Psychomotorik

US-Studenten testen das Duisdorfer Förderzentrum

Auch das gehört zum Testen und macht überdies Spaß: Die US-Studenten sprangen vom Trampolin in die Schnitzelgrube.

BONN. Olivia hat die Augen mit einem roten Tuch verbunden. Ängstlich und ganz vorsichtig tastet sie sich Schritt für Schritt voran. Sie kann sich nur an dem orientieren, was Madison ihr sagt. "Do it", fordert Maddy ihre Freundin im Texas-Slang auf. Doch Olivia weiß nicht, wie sie die steile Rampe hochkommen soll.

"Jetzt muss sie ihre anderen Sinne einsetzen", flüstert Birgit Hahnemann. Die Diplom-Sportlehrerin und Leiterin der Beratungsstelle für Kindesentwicklung beobachtet die beiden Studentinnen ganz genau, mischt sich aber nur im Notfall ein. Olivia und Madison gehören zu einer Gruppe von 60 Psychologie- und Sportstudenten aus den USA, die das Angebot des Förderzentrum E. J. Kiphard in Duisdorf testen. Fünf Wochen lang reisen die Studenten aus Texas durch Europa und haben auch Station an dem Förderzentrum an der Margot-Barnard-Realschule in Duisdorf gemacht.

"Ich will, dass die Studenten selbst erfahren, welchen Zusammenhang es zwischen Bewegen und Empfinden gibt", erklärt Hahnemann. Denn aus der Bewegung eines Menschen lassen sich Rückschlüsse auf sein Empfinden ziehen. "Andererseits kann man über Bewegung auch die Empfindung verändert", unterstreicht die Sportpädagogin, bevor die Studenten aus den USA selbst die verschiedenen Geräte ausprobieren.

Dafür müssen sich einige die Augen verbinden, die anderen führen sie zu den Stationen des Parcours. "Der Blinde muss alle Sinne aktivieren und seinem Partner absolut vertrauen. Der Sehende muss sofort auf die Reaktionen des anderen eingehen und gegebenenfalls eingreifen", erklärt sie den jungen Amerikanern das Rollenspiel. So würden sich beide ganz behutsamen ihren persönlichen Grenzen nähern.

Bereits seit Jahren kooperiert der Förderverein Psychomotorik in Bonn mit der Akademie für Internationale Bildung. Neben dem Seminar im Förderzentrum steht für die jungen Amerikaner ein Besuch in Berlin und Frankfurt an, bevor es weiter nach Österreich geht. An eines werden sie sich aber noch Jahrzehnte später erinnern: "Muller, Gotze, Deutscheland: Die Atmosphäre beim Public Viewing in Bonn werde ich niemals vergessen", erzählt Alicia, die immer noch im Fußballfieber ist.