Baustellenkrise

Bonn plant Jubiläum 2020 ohne Beethovenhalle

In einem Raum der alten Halle ist im Zug der Sanierung die Bodenplatte aufgebrochen worden.

In einem Raum der alten Halle ist im Zug der Sanierung die Bodenplatte aufgebrochen worden.

Bonn. Bonn hat die Beethovenhalle offiziell als Spielstätte für das Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 gestrichen. Alle Veranstaltungen sollen an anderen Orten organisiert werden. Derweil denken die Ratsfraktionen über einen Abriss der Halle nach.

Die Beethovenhalle aus den weiteren Planungen herauszuhalten, darauf habe sich Oberbürgermeister Ashok Sridharan bei einem Treffen mit den Geschäftsführern der Beethoven Jubiläums Gesellschaft und des Beethovenfestes sowie den Leitern des städtischen Theaters und des Orchesters geeinigt, teilte das Presseamt mit

Interimsbauten für das Festspieljahr habe die Runde aus Zeit- und Kostengründen für nicht mehr realisierbar gehalten, so das Presseamt. Hauptaustragungsort soll das Opernhaus (1024 Plätze) werden – was aber Folgen für die eigene Programmplanung und die Einnahmen der Oper haben wird. Alle „zentralen Veranstaltungen“ des Jubeljahres könnten im Opernhaus oder im World Conference Center Bonn (WCCB, 1100 Plätze) stattfinden, erklärte die Stadt. Das habe ein erster Terminabgleich gezeigt. Neben der Aula im Uni-Hauptgebäude (700 Plätze) würden weitere Spielstätten geprüft.

Unterdessen plädieren zwei Fraktionen aus der Ratsopposition als Konsequenz aus der Baustellenkrise für ein radikales Umdenken: Die Sozialliberalen forderten einen Baustopp, um einen Neubau in Betracht zu ziehen. „Angesichts der ebenfalls anstehenden Instandsetzung der Oper soll die Verwaltung prüfen, ob der Bau einer gemeinsamen Spielstätte von Orchester und Oper am Ort der Beethovenhalle möglich ist“, so Sebastian Kelm, stellvertretender Fraktionschef. Ähnlich äußerte sich zuvor schon Stephan Eisel, Vorsitzender des Vereins Bürger für Beethoven.

Und auch beim GA trafen Zuschriften ein, die diese Idee unterstützen. So schrieb Hermann Simon, Gründer der Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners, vom nötigen „Reset“ – einem völligen Neustart des Systems. Der Marketingexperte geht davon aus, dass die Kosten eines Baustopps sich im Vergleich zu den Risiken einer Sanierung im Rahmen halten. „Das ist ein Fass ohne Boden“, betonte Simon. Den Denkmalschutz der Beethovenhalle könne man aufheben, sie abreißen und neu bauen.

„Dabei ist die Idee von Stephan Eisel, Konzertsaal und Oper zu integrieren, zu berücksichtigen.“ Im Beirat Beethovenhalle machte sich am Mittwoch zudem Bernhard Wimmer (Bürger Bund Bonn) für die Prüfung eines Neubaus stark. „Ein sinnvolles Konzept darf man nicht beiseitewischen“, unterstrich der frühere Stadtdirektor und bezweifelte, dass die Bonner die Beethovenhalle wirklich dringend brauchen. Seit der Schließung im Herbst 2016 hätten sich die Veranstalter ohnehin Ersatz gesucht.

Die anderen Fraktionen gingen im Beirat nicht weiter auf den Vorstoß ein. CDU und Grüne machten deutlich, dass sie auf eine Sanierung der Beethovenhalle im vollen geplanten Umfang setzen. Laut Stadt sind bisher Aufträge für rund 50 Millionen Euro erteilt, davon etwa zehn Millionen schon umgesetzt. Roswitha Sachsse-Schadt (Grüne) und Christiane Overmans (CDU) betonten, wie wichtig der Ausbau des früheren Studios zum festen Probensaal für das städtische Orchester sei.

Overmanns lehnte auch die Idee ab, bis 2020 nur das Hauptgebäude zu sanieren, um den Saal bespielen zu können. Das funktioniere aus baulichen Gründen nicht. CDU-Fraktionschef Klaus-Peter Gilles, selbst Bauingenieur, sah das vor einer Woche noch anders. „Falls das Forum Süd mit dem ehemaligen Studio einen zeitlichen Engpass darstellen sollte, kann man über eine veränderte Strategie nachdenken“, sagte er dem GA. Notfalls sei vorstellbar, bis 2020 nur das Hauptgebäude und den Erweiterungsbau fertigzustellen und das Forum Süd nach dem Jubiläumsjahr zu vollenden.