Großes Sportevent in der Rheinaue

10.500 Läufer machen bei Bonner Firmenlauf mit

Bonn. Tausende Sportler sind beim Firmenlauf in der Rheinaue an den Start gegangen. Nicht Geschwindigkeit zählte dabei, sondern Teamgeist. Einige Feuerwehrmänner kamen besonders ins Schwitzen - sie rannten in Ausrüstung mit.

Die letzten stehen am Donnerstagabend noch in den Startlöchern, als die ersten schon die Ziellinie durchlaufen. Kein Wunder, wenn 10.500 Teilnehmer des Bonner Firmenlaufs in der Rheinaue an den Start gehen. Die Zeit spielt ohnehin keine Rolle: Es läuft keine Uhr mit, die schnellsten werden nicht prämiert. Dafür gibt es andere Kategorien, in denen sich die Teams hervortun können.

Da wäre zum Beispiel die Anzahl. Mit 416 Sportlern und viel Abstand lagen die „Stadtsprinter“ vorne. Die Bonner Stadtverwaltung hatte ihren Mitarbeitern die Möglichkeit gegeben, kostenlos mitzulaufen – Startgeld und einheitliche Shirts wurden von der Stabsstelle Gesundheit übernommen. Da die Masse nicht in Gänze zu mobilisieren war, sammelten sich die verschiedenen Abteilungen. Darunter durchaus Läufer mit sportlichen Ambitionen: Natalie Widmann vom Gesundheitsamt hatte sich gut vorbereitet, wenn auch unabsichtlich.

„Ich laufe einfach gerne, auch in meiner Freizeit“, erzählte sie. Der Firmenlauf biete allerdings die Gelegenheit, auch mit Kollegen Sport zu treiben, die einem sonst nur am Bürotisch gegenübersäßen. Und manchmal zeigte sich die Chefetage auch von ihrer albernen Seite. So hatten sich nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer der Sektkellerei Schlumberger aus Meckenheim in rosafarbene Tutus gezwängt. „Vorhin hatte ich noch einen Anzug an, jetzt sind wir alle Elfen“, sagte Innendienstleiter Andres Contreras mit einem Glas Sekt in der Hand. Ja, schon vor dem Start stießen die Mitarbeiter an.

„Das Laufen verbindet“, so Veranstalter Burkhard Weis, der mit dem Massenereignis zum zwölften Mal in die Rheinaue kam und es „Bonns größte Betriebsfeier“ nennt. Zwar hätten die Teilnehmerzahlen hinter denen des vergangenen Jahres gelegen. „Das hängt aber wahrscheinlich damit zusammen, dass es zuletzt durch den vielen Regen eine Schlammschlacht war.“ Doch dafür gab es mehr als hundert Teamzelte, in denen die Sportler noch bis 23 Uhr feierten. Vorher hatten schon Bands für Stimmung entlang der 5,7 Kilometer langen Strecke und Aerobic-Tänzer beim gemeinsamen Massen-Aufwärmen gesorgt.

Dass der Teamgeist der wichtigste Maßstab des Wettbewerbs war, zeigte sich spätestens im Zieleinlauf. Falls ein Sportler im unübersichtlichen Teilnehmerfeld verloren gegangen war, wurde gewartet. Die Floristen von Blumen Köppler aus Beuel schleppten ihre Chefin Stefanie Elsner sogar über die komplette Distanz: Sie hatte sich wenige Tage zuvor beim gemeinsamen Training den Fuß gebrochen. Statt sie mit Krücken am Rand jubeln zu lassen, setzte die Mannschaft sie kurzerhand in einen mit Kissen gepolsterten und verzierten Bollerwagen.

Schwerer hatte wohl nur die Bonner Feuerwehr zu tragen. Sie rannte in der Ausrüstung, in der sie sonst brennende Häuser betritt. Leitstellen-Chef Jörg Schneider schwitzte sogar seine Ausgeh-Uniform voll und wagte sich mit Dienstmütze auf die Strecke. Feuerwehrleute aus dem Rhein-Sieg-Kreis nutzten den Firmenlauf, um Werbung für eine andere Veranstaltung zu machen: Beim Siegburger Citylauf gehen sie an den Start, um für die Opfer des verheerenden Brandes an der Bahnstrecke zu sammeln. Eine der Gruppen, die am längsten dabei ist, ist der Arbeiter-Samariter-Bund. „Wir sichern seit zwölf Jahren die Strecke ab, seit elf Jahren laufen wir mit“, sagte Dirk Lötschert.

Im ersten Jahr habe den Rettern der Firmenlauf so gut gefallen, dass sie daraufhin selbst die Turnschuhe schnürten. Angesichts der Teilnehmerzahlen werden sie dazu auch nächstes Jahr die Chance haben. Veranstalter Weis will auch dann wieder in die Rheinaue kommen.