Verkehrsführung in der Innenstadt

Bonner Händler kritisieren Einbahnstraße am Cityring

Seit Anfang des Jahres ist die Durchfahrt zum Bonner Hauptbahnhof für Autos aus Richtung Kaiserstraße gesperrt.

Seit Anfang des Jahres ist die Durchfahrt zum Bonner Hauptbahnhof für Autos aus Richtung Kaiserstraße gesperrt.

BONN. Die Händler der Bonner Innenstadt kritisieren die aktuelle Verkehrsführung in der City, vor allem die Maximilianstraße als Einbahnstraße. Sie wollen den alten Cityring zurück.

Vertreter von Wirtschaft und Handel fordern die Rückkehr zur alten Verkehrsführung des Cityrings. Gemeint ist in erster Linie das kurze Teilstück der Maximilianstraße, das auf die Kaiserstraße zuläuft. Seit der baustellenbedingten Sperrung am Maximilian-Center (ehemalige Südüberbauung) können Autos, die aus südlicher Richtung über die Kaiserstraße kommen, nicht mehr vor den Hauptbahnhof gelangen. Die Einbahnstraßenregelung wurde umgekehrt. „Das ist aus unserer Sicht ein eklatanter Fehler“, findet Jannis Vassiliou. Der Vorsitzende des Einzelhandelsverbands Bonn/ Rhein-Sieg/Euskirchen befürchtet ein langsames Ausbluten der Bonner Innenstadt, wenn Autofahrer die City nicht mehr flüssig erreichen könnten.

Der Verband, die Vereine City-Marketing und Haus & Grund sowie die Industrie- und Handelskammer (IHK) vertreten die Auffassung, dass die jetzige Regelung zu einer Verschärfung der Stauprobleme vor dem Koblenzer Tor führt. Autofahrer aus der Kaiserstraße müssten jetzt um den Hofgarten herumfahren, um über die B 9 zu den Innenstadtparkplätzen zu kommen. IHK-Geschäftsführer Stephan Wimmers und Haus & Grund-Vorsitzender Dirk Vianden halten die Kaiserstraße für einen wichtigen Bypass, den gerade Ortskundige nutzten, um die stark befahrene B 9 zu umfahren.

„Uns steht das Wasser bis zum Hals, und ohne Umsätze erhält auch die Stadt Bonn letztlich weniger Einnahmen“, erklärt Karina Kröber vom Vorstand des City-Marketings. Über Umsatzrückgänge hatten viele Innenstadt-Geschäfte im Rahmen einer Befragung der IHK während der Baustelle an der Maximilianstraße geklagt. Sie verhinderte von Jahresbeginn bis Anfang Juni eine Durchfahrt der Autos zum Hauptbahnhof. Im ersten Quartal 2018 seien Umsatzeinbußen von durchschnittlich zwölf Prozent entstanden, die IHK und die 47 befragten Unternehmen auch auf die veränderten Verkehrsbeziehungen zurückführen.

Belastungen vor Bahnhof vermeiden

Für die Stadt ist die Beibehaltung der heutigen Verkehrsregelung der Maximilianstraße allerdings zwingend. Stefanie Zießnitz aus dem städtischen Presseamt teilte dazu mit: „Die Einbahnregelung zwischen Wesselstraße und Kaiserplatz sowie das Durchfahrtsverbot von der Kaiserstraße zum Hauptbahnhof müssen bestehen bleiben. Denn die Verkehrsbelastung vor dem Bahnhof musste nach der Aufhebung der Sperrung der Maximilianstraße begrenzt werden, damit die Rabinstraße auch weiterhin – so wie in der Sperrphase bereits erfolgt – in beide Richtungen einspurig befahrbar bleiben kann.“ Die Durchfahrt vom Kaiserplatz in Fahrtrichtung Norden würde zu zusätzlichen Belastungen vor dem Bahnhof führen.

Seit der Freigabe des neuen Kreisels am Alten Friedhof stehen nicht mehr zwei Spuren in Fahrtrichtung Norden ab der Thomas-Mann-Straße zur Verfügung, sondern nur noch eine. Über die Gegenfahrbahn verkehren auch Baustellenfahrzeuge. Über die verbliebene Spur könnten nicht genügend Autos abfließen. Nach Wegfall des oberirdischen Parkplatzes am Bahnhof und der Bahnhofsgarage könnte der Verkehr allerdings durchaus nachgelassen haben.

Ändere Verkehrsführung wird überprüft

Der Stadtrat habe sich, so Zießnitz, der Haltung der Verwaltung zur aktuellen Verkehrslösung an der Maximilianstraße angeschlossen. Aber er hat überdies einen Prüfauftrag für einen erweiterten Cityring beschlossen. Die Verwaltung ermittelt gerade, ob der Cityring künftig über die Straßen „Am Hofgarten“, „Fritz-Tillmann-Straße“ und „Kaiserstraße“ laufen kann. In dem Fall könnte der Bahnhof aus Richtung Kaiserstraße wieder erreicht werden. Die genannten Händler und Verbände sehen diese Idee, die auf einen Vorschlag der Ratskoalition zurückgeht, kritisch. Vassiliou denkt an die Sicherheit der Schüler der Münsterschule: „Die Fritz-Tillmann-Straße ist außerdem sehr eng.“ Kröber glaubt, „wenn der Autofahrer durch das Koblenzer Tor durch ist, hat er das Gefühl, aus der Stadt draußen zu sein.“ Ein Radweg sollte aus Sicht des Handels zur Hofgartenwiese hinter der Uni verlaufen und nicht auf der heutigen Busspur entlang der Rathausgasse, wie es die Stadt ebenfalls prüfen soll.

Was Wimmers stört, ist der Eingriff in den Verkehr „ohne Not“. Er sieht es so, weil die Voraussetzungen für eine Testphase an vielen Stellen nicht gegeben seien. Er lobt die Einführung des Linksabbiegers vom Belderberg zum Bertha-von-Suttner-Platz. Aber unter realistischen Bedingungen könne er erst getestet werden, wenn die Baustelle an der Römerstraße beendet sei und der Verkehr dort wieder auf den Belderberg zufließen könne. Kröber fehlt im Zusammenspiel mit der Verwaltung derzeit „das Miteinander“. Informationen seien nur schwer zu bekommen. Vassiliou hält es für sinnvoll, einen externen Verkehrsberater zu beauftragen, der von außen auf die innerstädtischen Verkehrsprobleme schaut und Auswege aufzeigt.