Bonns "chaotischste Baustelle"

Bauarbeiten an der Römerstraße dauern noch länger

Bonn. Die Dauerbaustelle auf der Römerstraße in Bonn ist ein Ärgernis für Anwohner und Autofahrer. Nun verschiebt die Stadt den Termin für die Fertigstellung erneut.

Als die Stadt per Pressemitteilung ankündigte, die Römerstraße werde nun endlich Ende Juli fertiggestellt sein und der Verkehr in Richtung City wieder freigegeben, musste Hela Nowack schmunzeln. Die 78-Jährige wohnt nahe der Römerstraße und verfolgt die Baustelle zwischen Augustring und Wachsbleiche seit Baubeginn vor vier Jahren. „Ich weiß gar nicht, wie oft ich schon gelesen habe, dass die Römerstraße fertig werden soll, und dann wurde wieder nichts daraus“, sagt sie. Auch dieses Mal ist ihre Skepsis berechtigt. Am Mittwoch korrigierte die Stadt den Fertigstellungstermin. Es dauere bis Ende August – mindestens.

„Leider kann die Römerstraße nicht wie vorgesehen Ende Juli zumindest im Straßenbereich wieder für den Verkehr freigegeben werden“, bedauerte Tiefbauamtsleiter Peter Esch. Wegen der „unübersichtlichen Leitungslage und fast täglich neuen, nicht vorhersehbaren Situationen“ könne dieser Termin nicht gehalten werden. Derzeit prüfe das Tiefbauamt, ob die Straße für den Autoverkehr Ende der Ferien freigegeben werden könne. „Das streben wir auf jeden Fall an“, sagte Esch.

Diese Ankündigung wiederum sorgt bei Anliegern eher für Kopfschütteln. „Mir haben die Bauarbeiter erzählt, vor September werde das nichts mit der Fertigstellung“, berichtet Melanie Schintz. Sie und ihr Mann betreiben an der Ecke Römerstraße/Rosental in dritter Generation die Metzgerei Schintz. Das Ehepaar ist ob der Dauerbaustelle vor der Haustür nur noch frustriert. „Wir haben 35 Prozent Umsatzrückgang“, sagt Stefan Schintz. Das Problem: Vor allem für ältere Kunden – darunter viele Stammkunden – ist der Weg zu seiner Metzgerei zum Hindernisparcours geworden. Dieter Emonds kann das bestätigen. Der 80-Jährige wohnt in einem Apartment im Haus Rosental und versorgt sich selbst. „Ich gehe täglich einkaufen und muss dafür oft die Römerstraße überqueren, was wirklich nicht schön ist.“ Er kennt Heimbewohner, die mit dem Rollator unterwegs sind. „Für sie geht es oft nicht ohne Hilfe.“

Harte Konsequenzen hatte die Dauerbaustelle für die Inhaber des Elektrowarengeschäfts Elgema an der Römerstraße: „Unsere Kundschaft konnte zeitweise nicht mit dem Auto vorfahren, ebenso hatten die Lieferanten große Probleme“, sagt Geschäftsführer An-dreas Schmelz. Im Mai vergangenen Jahres schloss das Unternehmen deshalb das Geschäft und verdoppelte dafür die Verkaufsfläche in seinem Laden in Bornheim-Hersel. Insgesamt ist die Römerstraße schon sieben Jahren eine Baustelle. Zunächst wurde der Abschnitt nördlich des Augustusrings saniert. Anschließend begannen die Bauarbeiten im südlichen Abschnitt zwischen Augustusring und Wachsbleiche. Freimütig räumt Esch ein: „Das ist die chaotischste Baustelle, an die ich mich erinnere.“

Als Grund nannte er vor allem die alten Versorgungsleitungen, die lediglich 40 bis 50 Zentimeter im Erdreich lägen, sodass die Straßenbauarbeiten an vielen Stellen nicht mit dem Bagger, sondern mit der Hand ausgeführt werden müssten. Esch: „Das kostet enorm viel Zeit“. Auch hätten die alten Pläne so gut wie nicht mit dem übereingestimmt, was man tatsächlich vorgefunden habe. „Wir mussten deshalb oft umplanen, das kostet viel Zeit und Geld.“

Gebeutelt worden sei man auch durch einige Pannen: Esch erinnert an den Unfall, als ein Lastwagen umkippte, weil sich unter ihm ein Hohlraum gebildet hatte. Schließlich war auch die Bodendenkmalpflege Dauergast in der Römerstraße. „Uns war klar, dass die Archäologen viel finden würden, aber alles zusammengenommen hat letztlich zum enormen Zeitverzug geführt.“ Auch die kalkulierten Kosten von 1,9 Millionen Euro für den Straßenbau könnten nicht eingehalten werden. „Wir gehen von einer deutlichen Steigerung aus“, sagt Esch. Wie hoch die sein wird, könne er indes noch nicht sagen.