30-jähriges Bestehen

Bonner Gesellschaft für Kunst und Gestaltung feiert

BONN.  Die Gesellschaft hat sich fein gemacht. Ein runder Geburtstag, es ist der 30., steht an und wird mit einer Jubiläumsausstellung, die alle Register zieht, angemessen gefeiert.
Das Foto-Objekt von Bernd Halbherr bringt die rechtwinklige Architektur in die runde Form.
							Foto: Schoenebeck
Das Foto-Objekt von Bernd Halbherr bringt die rechtwinklige Architektur in die runde Form. Foto: Schoenebeck

Der 17. Dezember 1982 ist das Gründungsdatum der "Gesellschaft für Kunst und Gestaltung", wie der gemeinnützige Verein sich seinerzeit im 80er-Jahre-Stil nennt. Im kulturellen Bonn herrscht damals Aufbruchstimmung. Der Wille, nicht nur teilzuhaben sondern mitzugestalten, ist vielerorts spürbar.

Marianne Pitzen hat mit der Gruppe "Frauen formen ihre Stadt" ein ehemaliges Kaufhaus in der Altstadt kurzerhand besetzt und in der neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft "Mehr Kunst für Bonn" will man sich der Defizite in der Bonner Kultur annehmen. Auch die Gesellschaft für Kunst und Gestaltung, kurz gkg, macht sich auf, um Aktivitäten speziell zur konstruktiv-konkreten Kunst zu fördern.

Anregungen kann man aus dem umfangreichen Privatarchiv, das Gründungsmitglied Horst Pitzen zu diesem Thema aufbaut, schöpfen. Seit 1987 residiert die gkg am Hochstadenring und bespielt, zwischen Kunstverein und Künstlerforum, zwei Ausstellungsräume mit insgesamt 170 Quadratmetern.

Das ist nicht viel, und die finanzielle Unterstützung der Stadt dürfte nach Vereinsmeinung etwas üppiger ausfallen, aber die engagierten Mitglieder und ein rühriger Vorstand sind um Ideen zur Sicherung der Existenz nicht verlegen. So hat man erst vor ein paar Wochen mit einer Auktion, in der über 60 Künstler Arbeiten lieferten, die Kosten für den Jubiläumskatalog erwirtschaftet.

Bemerkenswert an der gkg ist aber vor allem ihre Bereitschaft zur Veränderung. Lebendig ist sie geblieben und hat sich keineswegs vereinsmeierisch mit den zu Anfang gesteckten Grenzen zufrieden gegeben. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass die Kunst, die man hier zeigt, es oft schwer hat beim Publikum und deshalb besonderer Vermittlungsarbeit bedarf.

Konkrete Kunst, die mit Begriffen wie rational, systematisch und seriell in Verbindung gebracht wird, wirkt nicht selten spröde, minimalistisch und kühl. Sie verweist auf nichts anderes als auf sich selbst, und da fühlt sich der Betrachter bisweilen ausgeschlossen. Aber die Vorsitzenden der gkg, insbesondere die aktuelle Leiterin Susannah Cremer-Bermbach und ihr Vorgänger Hans M. Schmidt, haben es verstanden, attraktive Ausstellungen mit Blick über den konstruktiven Tellerrand zu konzipieren.

Farbe, Collage, Muster, rund, horizontal waren nur einige der Themen, denen Ausstellungen in den vergangenen Jahren gewidmet waren. Hinzu kam die Öffnung zur digitalen Kunst, die Vorstellung von Privatsammlungen und Einzelausstellungen, wie die der Leo-Breuer-Preisträgerin Dorothee Joachim.

Jetzt hängen Arbeiten von beiden, von Joachim und dem Bonner Altmeister Breuer in der Jubiläumsausstellung und die 40 Jahre, die sie trennen, erscheinen als Kleinigkeit. Werke von 70 Künstlern sind zu sehen und was leicht als beliebiges Kunterbunt hätte missraten können, ergibt ein wunderbar stimmiges Gesamtbild, in dem sich die unterschiedlichen Positionen spannende Dialoge liefern.

Und die riskante Entscheidung, vier Künstler (Carola Bark, Caroline Bayer, Guido Winkler und Christoph Dahlhausen) damit zu beauftragen ganze Wände und Teile des Bodens zu gestalten, hat man ganz sicher nicht bereut. Wem nach dieser Ausstellung die konkrete Kunst kein bisschen näher gekommen ist, dem ist nicht zu helfen.

Gesellschaft für Kunst und Gestaltung, Hochstadenring 22; bis 27. Januar 2013, Mi-Fr 15-18, Sa 14-17, So 11-14 Uhr, geschlossen vom 22.-26.12. Am 12. Januar spricht Stephan Berg um 16 Uhr über "Gegenwart und Zukunft der bildenden Kunst in Bonn". Zur Finissage am 27. Januar wird der Katalog präsentiert.

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