Interview mit Ashok-Alexander Sridharan

"Bonn darf ruhig wieder lauter werden"

Ashok-Alexander Sridharan tritt bei der Wahl zum Bonner Oberbürgermeister für die CDU an. FOTO: NICOLAS OTTERSBACH

Bonn. GA-Serie "Heißer Stuhl: Nur 30 Sekunden hat der Interviewte pro Antwort Zeit. OB-Kandidat Ashok-Alexander Sridharan (CDU) stellt sich 14 Fragen. Er kritisiert das schnelle Nachgeben der Stadt beim Thema Lärm und will Kurfürsten- und Frankenbad schließen.

Am 13. September wählen die Bonner ihren neuen Oberbürgermeister. Die Redaktion hat mit den drei aussichtsreichsten Kandidaten Interviews nach besonderen Spielregeln geführt (siehe "Gesprächskonzept"), die Faktensicherheit und pointierte Stellungnahmen verlangten. Die Kandidaten saßen sozusagen auf dem heißen Stuhl. Die Fragen an Ashok-Alexander Sridharan stellten Cem Akalin und Andreas Baumann.

Das Gesprächskonzept Politiker, Unternehmenschefs, Behördenleiter und andere Gesprächspartner können bei deutschen Medien traditionell auf die Regel der Autorisierungspflicht bauen. Heißt: Bei Wortlautinterviews dürfen sie ihre verschriftlichten Antworten gegenlesen, ändern oder streichen. Diesmal war alles anders: Die Redaktion hat mit den drei OB-Kandidaten vereinbart, auf die Autorisierung zu verzichten - es galt das gesprochene Wort. Alle drei bekamen bei getrennten Treffen dieselben Fragen gestellt, die sie vorher nicht kannten. Sie hatten jeweils 30 Sekunden Zeit für eine Antwort.

Was ändern Sie als OB als erstes?
Ashok-Alexander Sridharan: Ich würde als Erstes ändern, dass der Oberbürgermeister sein Büro im Alten Rathaus hat. Ich finde, der OB als Chef der Verwaltung gehört ins Stadthaus. Deswegen würde ich direkt ins Stadthaus umziehen. Der OB braucht auch im Alten Rathaus ein Büro, aber nicht in der Größe und nicht für die Verwaltungsarbeit.

In Bonn gibt es nicht genug preiswerte Wohnungen, vor allem bei Sozialwohnungen klafft eine Lücke: Wie wollen Sie das ändern?
Sridharan: Da brauchen wir einen Dreiklang, kurzfristig, mittelfristig und langfristig. Kurzfristig müssen wir darüber nachdenken, mehr Baugenehmigungen nach Paragraf 34 zu erteilen, also nicht erst ein langes Bebauungsplanverfahren zu machen. Mittelfristig müssen wir die alten Bebauungspläne anpacken; 75 Prozent der Pläne sind älter als 20 Jahre. Und langfristig müssen wir neue Baugebiete entwickeln, zum Beispiel westlich der Bahntrasse, also in Höhe Kessenich und Dottendorf.

Bonns Bäder sind marode: Kann sich die Stadt auf Dauer zehn Bäder leisten?
Sridharan: Das wird wahrscheinlich nicht gehen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir ein neues Kombi-Bad bekommen, und zwar ungefähr auf der Stadtbezirksgrenze zwischen Bonn und Bad Godesberg, um dann das Kurfürstenbad schließen zu können. Das darf aber erst geschlossen werden, wenn das neue Bad fertig ist, damit die Schulen in Bad Godesberg auch tatsächlich Schulschwimmen machen können und die Kinder nicht nur fünf Minuten im Wasser bleiben. Außerdem würde ich das Frankenbad schließen.

Die Ratsmehrheit verlangt, dass die Stadtverwaltung Millionen bei den internen Kosten spart: Wie machen Sie das?
Sridharan: Wir müssen stärker darauf achten, dass wir nicht nur kaufmännisch buchen, sondern auch unternehmerisch denken. Ich denke, die Stadtverwaltung muss da in Projekten und Prozessen arbeiten und denken. Wir brauchen ein zentrales Controlling, das einerseits die Haushaltsausführung, andererseits aber auch die Projekte begleitet. Und wir müssen insgesamt effizienter werden, insbesondere im Bereich des städtischen Gebäudemanagements.

Ein Festspielhaus wird es wohl nicht geben. Welche Variante der Beethovenhallen-Sanierung kann sich Bonn leisten? Die bis 40 Millionen oder bis 70 Millionen?
Sridharan: Ich denke, dass wir nach dem Ausstieg der Deutschen Post alle Beteiligten an einen Tisch holen und überlegen müssen, wie wir das privatwirtschaftliche Engagement sowohl der Initiativen als auch der Unternehmen umdirigieren, um für die Stadt und für Beethoven das Beste herauszuholen. Ob das in der Beethovenhalle oder ob das eine andere Lösung ist, da möchte ich mich jetzt noch nicht festlegen, sondern ergebnisoffen diskutieren.

Grundsteuer erhöht, Parkgebühren rauf: Warum rufen Stadt und Rat immer nach höheren Einnahmen, anstatt Ausgaben konsequent zu kürzen?
Sridharan: Wir müssen an die Ausgabenseite ran. Ich glaube, dass wir in Bonn weniger ein Einnahme- als ein Ausgabeproblem haben. Ich habe an den Beratungen der CDU-Fraktion zum aktuellen Doppelhaushalt teilnehmen dürfen und da sehr viele Positionen gefunden, insbesondere im Bereich des Gebäudemanagements, wo gespart werden kann. Daraufhin muss der Haushalt erst durchforstet werden, bevor man wieder an Gebühren- oder Steuererhöhungen drangeht.

Stichwort Stau: Braucht die Region die Südtangente?
Sridharan: Die Region und die Stadt Bonn brauchen eine Verkehrsentlastung, um die Erreichbarkeit der Bonner Innenstadt sicherzustellen. Auch hier würde ich ergebnisoffen herangehen. Es gibt ganz viele Vorschläge, wie die Erreichbarkeit verbessert werden kann, sowohl hinsichtlich ÖPNV, der Seilbahn auf den Venusberg, hinsichtlich des Ausbaus vorhandener Autobahnen und eben auch der Südtangente. Ich denke, dass wir nur im regionalen Konsens etwas zustande bekommen.

Flüchtlinge benötigen Unterkunft und kosten Geld, das zum Großteil die Kommune aufbringt: Wie viele Menschen kann Bonn noch aufnehmen?
Sridharan: Wir müssen die Ängste der Menschen ernst nehmen und auf die Bürger zugehen. Wir müssen von vorn herein dafür sorgen, dass wir die Willkommenskultur, die wir hier in Bonn bei der Aufnahme der Flüchtlinge bisher haben, nicht verlieren. Ich glaube, dass wir noch mehr Flüchtlinge aufnehmen können, das aber in Zusammenarbeit und im Dialog mit den Menschen, die schon in Bonn leben.

Zurich und Haribo wandern aus Bonn ab: Was läuft schlecht bei der städtischen Wirtschaftsförderung?
Sridharan: Die Wirtschaftsförderung der Stadt Bonn braucht einen anderen Stellenwert. Der Oberbürgermeister muss das zur Chefsache machen. Ich werde es zur Chefsache machen, und in einen ständigen Dialog treten, den ich schon vor einigen Wochen begonnen habe. Diesen Dialog möchte ich gern, wenn ich zum OB gewählt werde, fortsetzen, auch mit kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie den Interessenvertretern Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer und Kreishandwerkerschaft, damit so etwas, wie bei Haribo und Zurich passiert ist, nicht wieder passiert.

Lärmgeplagte Anwohner haben es geschafft, allein mit Klagedrohungen die Klangwelle aus der Stadt zu treiben: Hätten Sie als OB auch so schnell nachgegeben?
Sridharan: Nein, definitiv nicht. Denn für solche Maßnahmen wären mehr Lärmmessungen erforderlich gewesen, dazu ist es nach meinem Kenntnisstand nicht wirklich gekommen. Ich hätte hier auf einer sachlichen Ebene die Diskussion vorm Verwaltungsgericht gesucht und abgewartet, ob das Gericht das auch so sieht wie die Beschwerdeführer oder ob es die Sache nicht eher so sieht wie ich: dass die Veranstaltungen an den Tagen auf dem Münsterplatz zulässig gewesen wären.

Viele junge Menschen klagen, dass es in Bonn zu wenig Angebote für sie gebe. Was antworten Sie?
Sridharan: Dass sie Recht haben. Zu meiner Jugend- und Studienzeit war das hier in Bonn ganz anders. Man brauchte im Sommer nicht lange suchen, bis man etwas gefunden hatte, wo man verweilen konnte, weil Musik gespielt wurde, weil irgendetwas in der Stadt stattfand. Und da möchte ich gerne wieder hin. Es darf in Bonn ruhig wieder etwas lauter werden.

Stadthaus, Oper, Beethovenhalle, Schulen: Über Jahrzehnte ist in städtischen Gebäuden ein Sanierungsstau von mindestens 500 Millionen Euro aufgelaufen. Wie gehen Sie vor, um diese Wertvernichtung endlich zu stoppen?
Sridharan: Wir müssen einerseits die unterlassene Hilfeleistung an den Gebäuden festhalten und dann nach einer Prioritätenliste, angefangen bei den Schulen, die Gebäude grundlegend sanieren. Ich würde dafür plädieren, nicht nur die Sanierung zu machen, sondern die sich anschließende Bauunterhaltung direkt mit in die Überlegung einzubeziehen - und auch Unterstützung durch private Investoren mit einzubeziehen. Das macht es wirtschaftlich.

Die Bonner sind streitbar, selbst eine simple Zusammenlegung der Bürgerämter löst Proteste aus. Sie müssen aber die Stadtfinanzen sanieren: Wollen Sie sich das als möglicher OB wirklich antun?
Sridharan: Ja, natürlich. Damit ist der OB konfrontiert. Wir haben ja auf der einen Seite eine Verschuldung von 1,7 Milliarden Euro und auf der anderen Seite ein strukturelles Defizit von rund 100 Millionen Euro in jedem Jahr. Wir müssen da drangehen, wir müssen konsolidieren, und das würde ich in den nächsten zehn Jahren angehen wollen. 2025 möchte ich einen konsolidierten Haushalt vorlegen, wenn ich jetzt gewählt und nach fünf Jahren noch einmal gewählt werde.

Warum sollen die Bonner Sie wählen?
Sridharan: Weil ich verlässlich bin. Weil ich Verwaltungserfahrung im Kommunalbereich mitbringe. Ich bin seit 20 Jahren in der Kommunalverwaltung tätig, bin in den letzten zwölf Jahren auch für Finanzen verantwortlich. Ich weiß, wie Kommunalverwaltung tickt. Ich bin auch kommunalpolitisch tätig, und von daher denke ich, dass ich alles mitbringe für das Amt des Oberbürgermeisters dieser wunderbaren Stadt, die meine Geburtsstadt ist, und in der alles, was in meinem Leben wichtig war, stattgefunden hat.

Zur PersonAshok-Alexander Sridharan wurde 1965 in Bonn geboren. Er ist katholisch und mit Petra Fendel-Sridharan verheiratet. Das Paar hat drei Söhne (13, 16 und 20 Jahre). Die Familie ist gerade nach Röttgen gezogen. Der 49-jährige Jurist ist seit 1996 für die Stadt Königswinter tätig. Er ist seit 2002 Erster Beigeordneter sowie Stadtkämmerer und nimmt als Vertreter von Bürgermeister Peter Wirtz auch repräsentative Termine wahr. Sridharan gehört der CDU seit mehr als 20 Jahren an..

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