Marode Bonner Oper

Bonner Oper hat massive Brandschutzmängel

Bonn. Die Probleme sind bekannt, werden aber „seit 2005 unter den Teppich gekehrt“, sagt der technische Direktor. Jetzt soll Instandsetzung starten.

Das Opernhaus wird seit vielen Jahren mit massiven Brandschutzmängeln betrieben. Das ist der Stadtverwaltung, der Feuerwehr und dem Theater Bonn seit langem bekannt, wie sich am Mittwochabend bei einem Rundgang mit Kommunalpolitikern herausstellte. Erst jetzt sollen – im Zuge einer großen Instandsetzung – Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Ähnlich ist die Lage in Godesberg.

„Das Opernhaus entspricht dem Standard, der in der Bauzeit 1962 bis 1965 üblich war“, erklärte André Haese, der als Architekt für das Theater arbeitet, den Mitgliedern des Kulturausschusses. Heute seien die Sicherheitsanforderungen viel höher. Bei einer Begehung im Februar hätten Feuerwehr und Bauordnungsamt mehr als 20 Brandschutzmängel festgestellt. Nach eigenen Angaben verfügt das Theater Bonn nicht über ein genehmigtes Brandschutzkonzept. Ein externer Experte sei gerade dabei, ein Gutachten zu erstellen, betonte Jens Lorenzen, der technische Direktor. „Die Personensicherheit ist trotz allem gewährleistet.“ Man setze Brandwachen ein: drei bei Veranstaltungen im Saal, zwei bei Aufführungen der Werkstattbühne. Die Problemzonen, die das Theater selbst benennt:

Foyer im Erdgeschoss: Es hat keine Rauchmelder. Baulich müsste es von der Garderobe getrennt sein. Das lässt sich mit einer Sprinkleranlage heilen. Dafür muss aber ein zusätzlicher Wassertank im Keller installiert werden. Warndurchsagen im Brandfall sind problematisch, weil das Foyer zu stark hallt – das soll ein Raumakustiker lösen, sobald das Brandschutzgutachten vorliegt.

Foyer im ersten Stock: Seit Jahren ist klar, dass die Rauchentlüftung oberhalb der Fenster nicht reicht; man hat sich aber nur mit einer Klappenlösung beholfen. Die Holzlamellen der Wandverkleidung und der Teppich sind nicht aus schwer entflammbaren Materialien, wie es Vorschrift ist. Pausenfoyer und früherer Raucherraum haben keine Rauchmelder. Die Türen sind nicht dicht.

Der Saal (1024 Plätze): Die Türen brauchen eine höhere Feuerwiderstandsklasse. Die hölzerne Wandvertäfelung muss erneuert werden, auch um die Akustik zu verbessern. Dahinter liegen Elektroleitungen. „Wir müssen im ganzen Gebäude Brandlasten verringern“, so Architekt Haese. Holzverschalungen hinter Außenfassaden, Wandverkleidungen und über abgehangenen Decken müssten weg, Leitungen fachgerecht abgesichert werden. Im Moment sei theoretisch sogar ein Brand von Kabeln im Stahlgittertragwerk unterm Dach denkbar, der Einsturzgefahr auslösen könne.

Fluchtwege: Selbst auf dem Hauptrettungsweg nach draußen, der laut Bauordnung einwandfrei sein muss, hat die Oper massive Brandschutzmängel. Die Stahltüren mit Glaselementen, die zum Beispiel die Treppe gegenüber dem Parkett-Zugang A sichern sollen, besitzen keine Abdichtung, würden also giftigen Rauch durchlassen. Der rote Teppich dort stellt ein Risiko dar: Er ist entflammbar. Eine Fluchttür im zweiten Rang führt in einen Technikraum – der muss freigeräumt werden.

Lorenzen warnte jedoch vor übertriebenen Ängsten. „Wir spielen keine Vorstellungen, wenn wir es nicht verantworten können“, so der technische Direktor. Es sei aber nicht vertretbar, mit den Baumaßnahmen noch länger zu warten, nachdem die Probleme „seit 2005 immer wieder unter den Teppich gekehrt worden“ seien. Damals wurde ein Brandschutzgutachten erstellt, aber der Stadt wohl nicht formell vorgelegt. Auch die Gebäudeversicherung macht Druck, schnell zu handeln.

Das Presseamt erklärte, es habe alle fünf Jahre Brandschauen mit Feuerwehr und Bauordnungsamt gegeben. Mängel seien im Rahmen der Bauunterhaltung behoben worden. „Die im Instandsetzungskonzept beschriebenen Mängel sind Mängel, welche durch den normalen Bauunterhalt nicht mehr abzuarbeiten sind“, sagte Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann. Sprich: Sie sollen jetzt während der Gesamtinstandsetzung „in Gänze“ beseitigt werden. Bis zum Baubeginn bestehe der Bestandsschutz, der seit den 60er Jahren gelte. Deshalb habe die Oper auch kein Brandschutzkonzept gebraucht. Für die Unterhaltung der Theatergebäude war bis 2014 das Städtische Gebäudemanagement zuständig. Seitdem hat das Theater dafür einen eigenen Architekten.

Neben dem Brandschutz sind in den nächsten Jahren bei laufendem Betrieb noch viel mehr Baumaßnahmen geplant – von den Fassaden über die Bühnentechnik bis zur Warmwasserbereitung. Einer der Kessel ist derart marode, dass in der Oper Legionellenbefall droht. Zu den Kosten äußern sich Theater und Stadt wohl erst im Juni. Kleiner Vorgeschmack: Allein das Abdichten der 800 Quadratmeter großen Terrasse über dem Foyer, durch die das Wasser ins Haus läuft, kostet rund 800.000 Euro.