Frauenmuseum Bonn

Die heilige Gertrudis von Nivelles hat wieder ein Reliquiar

BONN. In der ökumenisch geweihten Gertrudiskapelle im Frauenmuseum steht jetzt eine etwa 30 Zentimeter große, goldene Reliquie, die neben einem Abbild von Gertrudis einen winzigen Knochensplitter in sich trägt.

"Schon Hunderte Jahre gab es hier eins, bis es nach dem Krieg verschollen ging", sagt Curt Delander. Überlassen wurde die Reliquie vom Wiener Kardinal Christoph Schönborn aber nicht nur der Kapelle, sondern auch der Kirche St. Marien. In Andachten und zu den Öffnungszeiten des Museums wird die Reliquie zukünftig gezeigt.

Laut Archiv des Erzbistums Wien war die Reliquie "EX OSSIBUS SANCTAE GERTRUDIS DE NIVELLES ABBATISSAE" ursprünglich im Besitz der adeligen Familie Odeschalchie, der auch Papst Innozenz der XI. (1611-1689) angehörte. Im Laufe der Jahre kam sie an Bischof Graf und Freiherr von Pettenegg und später an Pfarrer Ludwig Wegmann. Der übergab sie dem Kloster St. Gabriel in Mödling bei Wien.

"Da aber Klöster, Abteien und Herrschaftshäuser Reliquien nicht mehr weitergeben oder versiegeln dürfen, wurde deren Verwaltung den Bischöfen und Diözesen übertragen", erzählte Siegfried Stutz vom Pfarrbüro St. Marien, der sich mit der Geschichte der Reliquie beschäftigt.

"Dieser kleine Knochensplitter ist nicht viel, wir wissen ja noch nicht einmal, ob er wirklich von der heiligen Gertrudis stammt", sagte Pfarrvikar Meik Schirpenbach. Dennoch habe die Reliquie eine große Bedeutung. Sie sei ein realer Ansatzpunkt für das Wirken der heiligen Gertrudis, der den Menschen wichtig sei.

Das sah auch Curt Delander vom Freundeskreis der Gertrudiskapelle im Frauenmuseum so. "Gertrudis ist nicht nur eine Idee, sondern etwas Konkretes", sagte er. Ihr Einsatz für Kranke, Witwen, Pilger und Gefangene ließ sie zur Patronin der Spitäler werden. Vor allem in Norddeutschland gilt sie als Heilige der Deiche. Ihre Gebete sollen Mäuse- und Rattenplagen vertrieben haben, die nicht nur Ernten vernichteten, sondern auch die Dämme zersetzten.

Demnächst soll die kleine Kapelle weiter ausgebaut werden, die Pläne für einen gotischen Sandsteinbogen am Eingang sind schon gezeichnet. Eine neue Broschüre soll über die Kapelle informieren. "Möglich ist das nur durch viele Unterstützer", sagte Delander. Dazu gehört auch der Bochumer Stadtbezirk Wattenscheid, der Gertrudis sogar im Wappen führt.

Die heilige Gertrudis

Die heilige Gertrudis von Nivelles ist die Schutzpatronin der Bonner Altstadt und lebte von 629 bis 659. Sie war die Ururgroßtante Karls des Großen und wurde standesgemäß erzogen. Trotzdem lehnte sie alle Heiratspläne ab und trat in das von ihrer Mutter gegründete Kloster in Nivelles ein, dessen Äbtissin sie wurde.

Gertrudis vermittelte Mädchen Wissen und vielseitige Fertigkeiten, kümmerte sich um Kranke, sorgte für Witwen, Pilger und Handwerksburschen. In Bonn galt die alte Gertrudiskapelle als Gesellendom der Kolpingsfamilie.