Kommentar zu alternativen Angeboten

Der Reiz des Unperfekten

Erste Eindrücke: Das Pantheon in der Halle Beuel bei einer Gala der Deutschen Sporthilfe vor einer Woche.

Erste Eindrücke: Das Pantheon in der Halle Beuel bei einer Gala der Deutschen Sporthilfe vor einer Woche.

Immer mehr große Einkaufszentren in der Bonner Innenstadt. Ist das die Zukunft der Stadtentwicklung? Es gibt Alternativen - wie auch ein Blick zu anderen Städten zeigt.

Ich mag diese nicht ganz perfekten Lokalitäten, am liebsten in ehemaligen alten Industrieanlagen, so wie das Pantheon in der ehemaligen Jutefabrik in Beuel. Das Theater hat aus diesem tristen Raum, den das Bonner Schauspiel jahrelang nutzte, einen so charmanten Ort gemacht – mit viel Liebe zum Detail.

Ich gehe auch gerne ins Café Blau am ehemaligen Viktoriabad, wo sich vor allem studentisches Publikum hausgemachte Suppen, Biokuchen oder ungewöhnliche Saftschorlen schmecken lässt. Oder das Café Frida an der Bornheimer Straße mit seiner zusammengewürfelten behaglichen Einrichtung, wo es leckere Pfannenbrote gibt. Wunderbar anders ist auch das Black Veg an der Adolfstraße Nähe Frankenbad. Es gibt Torten, Döner, Suppen und Frühstück, alles vegan, präsentiert in gemütlicher Atmosphäre und urigen Tellern mit Goldrand, die an Oma erinnern.

Dasselbe gilt fürs Einkaufserlebnis. Camden Market in London ist einfach spannend, die Freiburger Markthalle immer wieder ein Genuss. Der Blick in Städte wie London, Amsterdam, Berlin oder Freiburg zeigt, dass die Menschen Alternativen wollen zu glatten Konsumtempeln, zu immer gleichen Franchise-Restaurants, zu Innenstädten, die so beliebig und so austauschbar sind wie Autobahnkreuze auf der ganzen Welt.

Viele Großstädte überlegen deshalb schon, wie sie den Trend umkehren können, wie sie ihre Innenstädte wieder zu belebten urbanen Quartieren machen können, die nicht abends zu menschenleeren Geisterstädten werden. Chicago gehört zu den Millionenstädten, die vor einigen Jahren begonnen haben, reine Büroviertel im Zentrum wieder zurückzuplanen.

Stadtentwicklung braucht Freiräume, wo sich alternative Angebote entfalten können. Das Angebot der Stadt, jetzt einige ihrer leerstehenden Immobilien Vereinen und Kulturinitiativen für wenig Geld zur Verfügung zu stellen, ist ein erster Schritt. Aber da ist noch viel Luft nach oben. Ich bin jedenfalls froh, dass es Initiativen wie Rhizom oder im Vitoriakarree gibt, die sich diese Freiräume nehmen. Für mehr Leben in unserer Stadt.