H & S Bike-Discount

Geschäftsführer Christopher Stahl: "Wir begannen als Zwei-Mann-Show"

Seit einem Vierteljahrhundert in Sachen Fahrräder unterwegs: Christopher Stahl managt für H & S den Megastore in Lengsdorf. Sein Kompagnon Ralf Heisig betreut den Versand in Gelsdorf.

BONN. Drei Jubiläen auf einmal, wenn das kein Grund für eine Sause ist. H & S Bike-Discount feiert 25-jähriges Bestehen, die hauseigene Fahrradmarke Radon wird 20 Jahre alt, und vor einem Jahr siedelte die Firma um nach Lengsdorf. Ein Grund zu feiern für Christopher Stahl, einen der beiden Geschäftsführer.

Sind Sie heute mit dem Rad da?
Stahl: Nein, heute nicht, weil ich zum Interviewtermin schon etwas spät dran war. Aber sonst oft.

Wirklich? Sie fahren also gerne selbst? Schon immer?
Stahl: Ja, leidenschaftlich gerne.

Aber mit 15 wollten doch alle lieber ein Mofa haben. . .
Stahl: Das habe ich auch gehabt. Die Sache mit dem Rad fing bei mir erst mit 25 richtig an, als die Oberarme dünner und der Bauch dicker wurden (lacht). Aber im Ernst: Früher hat das Radfahren doch keinen richtigen Spaß gemacht, weil die Technologie nicht so weit war wie heute. Egal, ob man sich die Schaltung, die Bremsen oder das Licht anschaut. Ein Top-Rennrad wiegt heute nur noch fünf Kilo - Wahnsinn.

Aber damals haben Sie mit ihrem Kompagnon Ralf Heisig gleich die Firma H & S gegründet. Wie lief das 1989 ab?
Stahl: Das war Mittel zum Zweck. Wir haben als Studenten damals mit unserem Hobby Geld verdient. Unser erstes Geschäft in der Friesdorfer Straße war im Hinterhof, hatte 20 Quadratmeter und keine Heizung. Nach zwei Jahren zogen wir um nach Dottendorf, weitere fünf Jahre später zum Propsthof, wo wir bis 2013 blieben.

Heute sind Sie der größte Versandhändler Europas für Räder und Outdoor, ihre Hausmarke Radon sahnt Preise am Fließband ab. Wie macht man das denn?
Stahl: Unsere Idee war: Wenn wir die Räder selbst bauen, fällt eine Handelsspanne weg, wodurch wir preiswerter anbieten können. Außerdem produzieren wir bedarfsgerecht. Im Moment wollen alle Endverbraucher schwarze Trekkingräder. Also bauen wir schwarze Trekkingräder.

Stimmt es, dass Sie 50.000 Radon-Räder pro Jahr verkaufen?
Stahl: Stimmt. Und wir gewinnen so gut wie alle Tests mit unserer Marke. Von Radon gibt es 110 Radtypen. Mit den unterschiedlichen Größen und Farben kommen wir dann auf 500 Modelle. Unser selbst erfundenes Vertriebssystem ist einzigartig, weil wir keine Filialen haben, aber für uns 150 Servicepartner, also Händler, europaweit den Service übernehmen. Seit wir für den Versand die Halle im Gewerbegebiet in Gelsdorf vor sieben Jahren gekauft haben, ist die Firma so richtig durchgestartet.

Und warum dann überhaupt noch der Laden?
Stahl: Wir wollten die 25.000 Artikel, die wir in unserem Internet-Shop haben, auch im Laden anbieten. Dazu brauchen wir Platz. Außerdem wollen viele Kunden das Einkaufserlebnis und die Produkte anfassen und ausprobieren.

Warum sieht's bei Ihnen nicht aus wie im typischen Radladen?
Stahl: Wir wollten keinen uniformellen Laden. Wir fanden den Charakter einer Messehalle passender. Das gefällt auch den 25 Shops der anderen Firmen, die bei uns im Haus sitzen. Was denen nicht so wirklich gefällt, ist der Name Discount (lacht).

Und warum dann der Name?
Stahl: Damals fanden wir das gut, um zu zeigen, dass wir günstig sind. Heute ist der Name fest mit uns verflochten.

Und der Name Radon?
Stahl: Wir wollten damit Leichtigkeit ausdrücken und kamen auf das Element Radon. Da hatten wir aber in Chemie nicht richtig aufgepasst, denn Radon ist nicht nur schwer, sondern auch radioaktiv. Aber Hauptsache war: Das Schriftbild passte aufs Rad.

Warum kaufen die Leute eigentlich Räder im Internet? Jeder große Einkaufsmarkt bietet heutzutage Räder im Sortiment.
Stahl: Das ist keine Konkurrenz. Wir haben viel höhere Verkaufspreise, im Schnitt geben die Kunden hier 1250 Euro pro Rad aus. Alle, die für 400 Euro ein Rad im Supermarkt kaufen und dann basteln müssen, kommen früher oder später sowieso zu uns.

Wie sieht Ihre Bilanz nach einem Jahr im neuen Haus in Lengsdorf aus?
Stahl: Es war die richtige Entscheidung, wir haben unseren Umsatz verdoppelt. Allein bei der Eröffnung vor einem Jahr waren 20 000 Kunden da. Damals mussten sogar die Autobahnausfahrten hier auf dem Hardtberg gesperrt werden. Unsere Kundschaft ist überregional, kommt sogar aus Frankreich, Luxemburg und Belgien, um hier zu kaufen.

Geht der Trend tatsächlich zum E-Bike?
Stahl: Absolut. Die E-Bikes haben heute eine irre Reichweite und sind viel leichter. Es sind nicht umsonst eine Million Stück in Deutschland verkauft worden. Viele in Bonn holen sich diese Räder jetzt gerade auch wegen der anstehenden Bauarbeiten auf der Nordbrücke. Und das gleich im Doppelpack - für sich und die Ehefrau.

Sie wollten auch einen Outdoor-Parcours auf ihrem Firmengelände für Mountainbiker anbieten. Stehen die Pläne noch?
Stahl: Im Prinzip schon. Aber das Problem ist die Haftung. Wir haben bisher keinen Versicherer gefunden, der das übernimmt.

Sind Sie eigentlich immer noch sauer, dass die Firmenadresse nicht Radon-Ring lauten darf?
Stahl: Wir hatten es damals schriftlich, dass das klappt. Und dann wurde der Bürgerantrag von der Politik einstimmig abgelehnt. Es hatte auch ewig gedauert, bis wir das Grundstück bekommen konnten. Aber Schwamm drüber.

Bewegt Sie das Thema Fahrradhauptstadt Bonn 2020?
Stahl: Ja, schon. Ich finde das Ziel super. Wir arbeiten viel mit dem ADFC zusammen und sind auf dem Weg für alles offen. Zum Beispiel fehlt in Bonn seit langem ein Mietrad-System.

Hand aufs Herz: Können Sie selbst eigentlich noch ein Rad reparieren?
Stahl: Klar doch. Das habe ich doch gelernt. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir mal eine Zwei-Mann-Show waren. Auch wenn wir jetzt 230 Mitarbeiter haben.

Das Unternehmen

H & S Bike-Discount ist benannt nach den beiden Geschäftsführern und Firmengründern Ralf Heisig und Christopher Stahl. Das Unternehmen mit Sitz in Grafschaft lässt die Rahmen der Hausmarke Radon nach eigenen Vorgaben und Vortests in Taiwan fertigen.

Montiert werden die Räder dann bei einem Joint Venture-Partner im Fichtelgebirge. Aus der Versandhalle im Gewerbegebiet Gelsdorf (Grafschaft) werden inzwischen eine Million Pakete pro Jahr weltweit verschickt.

H & S hat nach eigenen Angaben 2013 die Umsatzgrenze von 100 Millionen Euro überschritten. Die Firma beschäftigt 230 Mitarbeiter, davon 160 in Gelsdorf und 70 in Bonn-Lengsdorf. Zum Firmenjubiläum gibt es am Samstag, 10. Mai, von 10 bis 18 Uhr stark reduzierte Angebote.