Urlaubszeit

Ärztemangel im Malteser Krankenhaus in Bonn

Das Schilkd weist den Weg zur Notdienstpraxis am Malteser Krankenhaus.

Das Schilkd weist den Weg zur Notdienstpraxis am Malteser Krankenhaus.

Medinghoven. Das Krankenhaus in Medinghoven kann in der Urlaubszeit nicht alle Leistungen anbieten. Nicht akute Operationen müssten derzeit für später eingeplant werden. Haben andere Kliniken ähnliche Probleme?

Ihre beiden Kinder sind im Malteser Krankenhaus zur Welt gekommen, Jahre später unterzog sie sich dort einer Nieren-Operation. Auch für die jetzt notwendige ambulante Operation nach einem gynäkologischen Eingriff im vergangenen Jahr wollte sich Doris Vianden aus Witterschlick wieder auf das Ärzte- und Pflegeteam des Hospitals in Medinghoven verlassen. „Dort habe ich mich immer sehr gut aufgehoben gefühlt“, erzählt die 66-Jährige im GA-Gespräch. „Ich habe Vertrauen, und deshalb kam für mich nur unser Familienkrankenhaus infrage.“ Doch dort herrscht derzeit Ärztemangel.

Mit der Überweisung ihrer behandelnden Ärztin kontaktierte Doris Vianden in den vergangenen Tagen die Klinik, um einen Termin für den notwendigen Eingriff abzusprechen. „Da ich Blutverdünner einnehme und Herzprobleme habe, stand für mich fest, dass ich ausschließlich in ein Krankenhaus und nicht in eine chirurgische Praxis gehe“, erzählt sie. Einen OP-Termin bekam sie dennoch nicht. „Man hat mir gesagt, dass das Malteser Krankenhaus aufgrund von Ärztemangel nur noch Notoperationen durchführt und momentan keine Kapazitäten für geplante Eingriffe hat“, ärgert sie sich. Auf einen OP-Termin warten konnte sie allerdings auch nicht. „Ich hatte ständig Schmerzen, und mir war oft übel. Ich wollte die Sache endlich hinter mich bringen“, berichtet sie.

Dass das Malteser Krankenhaus derzeit selektieren muss, das bestätigt Dieter Birr, der Kaufmännische Direktor des Hospitals. „Wir können in der jetzigen Urlaubszeit leider nicht alle ärztlichen Leistungen anbieten, sondern müssen Prioritäten setzen“, erklärt er. „Unsere drei derzeit verfügbaren Fachärzte wurden von uns eingeteilt, um die Geburtshilfe und akute gynäkologische Operationen sicherzustellen. Eine nicht akute Operation, wie in diesem Fall, müssen wir derzeit leider für später einplanen. Der Ärztemangel ist leider nicht nur ein Stichwort, sondern Realität und in der Sommerzeit besonders spürbar“, stellt er weiter fest.

Betrieb auf dem Venusberg läuft normal

Doris Vianden hat sich mittlerweile an eine andere Klinik gewandt. „Dort habe ich sofort einen Termin bekommen“, berichtet sie. Die Operation ist Mitte der Woche durchgeführt worden. Dennoch wäre sie lieber wieder in „ihr“ Krankenhaus gegangen. „Von Witterschlick aus ist das Malteser sehr bequem zu erreichen. Das ist auch für meinen Mann wichtig, der gehbehindert ist und mich immer besucht“, reagiert sie enttäuscht. „Vielleicht hätte ich bessere Chancen gehabt, wenn ich mit einem Krankenwagen eingeliefert worden wäre. Aber das kann ja auch keine Lösung sein“, sagt die 66-Jährige.

Normal läuft trotz der Urlaubszeit der Betrieb auf dem Venusberg. „Nein“, sagt UKB-Sprecherin Magdalena Nitz, „wir haben kein Personalproblem und sind bestens aufgestellt. Wir sind durchgängig gut besetzt. Ob Weihnachten, in den Sommerferien oder im Karneval. Bei uns bekommt jeder Patient einen Termin. Auch für planbare Eingriffe und auch in der Ferienzeit.“

Die Dienstpläne im Johanniter- und im Waldkrankenhaus weisen ebenfalls keine Lücken auf. „Bei uns bestehen derzeit keine Engpässe“, erklärt Michael Forst. Das gelte auch für Abteilungen, die nicht planbar seien. „In der Notaufnahme und in der Geburtsstation wissen wir nie, wie viele Patienten kommen. Aber auch dort sind wir gut besetzt. Der Betrieb läuft bei uns momentan ganz normal.“

Natürlich sei auch ein Krankenhausbetrieb von der Urlaubszeit betroffen, sagt Daniela Kreuzberg, Verwaltungsdirektorin der GFO Kliniken Bonn (Marien-Hospital und Josef-Hospital). Das sei allerdings von langer Hand organisiert. „Auch wenn einige unserer Mitarbeiter in Urlaub sind, gibt es kein Personalproblem. Wir sind vom Ärztemangel nicht betroffen“, sagt sie.