Bonner Viktoriakarree

Bürger sehen ganzes Viertel in Geiselhaft

Blick auf das Viktoriakarree.

Blick auf das Viktoriakarree.

Bonn. Wenig Veränderung vom Status quo – das wünschen sich die Bürger für das Viktoriakarree. Zumindest die Mehrzahl jener, die am Donnerstagabend der Einladung der SPD-Ratsfraktion ins Stadtmuseum zur gemeinsamen Ideensammlung gefolgt waren.

Stärkere Wohnraumverdichtung, Angebote für Studierende und kleinteiligen Einzelhandel wie bisher brachte Martin Pfafferott, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Bonn Mitte, als Prioritäten der Mitglieder vor.

Dass es dazu am Ende kommt, scheint selbst in der Ratsfraktion kaum jemand zu glauben. Es sei ein offenes Geheimnis, dass die Ratsmehrheit weiterhin großflächigen Einzelhandel im Viertel ansiedeln wolle, erklärten Fraktionschefin Bärbel Richter und Ratsherr Helmut Redeker. Zwar gebe es weder einen Zwang zum Verkauf der städtischen Grundstücke an die Signa noch zur Aufstellung eines entsprechenden Bebauungsplans. Allerdings seien gewisse Vorfestlegungen bei der geplanten Bürgerwerkstatt nicht zu leugnen.

Die Aufforderung einer Studierenden, die SPD solle ihre Zustimmung zu Grundstücksverkäufen der Stadt an Signa ausschließen, quittierten die Ratsvertreter auf dem Podium mit lautem Gelächter. „Wir werden uns da sicher heute nicht festlegen“, erklärte Fraktionsmitglied Herbert Spoelgen.

Von Einzelhändlern aus der City waren allerdings auch gegensätzliche Stimmen zu hören. Ein Kartell der Grundstückseigner treibe in den besten Lagen der Fußgängerzone die Mietpreise in die Höhe und verdränge damit kleine Gewerbetreibende. Größere Einzelhandelsflächen im Viktoriakarree seien deshalb geeignet, diesen Zustand aufzubrechen, meinte Goldschmied Jannis Vassiliou.

Kritisch aufgenommen wurde der Zeitplan für die Zukunft des Viertels. Die Bürgerwerkstatt werde bis Oktober ausgeschrieben und solle vermutlich bis Ende 2017 abgeschlossen sein, berichtete Spoelgen aus dem Hauptausschuss. Zwei weitere Jahre seien für die Umsetzung in einem neuen Bebauungsplan vorgesehen. Bis dahin werde das ganze Viertel von der Signa durch Entmietung der Gewerbetreibenden „in Geiselhaft“ genommen, kritisierten Anwesende. Die Signa selbst hat angekündigt, sich an der Bürgerwerkstatt „konstruktiv“ beteiligen zu wollen. Unterdessen betreibt das Unternehmen ein Verfahren an der Vergabekammer Rheinland, um den Verkauf der städtischen Flächen im Karree zu erzwingen.

Axel Bergfeld als Sprecher der Bürgerinitiative Viva Viktoria appellierte an die Stadtverwaltung, in dieser Zeit das leerstehende Ladenlokal im städtischen Besitz wieder zu nutzen. Dort könne doch der engagierte Bäcker an der Ecke zur Rathausgasse, dessen Vertrag mit Signa zum Monatsende ausläuft, temporär unterkommen, schlug er vor.