Hardtberg-Medaille

Lengsdorfer zeigt Einsatz für Ehrenamt, Brauchtums- und Heimatpflege

Heinz-Jürgen Kirwald freut sich über die Hardtberg-Madaille, mit der er für sein Engagement in Lengsdorf ausgezeichnet wurde.

Heinz-Jürgen Kirwald freut sich über die Hardtberg-Madaille, mit der er für sein Engagement in Lengsdorf ausgezeichnet wurde.

Lengsdorf. Heinz-Jürgen Kirwald, Träger der Hardtberg-Medaille, hat ein Jahr der Schicksalsschläge hinter sich. Seine Frau erkrankte, und die einzige Tochter verlor er auch 2017. Dennoch ist Kirwald noch immer voller Tatendrang unterwegs.

Nur weil der neueste Lengsdorfer Träger der Hardtberg-Medaille jetzt in einer Seniorenwohnanlage wohnt, heißt das nicht, dass Heinz-Jürgen Kirwald lethargisch in den Tag hinein lebt. Der Mann ist noch immer voller Tatendrang, viel unterwegs, mal im Lengsdorfer Heimatmuseum, mal anderweitig im Ort unterwegs, er kennt ja Hinz und Kunz. Viel Zeit verbringt er bei seiner Frau, denn sie wohnen nicht mehr zusammen, aber er will sie so oft wie möglich sehen. Oder er beschäftigt sich zu Hause an seinem Rechner.

Dieses Zuhause ist jetzt ein annähernd quadratischer, geräumiger Raum. Noch vor einem Jahr war das anders, aber 2017 war ein Jahr mit vielen Tiefen und wenigen Höhen, zu letzteren zählt der Erhalt der Medaille, die die Bezirksvertretung Hardtberg für besonderen Einsatz für Ehrenamt, Brauchtums- und Heimatpflege vergibt.

Die Tiefen? Seine Frau Gertrud wurde binnen weniger Monate so dement, dass sie schwerst pflegebedürftig war. Das konnte ihr Mann nicht mehr alleine leisten. Sie musste in ein Pflegeheim, und da er selber körperlich auch nicht mehr so gut gestellt ist, alleine in der alten Wohnung zu leben, zog er ebenfalls um. Sie sind in zwei Wentland-Einrichtungen untergebracht. Auf die Schnelle ging es nicht anders. Sobald bei ihm ein Zimmer frei wird, soll sie zu Kirwald umziehen.

Rheinische Spezialitäten

Die alte Heimat aufgeben, wem gefällt das schon? Und dann starb Mitte November auch noch die einzige Tochter. „Ich glaube, meine Frau hat das noch nicht begriffen“, sagt er betrübt. Nein, es gab 2017 nicht viel zu lachen im Hause Kirwald.

Er tut es trotzdem, sieht sich als humorvollen und „verträglichen“ Menschen „Ich habe nie mit einem Krach“, meint er. Mit dieser Einstellung kam er in der „Villa Bellevue“ gut an. Er ist 76 Jahre alt und gehört damit zu den Jüngsten in der Seniorenwohngemeinschaft. „Ich glaube, ich habe hier schon ein bisschen mehr Humor reingebracht.“ Und die Küche hat er auch bereichert, nachdem er „Trudis Rezeptesammlung“ dort vorlegte. „Meine Frau war eine sehr gute Köchin“, erzählt er. Ihre Rezepte, darunter viel Rheinisches wie Knipp-Plätzchen, Gans mit Apelfüllung, Buttermilch's Böhnche und Rübstiel-Eintopf mit Speck, hat er zu einem Kochbuch zusammengefasst. „Davon haben sie im Haus direkt Kopien gemacht.“

Vielleicht stellt er die Rezepte auch im Internet ein, auf der Seite des Ortsfestausschusses. Die Lengsdorfer kennen ihn vor allem vom Heimatmuseum, wo er Führungen anbietet und sich auskennt wie sonst keiner. Er war auch mal zwei Jahre lang Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsvereins. Als Stellvertreter musste er einspringen, als der frühere Vorsitzende das Amt krankheitsbedingt abgab. „Ich habe das zu einer schwierigen Zeit übernommen“, so der frühere Berufsfeuerwehrmann. Die Stadt Bonn hatte die Zuschüsse zwei Jahre lang gestrichen, inzwischen gibt sie Geld in Höhe der Miete. Er gab das Amt dann aber gerne an Christoph Schada ab, arbeitet lieber im Hintergrund weiter.

Ebenfalls eine Leistung waren die Festbücher für das Lengsdorfer Weinfest, die er zehn Jahre lang herausgegeben hat. Texte schreiben, Sponsorenakquise, das hat er alles geleistet, und unter ihm änderte sich das Verhältnis von Texten und Anzeigen zugunsten ersterer. „Es sollte auch etwas zu lesen darin geben, nicht nur die Zugaufstellung und Werbung.“ Denn das Buch solle ja auch eine repräsentative Funktion haben.

Und dann sind da all die anderen Dinge, die er geleistet hat, etwa die Leitung der Gruppe des Heimatvereins beim Lengsdorfer Karnevalszug. Eine helfende Hand hatte er immer frei, oft waren es zwei. Das sind die Gründe für seine Ehrung. „Die Medaille bedeutet mir sehr viel“, sagt Kirwald. Natürlich teilt er sie mit seinen Mitarbeitern. Sie sei auch ein Ansporn weiterzumachen. „Es wird ja immer schwerer, Leute für das Ehrenamt zu bekommen.“