Krippenbauer aus Ippendorf

Für Wolfgang Mans ist die Arbeit mehr als ein Job

Ippendorf.  Wolfgang Mans ist jetzt da, wo er immer hinwollte. In seinem Fall ist das ein wenige Quadratmeter großer, zugiger Geräteschuppen, in dem es nach Holz riecht und wo sich der 1,98 Meter große Mann fast den Kopf an der Decke stößt. Hier baut Mans seine Krippen, drechselt Figuren, arbeitet mit Holz. Der 56-Jährige aus Ippendorf ist Krippenbauer.
Mit einer Spezialmischung aus Österreich beizt Wolfgang Mans das Holz seiner Krippen. Foto: Roland Kohls

Vor ihm steht eine halbfertige Krippe, eine Auftragsarbeit. Mans nimmt die Heißklebepistole in die rechte Hand und eine der selbst geschlagenen Miniaturholzschindeln in die linke. Ein Streifen Kleber links, einer rechts, dann klebt er die Schindel auf das Dach. Schindel für Schindel, Reihe für Reihe deckt er das Krippendach. Nur langsam geht es voran, der Kleber braucht ein Weile zum Trocknen. "Macht nix", sagt Mans, und schneidet mit einem Messer eine Schindel auf die richtige Länge zurecht. "Das ist mein Arbeitstempo. In der Ruhe liegt die Kraft."

Mans Weg zum Krippenbauer führt über einige Umwege. Als kleiner Junge mit schöner Kindheit sieht er seinem Opa viel beim Siedlungsbau in Ippendorf über die Schultern, wird seine Kreativität geweckt. Das hilft ihm zunächst einmal nicht weiter. Auf dem Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium bleibt er zwei Mal sitzen, bevor es ihn das dritte Mal ereilt, verlässt er die Schule. "Mädels und Fußball waren wichtiger", sagt Mans. Schulabgänger, fast zwei Meter groß, Pranken wie ein Bär und ein vergleichbar unerschütterliches Gemüt, was macht man dann? Man geht zum Bundesgrenzschutz und wird Bodyguard der Bundestagspräsidentin Annemarie Renger. "Das war zur Zeit von Hanns Martin Schleyer und Mogadischu, das war schon aufregend. Aber Gott sei Dank gab es nie brenzlige Situationen".

Mans will weiterkommen, doch für den Lehrgang, den er belegen will, muss er zwei Jahre warten. Er schmeißt hin und lässt sich bei Agfa zum Fototechniker ausbilden. Nach der Wende zieht die Firma nach Gera, Mans passt das nicht, er kündigt. "Ich dachte mir, die Wirtschaft geht den Bach runter, die letzten, die zumachen, sind die Banken". Also wird Mans Banker. Er hat keine Ahnung von dem, was er tut, am Abend des ersten Arbeitstages in Köln hat er einen Fehlbetrag von 36 000 D-Mark in der Kasse. Anstatt Angst vor einem Rauswurf zu haben droht er mit Kündigung, falls er keine richtige Ausbildung bekommt. Die bekommt Mans.

"Das hat viel Spaß gemacht bei der Bank, man traf viele Menschen und es war abwechslungsreich", sagt Mans. Auch die anderen Jobs hätten Spaß gemacht. Aber irgendetwas fehlt wohl. Im Urlaub im Allgäu entdeckt Mans Frau eine schöne Krippe und will sie haben. "Und ich sagte ,Die ist zu teuer, das kann ich selber', typisch Mann eben", sagt Mans. Also baut er seine erste Krippe, rund 14 Jahre sei das her. "Das Ergebnis kam bei allen gut an, und so kam die Sache ins Rollen". Es kommen mehr und mehr Anfragen, teilweise baut Mans bis 1 Uhr nachts Krippen, tagsüber arbeitet er bei der Bank.

Das konnte nicht lange gut gehen. Mans fragt nach der Höhe der Abfindung, falls er kündigt, rechnet ein bisschen und kündigt. Seit drei Jahren baut er nur noch Krippen. "Ich habe immer auf meinen Bauch gehört", sagt der Krippenbauer.

Und der Bauch wollte wohl etwas anders, auch wenn Mans in seinen Jobs zufrieden war. Der 56-Jährige redet von ehemaligen Kollegen, von Menschen, die von Termin zu Termin hetzen, von Stress und Leistungsdruck, der schon bei Kindern losgeht.

Jetzt verdient Mans weniger Geld, hat keine Festanstellung mehr. Aber ohne Kinder und im Haus der Eltern lebend kann er sich, mit der Abfindung im Rücken, echten Luxus erlauben. "Ich nehme Tempo raus, das macht glücklich". Besonders glücklich ist er an Heiligabend. Dann sitzt er unterm Weihnachtsbaum und weiß, dass sich viele Menschen über seine Krippe freuen.

Personenschützer, Fototechniker, Banker und Krippenbauer - was kommt als nächstes? "Da kommt nix mehr", sagt Mans, während er mit schräg gehaltenem Kopf sein Werk fixiert. "Das ist jetzt perfekt."

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