Auswertung von TomTom

Deshalb ist Bonn die Stauhauptstadt von NRW

BONN. Die Navigations-Firma TomTom hat Verkehrsmuster in Deutschland analysiert. Bonn belegt im Ranking nicht nur bundesweit einen Spitzenplatz, sondern ist in NRW sogar Spitzenreiter.

Die Probleme mit Staus und zähfließendem Verkehr auf Bonner Straßen werden nicht weniger, im Gegenteil. Zumindest nach einer neuen Analyse des niederländischen Unternehmens Tomtom haben die Wartzeiten für Autofahrer im vergangenen Jahr noch zugenommen. Um zwei Prozent ist das von Tomtom sogenannte Stauniveau im Tagesdurchschnitt auf 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2017 angestiegen. Das bedeutet: Autofahrer brauchen für ihre Strecken mehr als ein Viertel länger als bei freier Fahrt ohne jedwede Verkehrsbehinderungen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam zu Beginn des Jahres eine vom Unternehmen Inrix veröffentlichte Studie. Inrix hatte nach seinen Rechnungen erklärt, dass Bonner Autofahrer jährlich im Durchschnitt 104 Stunden, also mehr als vier Tage im Stau stünden.

Tomtom nutzt für seine Analyse GPS-Messungen aus der eigenen Verkehrsdatenbank. So können die tatsächlichen Geschwindigkeiten mit den erlaubten verglichen werden. Stark befahrene Straßen werden mehr berücksichtigt. Das Unternehmen nennt als Gründe für die Zunahme des Verkehrs in fast allen deutschen Städten unter anderem, dass die Zahl der Autozulassungen 2018 weiter zugenommen habe, die Autos würden außerdem zunehmend größer. Der Fahrzeugbestand habe sich seit 1960 mehr als verzehnfacht. Außerdem stellt das Unternehmen die These auf, dass besonders diejenigen Städte staugeplagt sind, in denen die Mieten stark ansteigen. Deshalb führten Hamburg, Berlin, Stuttgart und München die Liste mit den größten Problemen an.

Bonn liegt bundesweit auf Platz sieben der Städte mit den häufigsten Staus, in NRW ist das der Spitzenplatz. „Die Ursachen für die Verkehrsprobleme vieler deutscher Städte sind vielfältig. Die Trennung von Wohnort und Arbeitsstätte spielt dabei eine wichtige Rolle“, heißt es in der Analyse. Auch Bernhard von Grünberg, Vorsitzender des örtlichen Mieterbunds, hält die großen Entfernungen zwischen Wohn- und Arbeitsort für eine Ursache der Verkehrsprobleme. „Die Hälfte aller Arbeitsplätze in Bonn wird von Einpendlern ausgefüllt“, sagte Grünberg. Nicht nur die Infrastruktur für den Nahverkehr müsse ausgebaut werden. Die Stadt müsse konsequent Bauland ausweisen und Nachverdichtung ermöglichen, wo es möglich sei, zumal Bonn und der Region ein weiteres Bevölkerungswachstum prognostiziert wird.

Andrea Schulte aus dem Bonner Presseamt erklärte auf Nachfrage: „Häufig kommt es zu Staus auf Autobahnen und Bundesstraßen, gerade jetzt angesichts von verstärkten Bautätigkeiten.“ Die Stadt erhoffe sich durch die im Bau befindliche dritte Spur vor dem Autobahndreieck auf der A565 ebenso Entlastung wie durch den Ausbau von A565 und A59. Vor allem aber setze man auf einen attraktiveren Nahverkehr, wenn die Straßenbahnlinien S13 und S23 ausgebaut sind.