Bonn-Center

Abriss oder Sprengung

BONN. Das Bonn-Center wird abgerissen oder gesprengt. Mit dieser Nachricht überraschte am Montag Rüdiger von Stengel beim Mittagstisch des Bundes katholischer Unternehmer (BKU).

Der geschäftsführende Gesellschafter der Art-Invest Real Estate, die das prestigeträchtige Gelände am Bundeskanzlerplatz 2014 aus der Insolvenz gekauft hatte, hat große Pläne. Das 11.000 Quadratmeter große Areal sowie ein angrenzendes Grundstück würden eine Bebauung mit einer Brutto-Geschossfläche von 60.000 Quadratmetern ermöglichen.

Zum Vergleich: Das Bonn-Center mit seinen 18 Etagen hat eine Geschossfläche von 34.000 Quadratmetern. Das Pantheon muss mit Ende des Mietvertrags bis Mitte 2016 ausziehen. "Daran führt kein Weg vorbei", sagte von Stengel.

Der 48-Jährige wurde als Christ und Unternehmer vom BKU eingeladen und erzählte davon, wie christliche Tugenden und der Immobilienmarkt zusammenpassen. Das beherrschende Thema war allerdings das Bonn-Center. Von Stengel sprach so offen darüber, wie bisher kein anderer. "Seit 2007 ist das Konzept in Schieflage", sagte er. Als die Post auszog, wurden zwei Drittel der Räume leer. Der damalige Investor meldete Insolvenz an, im Sommer 2014 entschied man sich dafür, das Gelände zu verkaufen.

"Zunächst sollte es 25 Millionen Euro kosten", verriet von Stengel. Art-Invest habe abgewartet, ein wesentlich geringeres Angebot gemacht - und bekam den Zuschlag. "Es war genau der richtige Moment."

Nur wenige Tage später sei ein anderer Bieter mit einem höheren Preis eingestiegen, aber da seinen die Verträge schon unterschrieben gewesen. Kurz darauf sei auch die Zurich-Versicherung auf der Suche nach einem neuen Zuhause auf Art-Invest zugekommen. "In einer Nacht- und Nebelaktion entwickelten wir ein Konzept", sagte von Stengel. Damals habe man auch den Entschluss gefasst, nicht nur das Areal des Bonn-Centers einzubeziehen, sondern auch das benachbarte Grundstück. Letztlich entschied sich die Zurich zugunsten Kölns und gegen den Standort Bonn. "Weil man der Ansicht war, dort globaler aufgestellt und in besserer Nachbarschaft von anderen großen Versicherern zu sein", so von Stengel.

Auf die Frage von Unternehmer Christoph Konopka, ob sich der Mercedes-Stern weiter drehen werde, ließ von Stengel Platz für Spekulationen. "Das hängt davon ab, wer später dort einzieht." Sollten es mehrere Mieter werden, wäre der Stern weiter denkbar. Eine einzelne Firma hätte aber sicherlich lieber ihr eigenes Logo auf dem Dach. Er geht davon aus, dass frühestens Mitte 2016 mit einem Abriss des Bonn-Centers begonnen werden kann.

Dann soll in drei Abschnitten gebaut werden - ein Zentraler Komplex, flankiert mit je einem weiteren, kleineren. "Je nachdem, wann und ob der Bebauungsplan verabschiedet wird." Noch vor der Sommerpause will die Stadtverwaltung dem Rat den neuen Bebauungsplan für das Areal zur Beschlussfassung vorlegen. Ziel soll eine der "Zentralität dieses Standortes in der baulichen Dichte angemessene Dienstleistungsnutzung" sein. Art-Invest habe "zunächst sowohl eine Sanierung, als auch einen Neubau in Betracht gezogen", die Stadt habe sich nach von Stengels Aussage für einen Neubau ausgesprochen.

"Wir favorisieren nicht unbedingt einen Neubau. Das Ziel, zukunftsfähige Büroflächen zu schaffen und den Standort städtebaulich weiterzuentwickeln, ist aus unserer Sicht mit einer Sanierung schwieriger umzusetzen", erklärte Stadtsprecher Marc Hoffmann. Die Fraktionen sehen den Plänen mit Spannung entgegen. "Es handelt sich um eine exponierte Stelle. Vielleicht kann mit einer ansprechenden Planung auch wieder eine namhafte Adresse als Arbeitgeber nach Bonn geholt werden", sagte Georg Fenninger (CDU). Für Dieter Schaper (SPD) bietet ein Neubau die Chance, einen weiteren Top-Bürostandort in Bonn zu etablieren.

Werner Hümmrich (FDP) verwies auf die Pläne für das ehemalige Gelände des Autohauses Reuterbrücke in unmittelbarer Nachbarschaft. Dort sollen Wohnungen errichtet werden. "Mit einem möglichen Neubau auf dem Gelände des Bonn-Centers könnte die ohnehin schon sehr gute Lage nochmals aufgewertet werden." Holger Schmidt (Linke) ist unklar, wie Art-Invest seine Absicht umsetzen will, "dieser außergewöhnlichen Lage einen neuen stadtbildprägenden Charakter zu geben".

Die Grünen wünschen sich eine vielfältigere Nutzung als bisher, "also neben Büronutzung, auch Einzelhandel und Gastronomie", erklärte Tom Schmidt.

Art-Invest Real Estate

Art-Invest Real Estate ist eine Immobilien-, Investment- und Managementgesellschaft mit Hauptsitz in Köln, Niederlassungen in München und Hamburg sowie Büros in Düsseldorf und Frankfurt. Die 74 Mitarbeiter investieren derzeit in 45 Projekte in großen Städten. Dazu gehörte einmal der Köln-Turm im Mediapark. Art-Invest wurde 2010 von Rüdiger von Stengel, Markus Wiedenmann und Kurt Zech gegründet. Das Investmentvolumen beträgt 1,7 Milliarden Euro.