Von Würmern zerfressen

Akademisches Kunstmuseum am Hofgarten wird aufwendig saniert

BONN. Übersät mit Löchern wie ein von Motten zerfressenes Kleid; aufgesprungene Holzfasern lassen sich wie schimmliges Brot zerreiben. Der Dachstuhl der Rotunde des Akademischen Kunstmuseums am Bonner Hofgarten, 1823 bis 1830 errichtet, ist kaum noch zu retten.

Eine aufwendige Struktur aus Gerüsten stützt das Dach und sorgt dafür, dass es nicht zusammenbricht.

Entdeckt wurde der Schaden Anfang 2012, nachdem Mitarbeiter des Bau- und Liegenschaftsamtes NRW Niederlassung Köln bereits Monate zuvor erhebliche Schäden an der Außenfassade und am Dach eines der Seitenflügel ausgemacht hatten. "Als wir das Kupferdach abgedeckt und die Holzschalung heruntergenommen hatten, offenbarte sich das ganze Ausmaß des Verfalls", erklärte Sven Moritz vom Objektmanagement Hochschulen bei BLB. Seitdem ist die Rotunde durch das Gerüst und die Plane verhüllt. Nach vielen Untersuchungen, Plänen und Vorarbeiten soll das Dach nun bis zum Herbst, "spätestens Oktober", wiederhergestellt werden.

Holzwürmer und ein Pilzbefall haben dem Dachstuhl arg zugesetzt, einige Latten neueren Datums lassen die Fachleute vermuten, dass das Dach zuletzt in den 1950er-Jahren mal behelfsmäßig gestärkt wurde. Einzig der Ringbalken aus Eiche sieht noch gut erhalten aus.

"Nach den ersten Notmaßnahmen mussten wir uns das alles erst einmal genau anschauen, eine Sanierungsstudie erstellen lassen und alles mit der Denkmalbehörde besprechen", so Rolf Paulus, Abteilungsleiter Objektmanagement. Vor allem die Mittelteilverstrebungen waren statisch nicht mehr sicher.

Nummern auf den einzelnen Balken weisen auf die komplette Bestandsaufnahme hin. Jeder Sparren hat seine eigene Bezeichnung, wurde fotografisch festgehalten und in einem Plan dokumentiert. Windrispenbänder stabilisieren die Dachstreben, die darunterliegende Decke ist abgehängt, Gitterträger ragen durch die Fenster. Die Pläne und den Sanierungsplan hat Frauke Fischer vom Kölner Büro Stephan Architekten erstellt.

"Wir werden den Dachstuhl genauso aufbauen, wie er einmal war. Dafür haben wir auch Hölzer ausgesucht, die speziell getrocknet werden. Die Teile werden zurzeit vorbereitet und schließlich mit Zapfenverbindungen zusammengebaut", erklärte Fischer. Auf die abgebrochenen Backsteine angesprochen, erklärte sie, dass das die Reste der alten Schornsteine sind: "Die Rotunde wurde früher durch vier Kamine erhitzt."

Sobald der neue Dachstuhl steht, erhält er wieder eine Kupfereindeckung, und der Gold glänzende Pinienzapfen wird oben aufgesetzt. Dann werden die Gesimsrinnen erneuert, die schon ganz porös sind, der Putz neu aufgebaut und die Fassade neu gestrichen sowie die Fenster am Rundbau überarbeitet. Fünf Millionen Euro kostet die Sanierung, davon allein anderthalb Millionen der Aufbau des Daches über der Rotunde.

Das Gebäude

Der klassizistische Solitärbau gegenüber dem Unihauptgebäude wurde 1823 bis 1830 errichtet - jedenfalls der Rotundenbau. 1907/08 wurde er erweitert. Der Bau geht auf den Entwurf des Bonner Universitätsarchitekten Hermann Friedrich Waesemann zurück, wurde aber von Karl Friedrich Schinkel überarbeitet. Bis 1872 wurde das Gebäude als Anatomie von der medizinischen Fakultät genutzt. Seitdem beherbergt das Akademische Kunstmuseum, Am Hofgarten 21, die Antikensammlung der Universität Bonn.

Mit mehr als 500 Abgüssen antiker Statuen und Reliefs und mehr als 2000 Originalen gilt sie als eine der größten Sammlungen der Welt. Zudem ist das Kunstmuseum Bonns ältestes Museum.

Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag 15 bis 17 Uhr, Sonntag 11 bis 18 Uhr. An Feiertagen geschlossen.