Gebäude für 2.500 Mitarbeiter

Die Deutsche Post investiert im Bonner Bundesviertel

Bonn. Die Deutsche Post DHL Group plant mit dem Bauunternehmen Ten Brinke ein gewaltiges Bürohaus mit 2500 Arbeitsplätzen, in das mehr als 100 Millionen Euro investiert werden sollen.

Bisher sind die Mitarbeiter auf 20 gemietete Gebäude im Stadtgebiet verteilt, aus denen sich das Unternehmen in den nächsten Jahren größtenteils zurückziehen wird. „Wir wollen die Wege verkürzen und gute, innovative Arbeitsplätze anbieten“, erklärt Projektleiter Olaf Hermanni, Immobilienmanager beim Konzern. Entstehen sollen diese Arbeitsplätze in zwei großen, neuen Gebäuden, eines davon mit geplanten 17 Etagen direkt gegenüber vom gläsernen Post-Wolkenkratzer. Hermanni: „Das ist ein klares Bekenntnis zur Stadt Bonn.“

Das größte Haus des Konzerns ist im Karree zwischen Friedrich-Ebert-Allee und Bahngleisen vorgesehen (siehe Grafik). An der Baunscheidtstraße will die Post gemeinsam mit dem niederländischen Bauunternehmen Ten Brinke mehrere städtische Grundstücke kaufen, um auf einem 16.000 Quadratmeter großen Areal ein langgestrecktes Gebäude mit fünf Etagen und Staffelgeschoss zu bauen. Es soll auf 52.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche Platz für bis zu 2500 Beschäftigte bieten. Zum Vergleich: Im Post Tower arbeiten etwa 2200 Frauen und Männer.

Gedacht ist an eine gemeinsame Projektgesellschaft mit Ten Brinke. „Wir sind noch früh im Prozess und hoffen auf einen Baustart 2020“, sagt Post-Manager Hermanni. Die Investition werde bei „deutlich mehr als hundert Millionen Euro liegen“. Ob die Post Eigentümer oder Mieter werde, stehe noch nicht fest. Ilja Keller, Geschäftsführer bei Ten Brinke, bestätigt die gemeinsamen Pläne. Wahrscheinlich werde es einen städtebaulichen Wettbewerb geben. Die nötige Änderung des Bebauungsplans, über die der Stadtrat abstimmen muss, werde erfahrungsgemäß 18 bis 24 Monate dauern.

Laut vertraulicher Beschlussvorlage der Stadtverwaltung sind die Investoren bereit, die Stadtplanungsleistungen und Gutachten auf eigene Kosten zu übernehmen. Im Wirtschaftsausschuss des Rates will sich die Stadt nächste Woche die Genehmigung dafür holen, über den Verkauf der Grundstücke Baunscheidtstraße 3-9, 13 und 15 zu verhandeln. Dort sitzt bisher die Verwaltung der Stadttochter Vebowag, die im Verkaufsfall wohl an die Godesberger Allee umziehen würde. Für das Bauprojekt wird auch das Grundstück Baunscheidtstraße 11 benötigt, für das Ten Brinke nach eigenen Angaben eine feste Kaufoption besitzt.

Weitere 900 bis 1000 Mitarbeiter möchte die Post in einem Neubau an der Kurt-Schumacher-Straße 24-28 unterbringen. Eigentümer Marc Asbeck will das „GreenGate“ auf dem Grundstück der früheren Niedersachsen-Vertretung errichten, die im Herbst abgerissen werden soll. Er hat eine Baugenehmigung für ein Gebäude mit neun Etagen (32 Meter hoch), benötigt aber weitere acht Etagen (Gesamthöhe 62 Meter), um die Post-Wünsche zu erfüllen.

Die Stadtverwaltung befürwortet das. Das nötige Bebauungsplanverfahren müsse sich aber am künftigen Rahmenplan für das Bundesviertel orientieren (siehe „Plan für das ehemalige Regierungsviertel“). Außerdem müsse Asbeck ein neues Qualifizierungsverfahren unter Beteiligung von mindestens fünf Architektenbüros durchführen. In der Bezirksvertretung Bonn bekam die Beschlussvorlage gegen die Stimmen von Grünen, Linken und Allianz für Bonn eine Mehrheit, wurde danach aber im Umwelt- und im Planungsausschuss gestoppt und vertagt.

Marc Asbeck will allerdings weder auf den Rahmenplan warten, noch einen Architektenwettbewerb starten. „Wir setzen die erteilte Baugenehmigung zeitnah um“, kündigt der Immobilienentwickler an. „Es ist jetzt an der Politik, die vom Mieter Deutsche Post/DHL Group benötigten weiteren Flächen zu befürworten und die Stadtverwaltung diesbezüglich anzuweisen.“ Die geplante Investition liege bei rund 110 Millionen Euro. Der Konzern äußert sich unmissverständlich: „Mit Blick auf unseren Bedarf kommt für uns eine langjährige Nutzung nur bei einer Lösung mit 17 Stockwerken in Frage“, so Hermanni.