Bunker in Bonn

Bund gibt 220 Immobilien auf

BONN. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) in Bonn hat ein massives Erbe übernommen: Seit der Bund 2009 sein flächendeckendes Schutzraumkonzept aufgegeben hat, werden 220 Hochbunker nach und nach entwidmet und verkauft.

Während der Beueler Hochbunker an der Goetheallee bereits zu Wohnungen umgebaut wird, sind Windeckbunker und Bunker Dottendorf noch im Dornröschenschlaf. Sie stehen als Nächstes auf der Liste der BImA.

Der Windeckbunker soll zuerst verkauft werden. Laut Thomas Grützner von der BImA-Pressestelle laufen bereits Verhandlungen. Es müssen auch noch Grundstücksfragen geklärt werden. In einem nächsten Schritt soll dann auch der Bunker am Quirinusplatz eine neue Nutzung bekommen.

Das markante Gebäude mit den turmartigen Aufbauten wird bereits in einer Broschüre unter dem Motto "Chancen für Investitionen" vorgestellt.

Die BImA muss mit Objekten an den Markt, die auf den ersten Blick oft abweisend und ungemütlich wirken. Deshalb hat sie ein Projekt "Faszination Bunker" aufgelegt. "Wir wollen zeigen, was man aus so einem hässlichen Entlein machen kann", sagte BImA-Vorstand Axel Kunze.

Im Berliner Boros-Bunker zum Beispiel wohnt Kunst hinter meterdicken Wänden, und in Bremen ist ein Mehrfamilienhaus entstanden, in dem man garantiert keine hustenden Nachbarn hört. In der Frankfurt Innenstadt wird ein Hochbunker abgerissen, was in der Regel sehr teuer ist.

Lange konnte niemand etwas mit den trutzigen Betonbauwerken anfangen, denn es war nach Auskunft der Experten bis vor etwa zehn Jahren unmöglich, mit akzeptablem Aufwand Öffnungen für Fenster in die Hülle zu schneiden. "Mittlerweise ist die Technik weiter und es sind ganz andere Nachnutzungen möglich", sagte Bernd Morneweg aus der Abteilung Marketing der BImA. Außerdem gehe der Trend hin zu ungewöhnlichen Immobilien.

Die Bevölkerung habe sich an die Bunker gewöhnt, so die Beobachtung der BImA-Mitarbeiter. Besonders, wenn sie so zugewachsen sind wie der Windeckbunker. Die Kaufinteressenten reizt die meist innerstädtische Lage der Schutzräume, die zum größten Teil in den 1940er Jahren fertiggestellt wurden.

Die Bunkergelände sind oft die letzte Möglichkeit, in den Zentren von Großstädten etwas Neues zu schaffen. Die Teilnehmer eines Wettbewerbs "Faszination Bunker" schlagen für die Umnutzung oft eine Kombination aus Wohnen, Begrünung und Kultur- oder Begegnungszentrum vor. Pläne für die Bonner Bunker gibt es noch nicht.