls unter den Gästen weilen, wissen, das WCCB wird den städtischen Haushalt noch lange wie ein Klotz am Bein belasten: Jetzt wird erst einmal nach vorne geschaut.

Die Worte Bans müssen ihnen wie Musik in den Ohren klingen. "Wir legen großen Wert auf die Präsenz der UN in Bonn", sagt er, und dass Bonn für die UN das globale Zentrum für die nachhaltige Entwicklung geworden sei.

Es ist mucksmäuschenstill, als er an das aktuell größte Flüchtlingsdrama auf der Welt seit dem Zweiten Weltkrieg erinnert. "Wir arbeiten hart daran, um diese Herausforderung zu bewältigen, sagt der Generalsekretär, dazu könnten die UN auch von Bonn aus einen großen Beitrag leisten.

Der Unterstützung des Bundes kann er sich gewiss sein. "Die Stadt Bonn beweist heute aufs Neue, dass sie großen Ideen einen Ort bieten kann - sowohl als Konferenzort als auch für den Zuzug neuer Organisationen. Die Bundesregierung wird dies weiterhin nach Kräften unterstützen", verspricht Steinmeier.

Das werde auch das Land weiterhin tun, versichert Löhrmann, die das WCCB und seine Bedeutung für Bonn und die Nation ebenfalls über den Klee lobt.

Es folgt der Eintrag der Ehrengäste ins Goldene Buch der Stadt. Anschließend zeigen Kinder der Junior Companie Bonn einen Tanz. Nach gut einer Stunde endet der Festakt. Der OB bittet alle zum Empfang mit Sekt, Wasser und Häppchen . Endlich wird auch der große Kongresssaal zur Besichtigung geöffnet.

Neugierig guckt sich Marlies Stockhorst um. Bonns oberste Karnevalistin sucht mit Blick auf die geplante Sanierung der Beethovenhalle dringend Ersatz für die Proklamation von Prinz und Bonna. "Das Foyer, das wär schon toll", sagt sie augenzwinkernd .