Ippendorfer Sebastianus-Gesellschaft

Schützen buhlen um den Nachwuchs

IPPENDORF.  "Ja, es ist schwierig geworden, junge Leute für unseren Sport zu begeistern", gab Gertrud Strahl von der Sankt-Sebastianus-Schützengesellschaft Bonn-Ippendorf zu. 65 Mitglieder zählt der Verein. Davon seien aber nur zwei Jugendliche. "Unser Nachwuchs ist eher eine U 30-Truppe", sagt sie. Um das zu ändern, beteiligten sich die Schützen am Sonntag an der bundesweiten Aktion "Ziel im Visier - Zukunft Schützenverein" im Auftrag des Deutschen Schützenbundes (DSB).
Probieren aus, ob es ihnen bei den Schützen gefällt: (v.l.) Lena, Luisa und Christine Macheleidt.
								Foto: Ariane Fries
Probieren aus, ob es ihnen bei den Schützen gefällt: (v.l.) Lena, Luisa und Christine Macheleidt. Foto: Ariane Fries

Der DSB stellte in einer Studie fest, dass sich seit 2004 in den Vereinen rund um den Schieß- und Bogensport knapp 100.000 Menschen weniger organisieren als bis 2004. Einen Trend, den auch Strahl bei den Ippendorfern fest stellt. Innerhalb von knapp 35 Jahren habe sich die Mitgliederzahl um etwa 20 Schützen verringert. Strahl hat dafür mehrere Erklärungen.

"Mit zwölf Jahren dürfen die jüngsten Interessierten zum ersten Mal ausprobieren, ob der Sport was für sie ist", so die Amateur-Schützin. "In dem Alter haben die meisten aber schon ihr Hobby gefunden." Ein weiterer Punkt sei, dass das Image eines Schützenvereins recht antiquiert sei. Hinzu käme die schwache Lobby der Schützen aufgrund von Amok-Läufen. Vor allem gegen den negativen Ruf steuern die Ippendorfer.

Unabhängig von den Schützenfesten veranstaltet die Gesellschaft regelmäßig Fahrten und nimmt auch an Wettkämpfen teil. "Bei uns ist auch keiner verpflichtet, eine Tracht zu tragen", betont die 57-Jährige. So trägt auch niemand während dem Tag der offenen Tür die klassische Kleidung.

Pluspunkte, die auch die Geschwister Christine (24), Luisa (16) und Lena (20) Macheleidt bei der Aktion bemerkten. "Eigentlich haben wir uns nie wirklich mit den Schützenbrüderschaften beschäftigt", sagte Christine Macheleit. "Da es keine Berührungspunkte gab, haben wir aber auch keine Vorurteile gegenüber dem Sport." Nachbar Jürgen Groß lud die jungen Frauen ein, den Sport einmal auszuprobieren. Ob sie ihn aber nun dauerhaft ausüben werden, wussten sie noch nicht. "Interesse habe ich auf jeden Fall", sagte Christine. "Es ist aber auch ganz schön anstrengend für die Augen."

Das komme von der Konzentration, sagte Strahl, die als Jugendleiterin auch für den Nachwuchs in dem Verein zuständig ist. Das sei übrigens auch einer der Gründe, weshalb der Sport gerade für Jüngere interessant ist. "Ein Sprinter muss sich nur den Moment während des Starts konzentrieren", sagte Schießleiter Johannes Strahl. "Ein Schütze konzentriert sich während des gesamten Vorgangs. Außerdem muss er sich mit jedem Schuss immer wieder neu konzentrieren." Deswegen würde in Ippendorf auch oft mit Störgeräuschen wie etwa einem Radio geübt.

"Viele Schüler profitieren von diesem Training und werden auch in der Schule besser", berichtete Strahl von seinen Erfahrungen. Für die Sebastianus-Schützengesellschaft war der Tag eine willkommene Gelegenheit, sich und den Sport zu präsentieren. "Wir sind einfach kein Kirmesverein, und hier findet auch kein Rumgeballer statt", sagte Gertrud Strahl.

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