Abriss und Sprengung des Bonn-Centers

Das Betongerippe ist bald Geschichte

Bonn. Auf dem Areal des Bonn-Centers soll ein Neubaukomplex entstehen, der mit bis zu 70.000 Quadratmetern doppelt so viel Nutzfläche haben wird wie das bisherige Gebäude. Ein Teil des Komplexes ist bereits abgerissen, das markante Hauptgebäude soll am 19. März gesprengt werden.

Nun dreht er sich wirklich nicht mehr, der Mercedes-Stern auf dem Bonn-Center. Beinahe 50 Jahre lang rotierte er auf dem Dach des mit 60 Metern bislang vierthöchsten Gebäudes in Bonn alle zwei Minuten um die eigene Achse. Bauarbeiter und Abrissbagger verwandeln seit einigen Monaten das 1969 mit viel Prominenz eröffnete Bonn-Center, das Bonn einen „Hauch von Manhattan“ geben sollte, mehr und mehr in ein Betongerippe. Am 19. März soll der Rest des einstigen Hochhauses gesprengt werden.

An seiner Stelle ist ein neuer Büro- und Geschäftskomplex mit voraussichtlich doppelt so viel Nutzfläche wie bisher geplant. Der Eigentümer – die Kölner Art Invest – schweigt sich allerdings zu näheren Details der Planungen noch aus. Auch zu den künftigen Nutzern des Neubaus. Fest steht bisher nur: Der Stern wird nicht zurückkehren. Er wird wohl verschrottet.

„Nach wie vor äußern wir uns nicht zu potenziellen Mietinteressenten. Sobald es diesbezüglich Neuigkeiten gibt, werden wir unsere Medienpartner proaktiv informieren“, sagte Philipp Petersen von der Medienagentur „Counterpart“, die Art Invest mit der Öffentlichkeitsarbeit betraut hat. Gleiches gelte auch für eine Konkretisierung der Planung. „Nach dem Rückbau des Bestandsgebäudes treiben wir die Planung intensiv voran und werden die Medien entsprechend auf dem Laufenden halten.“

Platz für 3000 Mitarbeiter

Lediglich in groben Zügen ist bisher die Planung bekannt, mit der Art Invest das Kölner Büro JWSD Architekten beauftragt hat. So soll wieder ein Gebäudeensemble auf dem Areal entstehen, wovon der höchste Teil bis zu 100 Meter hoch werden darf. Die Nutzfläche soll mit etwa 60.000 bis 70.000 Quadratmetern doppelt so viel wie bisher betragen und Platz für rund 3000 Beschäftigte bieten. Die bisherigen Planungen sehen zudem ein Parkhaus mit rund 1000 Stellplätzen vor.

Entgegen ursprünglichen Überlegungen entschied Art Invest dann im Januar, die Gebäude nach Ende der Entkernungsarbeiten doch zu sprengen. „Aufgrund der urbanen Lage sind wir zunächst davon ausgegangen, dass an dieser Stelle nur ein schrittweiser Rückbau durchführbar ist. Auf Anraten des zuständigen Abbruchunternehmens, mit dem wir sehr eng zusammenarbeiten, haben wir uns dazu entschieden, auch eine kontrollierte Sprengung zu prüfen“, sagte Petersen. Ein Expertenteam habe im Anschluss sowohl einen schrittweisen Rückbau als auch eine Sprengung in Bezug auf Sicherheit, Kosten, Zeit sowie Staub- und Lärmbeeinträchtigungen geprüft.

 

„Letztendlich haben die geringeren Beeinträchtigungen für die Anwohner durch eine Sprengung den Ausschlag für die Entscheidung gegeben.“ Eine Genehmigung für die Sprengung steht indes noch aus. „Wir befinden uns wegen einiger Detailfragen noch in enger Absprache mit der Bezirksregierung Köln“, sagte Stadtsprecherin Monika Hörig. Grundsätzlich sei aber davon auszugehen, dass Art Invest eine Genehmigung erhalten werde.

Die Grafik zeigt die Sicherheitszonen um das Bonn-Center, die während der Sprengung als Evakuierungs- bzw. Gefahrenbereich gelten.

Die Grafik zeigt die Sicherheitszonen um das Bonn-Center, die während der Sprengung als Evakuierungs- bzw. Gefahrenbereich gelten.

 

Sprengung am 19. März

Nach bisherigem Stand soll die Sprengung am Sonntag, 19. März, erfolgen. Es soll ein Gefahrenbereich mit einem Radius von 100 Metern abgesperrt werden, in dem sich während der Explosion niemand aufhalten darf. Zudem werden während der Sprengung Straßen, U-Bahnlinien und die Bahnstrecke, die in einem Radius von 200 Metern um das Bonn-Center liegen, gesperrt. Sorgen von Anwohnern, dass durch die Sprengung Asbest in der Luft freigesetzt werden könnte, hält Art Invest-Sprecher Petersen für unbegründet. „Sämtliche Schadstoffe werden im Vorhinein aus dem Gebäude entfernt. Im Anschluss wird ein Gutachter bestätigen, dass keine Gefahr durch Schadstoffe besteht, und die Sprengfreigabe erteilen“, versicherte er.

Was am Bundeskanzlerplatz im Groben entstehen darf, kann man dem sogenannten vorhabenbezogenen Bebauungsplan Nummer 6620-1 entnehmen. Die entsprechenden Unterlagen für das Gebiet zwischen Reuterstraße, Bundeskanzlerplatz, Willy-Brandt-Allee, Eduard-Pflüger-Straße und Straßburger Weg liegen im Stadthaus, Berliner Platz 2, noch bis 10. März öffentlich im Amt für Bodenmanagement und Geoinformation, Etage 6 B, aus. Geöffnet ist das Amt Montag und Donnerstag von 8 bis 18, sowie Dienstag, Mittwoch und Freitag, von 8 bis 13 Uhr.