Neubaugebiet an der Bahnhofstraße

So lebt es sich im Neubaugebiet in Duisdorf

Duisdorf. Das Neubaugebiet an der Bahnhofstraße ist bezogen. 23 Doppelhaushälften stehen auf dem ehemaligen Steinbach & Schäfer-Gelände. Die Hausbesitzer und Neubürger sind zufrieden, nur der neue Kindergarten ist noch nicht offen.

Um den Verkauf der 23 Doppelhaushälften auf dem 12 300 Quadratmeter großen ehemaligen Steinbach & Schäfer-Gelände an der Bahnhofstraße musste sich Bauträger Paeschke keine großen Sorgen machen. Schon bevor der offizielle Verkauf begann, hatten sich schon 1500 Kaufinteressenten angemeldet. Im Herbst 2018 konnten die ersten Hausbesitzer ihre fertiggestellte Doppelhaushälfte beziehen. Björn Gerhards unterzeichnete bereits im April 2017 einen der ersten notariellen Kaufverträge. Seit Ende September 2018 wohnt er nun mit Frau Edyta und Tochter Lena (6) in seinem Wunschhaus am Ende der Brigitte-Schröder-Straße.

„Wir wollten unbedingt hier im letzten Haus in der Sackgasse wohnen“, so Gerhards. Um das zu erreichen, hatte er sich für den Tag, an dem er den Registrierungsbrief des Bauträgers in seinem Briefkasten erwartete, frei genommen, um sich möglichst als erster für sein Wunschobjekt anmelden zu können. Es hat geklappt. Zwei Jahre lang hatte Familie Gerhards die Entwicklungen auf der Baustelle nicht aus dem Blick gelassen. Ihr war als Anwohner der nahen Marbachstraße die gute infrastrukturelle Lage des Neubaugebiets bewusst. Einkaufszone, Bahnhof und Ärztehaus sind alles Orte, die fußläufig zu erreichen sind. Und auf den immer noch nicht fertiggestellten Kindergarten waren die Gerhards nicht mehr angewiesen.

„Hier können wir alt werden“, lacht Gerhards. Nach bald zehn Monaten im neuen Haus sind sie davon überzeugt, nichts falsch gemacht zu haben. Das war nicht immer so. „Manchmal war es echt die Hölle“, erinnert sich Edyta Gerhards an die Zeit, in der sie bis zu dreimal täglich auf der Baustelle war. Das sei auch nötig gewesen, sagt sie rückblickend. „Ohne die Firmen oder Arbeiter unter Druck zu setzen, erreichte man hier gar nichts mehr“, mit Freundlichkeit sei da nichts mehr zu machen gewesen, so Frau Gerhards. Sie war froh, Polnisch sprechen zu können, „Deutsch hatte hier auf der Baustelle niemand verstanden.“

Der Bauträger sei zwar gut gewesen, aber der letzte Bauleiter wenig hilfreich. „Gefühlt haben wir die Bauleitung selber gemacht. Das muss ich nicht nochmal durchstehen“, so Gerhards, „hier kamen ja nur noch die Sub-sub-sub-Unternehmer“, die seien in ihren Preisen anscheinend derart gedrückt worden, dass jedes Extra unverschämt teuer wurde. „Für eine zusätzliche Steckdose mussten wir 50 Euro extra zahlen.“ Eine Katastrophe sei auch der Internetanbieter gewesen. „Die legten einfach auf!“, regt sich Gerhards noch heute über die so genannte „Service-Hotline“ auf. Dass immer noch einige Mängel in und um das Haus zu beheben sind, nimmt das Ehepaar gelassen. Bei der Unterschrift unter dem Kaufvertrag haben sie für ihr Haus 493 500 Euro bezahlt. Inzwischen, weiß Gerhards, sind frei gewordene Häuser schon mit 45000 Euro Aufschlag verkauft worden. Der Verkaufsleiter und die medizinische Fachangestellte gehen zufrieden davon aus, dass ihr Haus mittlerweile eine Wertsteigerung um die hunderttausend Euro erfahren hat.

Familie Busch wollte eigentlich ebenfalls ein Haus kaufen oder selber bauen. Doch dann kam nach Sohn Louis (4) Töchterchen Amelie (1) zur Welt und machte einen schnellen Auszug aus der zu klein gewordenen Wohnung im nahen Orchideenweg schneller notwendig als gedacht. Seit Juni sind sie die neuen Nachbarn der Gerhards und fühlen sich als Mieter in der Neubausiedlung ebenso wohl wie die Käufer. „Unsere Miete ist in Ordnung und wir haben einen netten Vermieter“, fasst Kathrin Busch ihr Wohnen im neuen Haus zusammen. Auch sie weiß die gute Infrastruktur zu schätzen. Für 140 Quadratmeter wird eine Monatsmiete von 1400 Euro fällig, die sie genauso wie auch ihren Vermieter als „entspannt“ bezeichnen. Das erste Nachbarschaftstreffen habe erst vor kurzem stattgefunden. Auch da seien alle „sehr nett“ gewesen.

Aus Beuel ist die junge Familie John an die Bahnhofstraße gezogen. „Wir haben in den letzten fünf Jahren nach einem Haus oder einem Bauplatz gesucht“, sagt Ärztin Susanne John. Im General-Anzeiger hatte sie 2017 einen Artikel über das Bauvorhaben in Lessenich gelesen und sich sofort mit dem Bauträger in Verbindung gesetzt. „Eigentlich wollten wir nie in eine Neubausiedlung“, sagt sie heute. Doch bereut haben sie und ihr Mann die Entscheidung bisher noch nicht. „Es ist einfach wahnsinnig schwer, in Bonn ein Haus zu bekommen“, haben Johns erfahren müssen. Sie haben sich viele Neu- und Altbauten angesehen. „Doch wir sind beide nicht so geschickt, als das wir uns an einen Altbau herangetraut hätten“, sagt sie. Gerade dort habe man sich aber immer schnell entscheiden müssen. „Da war nie die Zeit, noch einen Gutachter einzuschalten.“ Meist seien interessante Häuser schon verkauft gewesen, bevor man sie noch hätte unter die Lupe nehmen können. So ein „Schnellschuss“ wäre für sie zu riskant gewesen.

So sind sie dann im Januar, zehn Tage vor der Geburt ihres zweiten Kindes Ben, in ihre neue Doppelhaushälfte an der Brigitte-Schröder-Straße eingezogen. Alles hätte perfekt sein können, wenn auch der in Sichtweite gegenüberliegende Kindergarten wie geplant im letzten Sommer eröffnet hätte. Doch wie die Stadt Bonn jetzt auf Anfrage mitteilte, wird die Beseitigung von Baumängeln die Eröffnung noch bis zum Ende des dritten Quartals verzögern. So wird Susanne John auch weiterhin täglich insgesamt 32 Kilometer zurücklegen, um Töchterchen Laura (3) zur Kita nach Beuel zu chauffieren.