Kommentar zum Bürgerentscheid

Das Ergebnis zum Wasserlandbad ist auch ein Misstrauensvotum

Wer "Ja" ankreuzte, meinte damit den Stopp der Neubaupläne und war in der Mehrheit.

Wer "Ja" ankreuzte, meinte damit den Stopp der Neubaupläne und war in der Mehrheit.

Bonn. Beim Bürgerentscheid zum Wasserlandbad haben sich die Gegner des Neubauprojekts mit 51,94 Prozent der Stimmen durchgesetzt. Einer der Gründe: verlorenes Vertrauen in die Stadt, kommentiert GA-Redakteur Rüdiger Franz.

Zum zweiten Mal hat der Souverän in der Bonner Bäderfrage gesprochen. Nach der haarscharfen Mehrheit gegen die Sanierung des Kurfürstenbades im vergangenen Jahr ging der jüngste Bürgerentscheid ähnlich knapp aus und beendet vorläufig alle Träume von einem modernen Bad.

Beide Abstimmungen zeigen vor allem eines: Bonn ist in der Bäderfrage in zwei nahezu gleich große Lager gespalten, und die Ergebnisse beider Bürgerentscheide sind anhand von Logik miteinander kaum in Einklang zu bringen. Es wird politisch nicht gerade ein Badevergnügen werden, diesen gordischen Knoten zu lösen und gleichzeitig neuen Verdruss zu vermeiden.

Die Ursachen für die Niederlage von Verwaltungsspitze und Ratskoalition sind vielschichtig und reichen über die reine Standortfrage für ein Schwimmbad hinaus. Zwar haben sich - etwa in Form der "Koalition" aus Godesbergern und Bewohnern der Nordstadt im Kampf um die dezentralen Stadtteilbäder - bestimmte Muster wiederholt. Gerade in Bad Godesberg hat sich über Jahrzehnte die Befindlichkeit manifestiert, der Stadtbezirk sei inzwischen so etwas wie das Aschenputtel der großen, bösen Schwester Bonn.

Die Stimmen der Godesberger gegen das neue Bad im Wasserland wirken vor diesem Hintergrund wie ein verbitterter Vergeltungsschlag für alle Demütigungen, die man seit den nicht gehaltenen Verheißungen der Eingemeindung über die Jahre erlitten zu haben meint. Insofern mag der Scherbenhaufen in Bad Godesberg besonders groß sein. Das macht die Lage in den anderen Stadtteilen aber nicht besser. Dass ein neues, schmuckes Bad auch in Stadtteilen wie Beuel, Poppelsdorf, der Süd- und Weststadt oder Endenich keine Jubelstürme auslöst, muss zu denken geben. Die Gründe sind weniger auf der Liegewiese des Melbbades als in verlorenem Vertrauen zu suchen.

WCCB-Desaster, Kostenexplosionen bei Haus der Bildung und Beethovenhalle und jahrelanges Gewurstel an der Römerstraße - warum soll man ausgerechnet einer solchen Stadt den reibungslosen und im Finanzrahmen bleibenden Bau eines Schwimmbads zutrauen? Zweifel werden nicht nur jene anmelden, die sich in jüngerer Zeit unter Hohn sprechenden Bedingungen im Stadthaus einen neuen Personalausweis erkämpfen mussten und dabei erlebten, was Staatsversagen auf kommunaler Ebene bedeutet.

Entstanden ist die Misere nicht unter der Ägide des amtierenden Oberbürgermeisters. Sie wirksam und spürbar zu beenden, wäre eine Leistung, mit der sich Misstrauen und Entfremdung heilen ließen. Die hohe Beteiligung am Bürgerentscheid ist ein gutes Zeichen dafür, dass die Bereitschaft zu Kontroverse und konstruktiver Diskussion in Bonn gut ausgeprägt ist. Bei der Suche nach dem Durchbruch in der Bäderfrage hilft das aktuell zwar kaum. Aber es zwingt zur Kreativität. Und die wird nun dringend gebraucht.