Wichtiges Jahr für Bonn

2015: Millionenspiele und rote Zahlen

BONN. Auf die Stadt kommen in diesem Jahr schwierige Entscheidungen, aber auch erfreuliche Ereignisse zu.

Das neue Jahr wird ein wichtiges Jahr für Bonn. Hier ein Überblick zu Projekten und Entscheidungen, die 2015 die Schlagzeilen bestimmen dürften.

Sparkurs der Stadt

Das umstrittenste Thema dürfte der Sparkurs der Stadt werden. Im Doppelhaushalt 2015/2016, den Kämmerer Sander im November eingebracht hat, klafft ein Defizit von 154 Millionen Euro - was Bonn in ein Haushaltssicherungskonzept (HSK) zwingt. Die Stadtverwaltung macht 175 Vorschläge, darunter die Schließung von vier Schwimmbädern (Friesdorfer Bad, Ennert-, Kurfürsten- und Melbbad), des Deutschen Museums und einiger Stadtteilbüchereien. Sie will eine Sportstättengebühr einführen sowie den Zuschuss an Oper und Schauspiel bis 2023 um acht Millionen Euro senken.

Eine deutliche Erhöhung der Grundsteuer soll 38 Millionen Euro jährlich einbringen. Die bisherigen Signale der Ratskoalition aus CDU, Grünen und FDP deuten daraufhin, dass die Steuererhöhung wohl kommen wird, womöglich aber nicht in voller Höhe. Die Koalition will zwei Bäder schließen, darunter auf jeden Fall das Kurfürstenbad, sofern die Investorensuche nicht doch noch Erfolg hat. Entscheidung: im Mai.

World Conference Center Bonn (WCCB)

Nach mehr als fünf Jahren Stillstand wird seit 2014 am Erweiterungsbau des World Conference Center Bonn (WCCB) gearbeitet. Im Frühsommer soll der Kongresssaal in Betrieb gehen. Zum Eröffnungstermin im Juni mit einer zweiwöchigen Konferenz der Nebenorgane des UN-Klimasekretariats und rund 5000 Teilnehmern hat Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon eingeladen. Trotz Problemen auf der komplexen Baustelle und weiteren Kostensteigerungen ist man bei der Stadt (noch) zuversichtlich, den Termin halten zu können.

Strafrechtliche Aufarbeitung des WCCB-Skandals

Amtlich ist es noch nicht, aber die Ankündigung wurde vom Landgericht bisher nicht widerrufen: Die strafrechtliche Aufarbeitung des WCCB-Skandals geht Anfang des Jahres in die zweite Runde. Mehr als fünf Jahre nach Aufdeckung beginnt vor der Wirtschaftsstrafkammer der Prozess gegen die damaligen städtischen WCCB-Beauftragten - gegen Arno Hübner wegen des Verdachts der Untreue und Betruges, gegen Eva-Maria Zwiebler wegen Beihilfe.

Welterbekomitee der UNESCO

Der Juni 2015 wird eine Rekordzahl an internationalen Konferenzteilnehmern nach Bonn bringen. Allein in diesem Monat werden rund 9000 Gäste erwartet. Am 26. Juni beginnt eine hochkarätig besetzte Konferenz: Bonn ist Ort der 39. Sitzung des Welterbekomitees der UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur), die bis zum 8. Juli im WCCB tagen wird.

Vorsitzende der Welterbekomitee-Sitzung ist die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Maria Böhmer. Das Komitee besteht aus 21 Mitgliedern, von denen etwa ein Drittel alle zwei Jahre von der Generalversammlung der inzwischen 190 Vertragsstaaten der Welterbekonvention neu gewählt wird. Zur Sitzung in Bonn werden etwa 1500 Teilnehmer und mehr als 200 Journalisten erwartet.

Oberbürgermeisterwahl

Nachdem Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch (SPD) im vorigen Sommer einer möglichen zweiten Amtszeit eine Absage erteilt hatte, ist die Spannung groß, wer am 13. September sein Nachfolger wird. Die CDU hat mit dem Königswinterer Stadtkämmerer Ashok Sridharan bereits einen Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl ins Rennen geschickt. Die SPD ist noch auf der Suche. Gehandelt werden die Namen von SPD-Parteichef Ernesto Harder und des Rechtsanwalts und ehemaligen Staatssekretärs Peter Ruhenstroth-Bauer.

Beethoven-Festspielhaus

In diesem Jahr fällt die endgültige Entscheidung für oder gegen ein Beethoven-Festspielhaus. Unter Federführung der Deutschen Post DHL als potenziellem Großsponsor wird in den nächsten Wochen der auf die Baukosten durchgerechnete Siegerentwurf aus dem Architektenwettbewerb ausgewählt. Wenn Post und Festspielhaus-Initiativen genug Geld aufbringen - bisher ist von 70 Millionen Euro die Rede - könnten der Bauantrag gestellt und 2016 der erste Spatenstich gesetzt werden. Im Januar soll der überarbeitete Businessplan zum Betrieb des Festspielhauses vorgelegt werden. Der Bund stellt 39 Millionen Euro bereit; das Land NRW will sich nicht am Betrieb beteiligen. Bonn stellt zehn Millionen Euro für die Betriebsstiftung in Aussicht. Der Rat hat grundsätzlich zugestimmt, den Investoren das Grundstück neben der Beethovenhalle baureif zu übergeben.

Haus der Bildung

Eigentlich sollte das neue Haus der Bildung am Bottlerplatz längst eröffnet haben. Doch Baustellenprobleme und drastische Kostensteigerungen machen dem Städtischen Gebäudemanagement zu schaffen. Jetzt ist die Eröffnung des Gebäudes, in dem Volkshochschule und Zentralbibliothek untergebracht werden sollen, für Anfang Juli terminiert. Die Kosten für das ursprünglich auf elf Millionen Euro veranschlagte Haus liegen bereits bei 25 Millionen Euro. Das Land Nordrhein-Westfalen fördert das Projekt mit rund neun Millionen Euro.

Viktoriabrücke

Ende 2015 beginnt die Sanierung und Erweiterung der Viktoriabrücke. Der Verkehr wird auf der Brücke in jede Fahrtrichtung einspurig rollen. Seit 2010 ist die Brücke wegen großer Schäden für Lkw über 16 Tonnen gesperrt. Die Brücke soll aber nicht nur saniert, sondern auch um eine Rampe zur Thomastraße hin erweitert werden. Indes gibt es noch Abstimmungsbedarf über die Gestaltung von Brücke und Rampe. Entscheidung: im Laufe des Jahres.

Viktoriakarree

Wichtige Beschlüsse für die Innenstadt stehen an: Erste Ergebnisse zur Zukunft des Viktoriakarrees hat die Stadt für März angekündigt. Nach der europaweiten Ausschreibung hat die Verwaltung im Oktober begonnen, mit drei Interessenten für die städtischen Immobilien hinter dem Alten Rathaus zu verhandeln. Und das wird nicht einfach: Denn der Verkauf ist an Bedingungen geknüpft, etwa die Verlegung der Zu- und Ausfahrten der Marktgarage, die Verlegung der Gedenkstätte und des Stadtmuseums in die Pestalozzi-Schule.

Nordfeld

Nicht einfach wird auch die Vergabe des Nordfelds, des Areals vor dem Hauptbahnhof. Nachdem ein Investor seine Bewerbung erfolgreich eingeklagt hatte, darf er bis Februar seine Pläne nachreichen - und das, nachdem die anderen vier Investoren ihre Pläne bereits öffentlich gemacht hatten.

Südüberbauung und Zentraler Omnibusbahnhof

Offen bleibt die Zukunft von zwei weiteren Projekten: der Südüberbauung, wo Investoren nach wie vor mit den 40 Eigentümern verhandeln und der Umbau des Zentralen Omnibusbahnhofs. Der Nahverkehr Rheinland hat die nicht unerheblichen Zuschüsse vorerst gesperrt.

Bonner Münster

Dass am ersten Weihnachtstag im Bonner Münster der Klöppel der größten Glocke herausbrach, ist wohl eines der kleineren anstehenden Probleme. 2015 wird sich herausstellen, wie groß der Schaden an der Basilika innen und außen wirklich ist. Bis zu neun Millionen Euro wird wohl die Sanierung kosten, so die jetzigen Schätzungen. Ohne Sponsoren geht das nicht. Ab 2016 steht dann noch die Schließung der Kirche für mindestens ein Jahr an.

RockAue

Samstag, 11. Juli 2015, 12 Uhr: Starttermin des neuen Open-Air-Festivals RockAue. Ein Veranstalterteam um Maria Hülsmann präsentiert auf drei Bühnen in der Rheinaue internationale, nationale und lokale Künstler von Pop über Rock und Metal bis zu elektronischer Musik. Erste bestätigte Headliner sind Jennifer Rostock und Schandmaul.

Todestag der heiligen Adelheid

Zum 1000. Mal jährt sich am 5. Februar der Todestag der heiligen Adelheid. Dem wird nicht nur an ihre Wirkungsstätten ausgiebig gedacht - in Vilich, wo sie sich als Äbtissin um Arme, Bedürftige und Kranke und die Bildung von jungen Frauen verdient machte, und in Pützchen, wo sie der Legende nach am Fuß des Ennerts eine Quelle zum Sprudeln brachte. In ganz Bonn wurde 2015 als Jubiläumsjahr ausgerufen, denn Adelheid ist seit 2008 Stadtpatronin. Vor der einstigen Stiftskirche in Vilich wird zu Ehren der außergewöhnlichen Frau eine Statue aufgestellt.

Hauptbahnhof

Es tut sich endlich was im und um den Hauptbahnhof herum: Im zweiten Quartal 2015 sollen die Arbeiten für die Sanierung des Dachs beginnen, durch das bei Dauerregen geradezu Sturzbäche fließen. Die Bauarbeiten erfolgen in mehreren Bauabschnitten und dauern voraussichtlich zwei Jahre. Auch die neue Radstation hinter dem Bahnhof rückt in greifbare Nähe. Für den Neubau eines Studentenwohnheims mit Fahrradstation an der Ecke Quantiusstraße/Poppelsdorfer Allee hat der Investor einen positiven Vorbescheid erhalten.

Bad Godesberger Bahnhof

Nach jahrelangen Planungen und zahlreichen Verzögerungen soll es im neuen Jahr tatsächlich so weit sein: Die Deutsche Bahn AG will mit der Sanierung des Bad Godesberger Bahnhofs beginnen. Sollte es tatsächlich so kommen, könnte der wichtige Haltepunkt im Herbst 2016 modernisiert und innerhalb des Gebäudes barrierefrei ausgebaut sein. Nicht vorgesehen ist übrigens der Einbau von Toiletten.