Bonn-Center

Der neue Eigentümer hat den Mietern gekündigt

Das Bonn-Center steht zu 70 Prozent leer. Ein Kölner Immobilienunternehmen hat es gekauft.

BONN. Die Mieter des Bonn-Centers müssen bis Ende des Jahres ausziehen. Der neue Eigentümer Art-Invest Real Estate, eine Immobilien-, Investment- und Managementgesellschaft mit Hauptsitz in Köln, hat die Kündigungen verschickt. Das Pantheon darf bis Mitte 2016 weiterspielen. Ob das vierthöchste Gebäude Bonns abgerissen oder kernsaniert wird, lässt Art-Invest bisher offen.

Aber Wilfried Thünker, der seit 30 Jahren sein Business Center in der prestigeträchtigen Adresse am Bundeskanzlerplatz hat, wagt einen Blick in die Zukunft: "Ich bin mir sicher, dass der Bau gesprengt wird. Für alles andere ist die Substanz zu schlecht, das rechnet sich nicht." Bei Art-Invest befinde man sich laut eigener Aussage "in der Planungsphase", es würden verschiedene Nutzungskonzepte untersucht.

Die hingen stark von der baurechtlichen Entwicklung und dem Mietermarkt ab. Dazu spreche man "intensiv" mit der Stadt Bonn. Das Areal müsse "ganzheitlich betrachtet" werden, deshalb sei sowohl ein Teil- als auch ein kompletter Abriss möglich. Die Begründung für die Kündigung sei vor allem wirtschaftlicher Natur: "Das Objekt befindet sich in keinem nachhaltigen Zustand - angefangen von diversen Brandschutzaspekten bis hin zu bautechnischen Mängeln.

Eine Nachvermietung macht unter den derzeitigen Gegebenheiten keinen wirtschaftlichen Sinn." Mit dem Kauf von der Royal Bank of Scotland war ein Sonderkündigungsrecht für die Bestandsmietverträge verbunden, das Art-Invest nun nutzt. Das Bonn-Center befand sich seit 2009 im Insolvenzverfahren. Davor gehörte es der Dala-Gruppe aus Düsseldorf.

"Wir haben aber die Mieter von Anfang an, schon bevor der Verkauf publik geworden ist, eingebunden", heißt es vom Inhaber. Auch die Mieter, darunter auch mehrere Arztpraxen, beschreiben die Zusammenarbeit als konstruktiv. "Als Bonnerin finde ich es gut, dass hier etwas Neues entsteht. Aber für unsere Firma ist das natürlich schlecht", sagt Christina Lenze, deren Familie seit 1972 die Bowlingbahn im Bonn-Center betreibt.

Es sei schwierig, eine Alternative zu finden, die dieselbe 1-A-Lage habe. "In Bonn wird es uns wahrscheinlich nicht mehr geben." Deshalb hatte sie stets den Hoffnungsschimmer, doch noch bleiben zu können. Letztendlich seien ihr die Hände gebunden, Art-Invest handele rechtens. Die Bahnen sollen wie gewohnt bis zum letzten Tag, den 31. Dezember 2015, geöffnet haben.

Wilfried Thünker wird, wenn die Verträge des neuen Standorts für sein Business Center unterschrieben sind, schon Mitte des Jahres ausziehen. "Die neuen Räume sind moderner, aber so perfekt wie im Bonn-Center kann die Lage nicht sein", erklärt er. Harald Kirsch und Martina Steimer räumen das Pantheon nicht gerne, sind allerdings gelassen. "Ich habe in den 27 Jahren, die ich hier arbeite, schon fünf oder sechs Kündigungen auf dem Tisch gehabt", erzählt Kirsch. Immer habe sich eine Lösung gefunden. Kirsch und Steimer setzen auf die Unterstützung der Stadtverwaltung und sind selbstbewusst: "Kulturelle Einrichtungen sind gefragt und hauchen Orten Leben ein. Das tut sicherlich dem gut, was hier noch geschaffen wird."

Wie Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch gestern Abend in der Sitzung des Bonner Stadtrats mitteilte, habe der Investor ursprünglich vorgehabt, dem Pantheon schon für Juni dieses Jahres zu kündigen. Darüber sei die Stadt informiert gewesen, habe aber in Verhandlungen mit dem Eigentümer des Bonn-Centers erreicht, dass die Kündigung erst Mitte 2016 gültig wird. Die Stadt suche natürlich weiterhin nach alternativen Standorten für das Pantheon. Darüber, ob das Theater vielleicht doch im Bonn-Center bleiben könne, sei noch nicht das letzte Wort gesprochen, so Nimptsch.