Handwerker reicht Vergabebeschwerde ein

Bauarbeiten am Poppelsdorfer Schloss gestoppt

Arbeiter bauen das Fassadengerüst am Poppelsdorfer Schlosses auf. Die restliche Sanierung ruht wegen einer Vergabebeschwerde.

Arbeiter bauen das Fassadengerüst am Poppelsdorfer Schlosses auf. Die restliche Sanierung ruht wegen einer Vergabebeschwerde.

Bonn. Die Sanierung des Poppelsdorfer Schlosses ist vorerst gestoppt. Ein Handwerksbetrieb, der im öffentlichen Vergabeverfahren keinen Zuschlag erhalten hat, hat eine Beschwerde bei der Bezirksregierung Köln eingereicht.

„Das ist ärgerlich und kostet uns viel Geld“, sagt Frank Buch vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW, der für die Bauarbeiten verantwortlich ist. Der Zeitplan von zweieinhalb Jahren sei nun nicht einzuhalten. Die Kosten liegen bei mehreren Millionen Euro, können aber noch nicht genau beziffert werden.

Im November hatte das Unternehmen, das die Ausschreibung für Fassaden- und Klempnerarbeiten nicht gewonnen hatte, die Vergabebeschwerde eingereicht. „Solange über die Beschwerde nicht entschieden worden ist, dürfen wir die Arbeiten nicht beauftragen“, erklärte Buch dem GA. In diesem Fall sei das besonders problematisch, weil es um ein „zentrales Schlüsselgewerk“ gehe. „Wir müssen nun mal oben beim Dach anfangen, viele andere Sanierungen ruhen deshalb.“ Wie lange der Baustillstand anhalten wird, sei nicht abzuschätzen.

Bereits im Juni hatte die Kölner Niederlassung mit den Vorbereitungen für die Sanierung begonnen. „Wir haben bisher gute Fortschritte erzielt“, so Buch. Die Dächer sind verhüllt, eine erste Lage der Abdichtung für das Flachdach ist fertig. Dort sind auch schon die Fallrohre der Regenrinnen montiert. Extrem wichtig für die kommenden Arbeiten sei das Gerüst, das an einigen Stellen schon steht und aktuell an der Front zur Poppelsdorfer Allee hin aufgebaut wird.

Als Unternehmer der öffentlichen Hand muss der BLB seine Aufträge gemäß dem Vergaberecht grundsätzlich öffentlich ausschreiben. Um Korruption zu vermeiden hat jeder Bieter, der einen Verstoß gegen die Vorschriften vermutet, die Möglichkeit, eine Beschwerde bei der zuständigen Vergabekammer einzulegen. „Es passiert recht häufig bei öffentlichen Baumaßnahmen, dass Firmen die Vergabe anzweifeln. Sie fühlen sich ungerecht behandelt“, sagt Buch. Regelmäßig gebe es dadurch Verzögerungen. Die entstehenden Mehrkosten trage alleinig die öffentliche Hand.

„Unseren Universitätsbetrieb beeinflusst der Baustopp nicht, wir haben uns auf die Sanierung eingestellt“, sagt Uni-Sprecher Andreas Archut. Auch das Jubiläum vermiese der Vorfall nicht, schließlich wäre das Poppelsdorfer Schloss ohnehin erst 2019 fertig geworden. Nach ersten Schätzungen soll das nun bis 2020 dauern. „Wir werden uns mit unserer Organisation darauf einstellen.“ So gibt es im Notfall – falls es durch die Bauarbeiten im Schloss zu laut für Lehre und Forschung werden sollte – Ausweichräume im benachbarten Campus Poppelsdorf. Schon jetzt ist der Innenhof des Schlosses aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das ehemalige Schloss von Kurfürst Joseph Clemens teilweise beschädigt. Instandsetzung und Wiederaufbau endeten 1959. Vor vier Jahren fiel auf, dass das Dach marode ist und saniert werden muss.