Landgericht prüft Unterbringung

22-Jähriger drohte in Bonner LVR-Klinik mit Massaker

Das Landgericht in Bonn.

Das Landgericht in Bonn.

Bonn. Der 22-jährige Patient war außer sich, wusste nicht, warum er in die LVR-Klinik eingeliefert worden war. Er drohte mit einem Massaker. Das Bonner Landgericht muss nun klären, ob der Mann wegen einer Psychose endgültig untergebracht werden muss.

In der LVR-Klinik hatte der Iraker am 2. Mai ein Streit mit seiner Sozialarbeiterin, bei dem er durchgedreht sein soll. Doch statt sich zu beruhigen, wurde in der Klinik das krankhafte Ausmaß seiner „Denkstörungen“ klar und die Situation für alle immer unheimlicher. Der Mann drohte wiederholt, Pfleger oder Ärzte zu töten, die Klinik abzubrennen oder auch mit einem Massaker, das er mit seinen 48 Cousins in Bonn anrichten wolle. Immerhin sei er in seiner Heimat als Heckenschütze ausgebildet worden und habe schon 580 Menschen getötet.

Nichts davon ist wahr. Wegen einer diagnostizierten Psychose muss die 1. Große Strafkammer des Landgerichts seit Dienstag prüfen, ob der Asylbewerber endgültig untergebracht werden muss. Was in seinem Kopf plötzlich passiert ist, weiß er selbst nicht. Denn zunächst war der junge Mann, der im Nordirak eine dreijährige Ausbildung zum Theaterschauspieler gemacht hatte, in seiner neuen Heimat gut gestartet. In wenigen Wochen lernte er deutsch und machte, bevor er in die Klinik eingeliefert wurde, eine Ausbildung zum Altenpfleger.

„An die furchtbaren Worte kann ich mich nicht erinnern“, erklärte der 22-Jährige, der im Gericht eher furchtsam als aggressiv wirkte. Als er in die Klinik gebracht worden sei, sei er verzweifelt gewesen, weil er nicht wusste, was mit ihm geschieht. Endgültig verrückt geworden sei er, als er – auf richterliche Anordnung – zehn Tage lang fixiert worden sei, ohne eine Unterbrechung. Auch dem laut Antragsschrift Vorwurf, er habe Pfleger mit einer Porzellanscherbe oder auch mit einem Stift bedroht, widerspricht er. In seiner großen Verzweiflung habe er versucht, sich mit dem Stift umzubringen. Niemals aber habe er jemand anderen töten wollen.

In seiner Heimat sei er zweimal bei Kämpfen im Nordirak verletzt worden: Einmal sei er auf dem Weg in einen Lebensmittelladen durch eine „Bombe am Kopf getroffen“ worden. Ein zweites Mal traf ihn die Kugel eines Scharfschützen der Terrormiliz Islamischer Staat. Danach habe er nur noch weggewollt. Sein Vater, ein Gemüsehändler, habe ihm vor drei Jahren Geld gegeben und er sei in die Türkei aufgebrochen. Von dort brachten Schlepper für 3500 Euro mit einem Boot nach Griechenland, wo er als unbegleiteter Minderjähriger vom DRK aufgesammelt wurde. Er hatte sich drei Jahre jünger gemacht.