240.000 Euro Zuschuss

Das Bonner Tierheim soll mehr Geld erhalten

Martin Dickmanns arbeitet im Bonner Tierheim: Hundert Katzen leben hier durchschnittlich, außerdem etwa 85 Hunde und 160 Kleintiere.

Martin Dickmanns arbeitet im Bonner Tierheim: Hundert Katzen leben hier durchschnittlich, außerdem etwa 85 Hunde und 160 Kleintiere.

Bonn. Statt wie bisher 150.000 soll der Verein Tierschutz Bonn für den Betrieb des Tierheims 240.000 Euro erhalten. Offen bleibt, ob sich die geplante Verbreiterung der A565 auf die Existenz des Tierheims auswirkt.

Den Kommunalpolitikern liegt derzeit ein Vertragsentwurf vor, demzufolge der städtische Zuschuss um mehr als die Hälfte steigen würde. An diesem Donnerstag soll der Stadtrat darüber entscheiden.

Der letzte Vertrag lief fünf Jahre lang und wurde im vergangenen Jahr vom Verein gekündigt. Streitigkeiten seien nicht der Grund gewesen, wie beide Seiten versichern. Vielmehr stehen Tierschutzverein und Stadtverwaltung in Verhandlungen, die nach Auskunft des Vereins ebenfalls durchweg harmonisch verlaufen seien. Das könnte daran liegen, dass die Stadtverwaltung die Argumente des Vereins in nahezu allen Punkten unterstützt.

Dass die Betreiber des Tierheims mehr Geld benötigen, liege beispielsweise daran, dass seit einiger Zeit mehr Tiere für einen längeren Zeitraum untergebracht werden mussten, als in der zuletzt errechneten Pauschale angenommen wurde. Auch habe die Errechnung der Tagessätze nicht der Lebensrealität entsprochen.

Für Barbara Töpfer, Vorsitzende des Bonner Tierschutzvereins, ist die Erhöhung nur die folgerichtige Konsequenz aus permanent steigenden Auf- und Ausgaben. „Bislang sind wir mit dem Budget kaum hingekommen“, sagt sie. Den Gesamtetat für den Tierheimbetrieb beziffert sie auf rund 780.000 Euro pro Jahr, davon seien 444.000 Euro Personalkosten. Weil das auch bei einer möglichen Erhöhung den städtischen Zuschuss weit übersteigt, müsse die jährlich entstehende Unterdeckung durch Spenden und Nachlässe kompensiert werden. Ohnehin nehme der Verein kommunale Aufgaben wahr. „Die Alternative wäre, dass Bonn ein städtisches Tierheim baut und betreibt. Allein die Personalkosten würden in diesem Fall den Haushalt erheblich mehr belasten“, sagt Barbara Töpfer.

Auch im Vergleich zu anderen Städten ähnlicher Größe falle der Zuschuss an das Tierheim in Bonn moderat aus: So liege er in Münster bei rund 500.000 Euro jährlich. Und noch eine Rechnung macht die Vereinsvorsitzende auf: „Vom Hundesteueraufkommen in Bonn wird ein Großteil durch uns erwirtschaftet, indem wir Hunde an Bonner Bürger vermitteln“, sagt Töpfer.

A 565-Ausbau: Tierheimbehält sich Klage vor

Angesichts der Tatsache, dass die Stadt in den vergangenen vier Jahren mehrfach an der „Hundesteuerschraube“ gedreht habe und daraus zuletzt 1,6 Millionen Euro eingenommen habe, sei auch eine höhere Zuwendung an das Tierheim recht und billig. Dass das Bonner Tierheim in Kooperation mit ausländischen Tierheimen auch herrenlose Hunde aus Südeuropa vermittelt, sei dabei nicht maßgeblich, sagt Töpfer, denn: „Diese Tiere sind aus der Kalkulation bereits herausgerechnet.“

Ob der Stadtrat in seiner Sitzung nun der Erhöhung zustimmt oder nicht: Ein ganz anderes Problem bleibt davon unberührt: Die geplante Verbreiterung der Autobahn 565 im Abschnitt des sogenannten Tausendfüßlers könnte sich im Extremfall auf die Existenz des Tierheims auswirken. „Je nachdem, auf welcher Seite die Brücke verbreitert wird, liegen wir künftig unter der Autobahn. Das wäre nicht tragbar, und dagegen würden wir notfalls klagen“, sagt Töpfer. Ausweichmöglichkeiten auf dem Grundstück, das dem Verein gehört, seien begrenzt. Im Bonner Tierheim leben im Schnitt etwa 85 Hunde, 100 Katzen und 160 Kleintiere.