Kirche in Duisdorf

Sankt Rochus feiert 150 Jahre Kirchweihe

Die Rochuskirche noch mit ihrem hohen Spitzhelm, aber ohne die prägende Treppe und den Anbau: Auf diesem Foto, das aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts stammt, sieht man noch eine Wasserpumpe, die an den Kurfürstenbrunnen angeschlossen war.

Die Rochuskirche noch mit ihrem hohen Spitzhelm, aber ohne die prägende Treppe und den Anbau: Auf diesem Foto, das aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts stammt, sieht man noch eine Wasserpumpe, die an den Kurfürstenbrunnen angeschlossen war.

Duisdorf. Die Kirche Sankt Rochus in Duisdorf wurde vor 150 Jahren geweiht. Zu dem Jubiläum kommt nach 50 Jahren erstmals wieder ein Kölner Erzbischof in die Kirchengemeinde, um die Messe zu feiern. Das Festprogramm findet am 31. Oktober statt.

Große Vorfreude in der katholischen Kirchengemeinde in Duisdorf: Die Rochuskirche wurde vor 150 Jahren geweiht, und zum Jubiläum am nächsten Dienstag, 31. Oktober, kommt erstmals seit fast 50 Jahren wieder ein Kölner Erzbischof nach Sankt Rochus, um die Messe in Duisdorf zu zelebrieren.

„Wir feiern genau auf den Tag vor 150 Jahren“, erklärt Pfarrer Jörg Harth. Mit der Reformation und Luther hat das Datum also nichts zu tun. Warum die Weihe damals erst fünf Jahre nach dem ersten Gottesdienst in der Rochuskirche stattfand, ist bis heute ungeklärt. „Wir vermuten, dass irgendetwas noch nicht fertig oder vorschriftsmäßig war.“ Jedenfalls sei das in anderen Fällen und an anderen Orten so gewesen.

Die Rochuskirche im Zentrum Duisdorfs ist eine Überraschung für sich: Früher ganz schlank und 48 Meter hoch, ist sie heute gedrungen und kleiner, aber mit dem unverwechselbarem Turm und kurzem Rhombendach. Es gibt einen alten Teil der Kirche, der mit seinem historischen Altar prächtiger anmutet, und einen neuen, der nüchtern darangebaut wurde. Dazu wurde in den 50er Jahren das östliche Seitenschiff abgebrochen und der Neubau als Betonkonstruktion an das Hauptschiff angefügt. Dadurch erscheint das Innere der Kirche heute quasi wie um die Ecke gebaut.

Kirche hat 400 Plätze

Dadurch konnte der historische Altar im Hauptschiff nicht mehr genutzt werden, weil man ihn vom neuen Teil aus nicht sehen konnte. Also wurde ein neuer Altar an der Stirnseite des Neubaus errichtet, unter der Orgel. Aber auch das war nicht der Weisheit letzter Schluss. Inzwischen ist der dritte und vorerst letzte Platz gefunden – genau in der Kirchenmitte, dort wo sich neuer und alter Teil der Kirche treffen.

Aber je nachdem, wo man auf den 400 Plätzen sitzt, ist der Pfarrer am neuen Altar oder am Ambo nicht zu sehen – oder zu hören. „Wenn die Kirche voll ist, wird man gut verstanden“, hat Harth festgestellt. „Aber bei nur 100 bis 140 Gottesdienstbesuchern, wird es schwieriger, weil es sich mehr verteilt.“ Wer will, kann sich sogar so setzen, dass er den Geistlichen nur von hinten sieht.

Die Rochuskirche ist also in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. „Sie spiegelte immer das wider, was die jeweilige Zeit erforderte“, beschreibt Daniela Pöhler, Vizevorsitzende des Pfarrgemeinderates. Das bedeutet: Als damals die alte Rochuskirche durch den Zuzug nach Bonn als Bundeshauptstadt zu klein wurde, hat man keine neue gebaut, sondern die alte erweitert. Überhaupt waren die Duisdorfer nicht verwöhnt gewesen in der Vergangenheit: Sie hatten viele Jahrhunderte keine eigene Kirche gehabt, sondern gehörten zum Pfarrbezirk der Laurentiuskirche in Lessenich, obwohl Duisdorf schon damals der größere Ort war.

Name der Kirche geht auf Heiligen Rochus zurück

Der Name der Kirche geht auf den Heiligen Rochus von Montpellier (1295 bis 1327) zurück, Heiliger der Pestkranken und Tiere, Nothelfer und Patron der Ärzte. „Seine Wahl zum Schutzheiligen macht den unmittelbaren Zusammenhang zwischen Seuche und Kapellenbau deutlich“, schreibt Bonns Stadtarchivar Norbert Schlossmacher über die Geschichte der Pfarrgemeinde Duisdorf.

„Es hat im Bonner Raum und auch in Duisdorf in früheren Jahrhunderten mehrere Pestzeiten gegeben, zum Beispiel 1451 und 1665/66“, notiert der Bonner Heimatforscher Mathias Steimel in seiner Chronik aus dem Jahr 1984. „Da aber 1439 bereits eine Sankt Rochuskapelle in Duisdorf erwähnt wird, muss man annehmen, dass es also auch schon frühere Pestzeiten gegeben hat, in denen der Pestheilige Rochus um Hilfe angefleht wurde und so zur Namensgebung der Kapellen und der späteren Pfarrkirche beigetragen hat.“

Für die Duisdorfer war der Bau ihrer „großen“ Kirche ein Ereignis. „Die neue Kirche lag hinter einem großen freien Platz, der zwei Reihen Lindenbäume erhielt. Links befand sich das neue Pastorat, rechts ein 1864 erbautes Schulgebäude. Die im nachempfundenen neoromanischen Backsteinstil erbaute Kirche hatte im Inneren drei Schiffe mit drei Altären. Den Turm setzte man mit hohem Helm an die Vorderseite nach Nordwesten, er war 48 Meter hoch und erhielt am Sockel über einer Freitreppe den Haupteingang und zwei Seiteneingänge“, schreibt Steimel.

An die Einweihung des Anbaus in den 1950er Jahren können sich Zeitzeugen noch gut erinnern. Einer davon ist Hans Berg, der spätere Ortsfestausschussvorsitzende. Er war zu der Zeit Messdiener, als vor 50 Jahren der damalige Erzbischof von Köln, Josef Kardinal Frings, nach Duisdorf kam. „Beim Gang um die Kirche waren wir dem Kardinal zu langsam“, erinnert sich Berg. Deshalb trieb Frings sie zu schnellerem Schritt an und sagte: „Wenn ihr so wigger jot, werde mer hück net mi ferdisch.“