Katholische Kirche

Bonner Opfervereine kritisieren Missbrauchsstudie

25.09.2018 Bonn. Die Opfervereine des Bonner Collegium Josephinums und des Aloisiuskollegs kritisieren die Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz. Viele Opfer seien darin gar nicht erfasst.

Die Opfervereine zweier katholischer Schulen in Bonn haben enttäuscht auf die Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz reagiert. „Die Studie greift zu kurz, weil darin die meisten Opfer gar nicht erfasst sind“, erklärten Winfried Ponsens und Sylvia Witte vom Verein „Missbrauchsopfer Collegium Josephinum Bonn und Redemptoristen“ am Dienstag. „Diese Opfer gab es vor allem in kirchlichen Heimen und Internaten zu Tausenden.“ Auch der Eckige Tisch Bonn, der Opfer am Bonner Aloisiuskolleg vertritt, kritisierte die Studie.

Ponsens und Witte betonten, gerade in Institutionen wie dem Collegium Josephinum sei Gewalt ab den 1950er Jahren weitgehend unentdeckt geblieben, weil diese geschlossene Systeme gewesen seien. Die Opfer forderten deshalb „eine unabhängige Studie mit Zugriff auf das gesamte Aktenmaterial aller Bistümer“. Es brauche eine zentrale und öffentlich zugängliche Dokumentation aller Fälle, Ombudspersonen und die Beteiligung der Betroffenen in allen zuständigen Gremien. „Es braucht angemessene individuelle Entschädigungen für das unermessliche lebensbegleitende Leid der Opfer“, forderte Ponsens weiter.

Auf die Ankündigung des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki, in seinem Bistum mögliche Versäumnisse gesondert aufarbeiten zu wollen, reagierte der Verein zurückhaltend: „Verbrechen müssen im Rechtssaat durch staatliche Organe untersucht und geahndet werden und nicht durch verantwortliche Institutionen oder Personen selbst“, betonte Ponsens.

Der Verein Eckiger Tisch Bonn kritisierte, dass die von ihm selbst geschätzten mindestens 400 Geschädigten des Bonner Aloisiuskollegs in der Studie der Bischofskonferenz nicht vorkämen. Denn sowohl die Orden als auch deren weltliche Mitarbeiter seien nicht untersucht worden. „Und der Jesuitenorden selbst hat bislang nur einzelne Teile der Missbrauchsgeschichte untersuchen lassen“, hieß es. „Heute weinen dieselben Bischöfe Krokodilstränen, die die Archive zur Aufklärung nicht ganz geöffnet haben. Jetzt muss der Rechtsstaat agieren“, forderte der Verein.

Sei nicht einmal ein Erinnerungsort für Opfer auf dem Ako-Gelände im Gespräch gewesen? Stattdessen werde der Ort hunderter Missbräuche, die ehemalige Internatsvilla Stella Rheni, für Partys vermietet. "Der Orden ist zudem bis heute nicht bereit, diejenigen Jesuiten zu sanktionieren, die Kinder wissentlich in den Händen der Täter gelassen haben." Vertuscher säßen heute in Leitungspositionen. "Verantwortliche haben stets die Karriereleiter fortgesetzt", so der Eckige Tisch Bonn.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, stellte am Dienstag in Fulda die Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ vor. Die Forscher fanden bei der Durchsicht von Akten der Jahre 1946 bis 2014 Hinweise auf Beschuldigungen von 1.670 Klerikern. Sie machten 3.677 Opfer aus. Marx erklärte bei der Vorstellung, er schäme sich. Den Opfern sei zu wenig zugehört worden, zudem sei „vertuscht, weggeschaut und geleugnet“ worden. (epd, Ebba Hagenberg-Miliu)