Bonner UN-Konferenz

Studenten der Universität Haifa zu Gast

BONN.  Sie sind für neun Tage nach Bonn gekommen, bestaunen den Schnee, den sie das erste Mal sehen, und haben zwei Dinge gemeinsam: den Friedenswillen und die Einsicht, dass sie in vielem uneinig sind.
Besuch aus Israel: die Studenten der Uni Haifa bei ihrem Gespräch im Verlagshaus des General-Anzeigers.
								Foto: Barbara Frommann
Besuch aus Israel: die Studenten der Uni Haifa bei ihrem Gespräch im Verlagshaus des General-Anzeigers. Foto: Barbara Frommann

Sechs Studenten der Universität Haifa nehmen an der "Bonn International Model United Nations"-Konferenz (BIMUN) in dieser Woche teil, zwei sind Araber, vier Israelis. "Wir versuchen, politische Spannungsfragen zu diskutieren, aber am Ende des Tages bleiben wir Freunde", sagt etwa Rina Dorfman, die Jura studiert und Vizepräsidentin der MUN-Gruppe von Haifa ist.

Die 21-jährige Or Brokman ergänzt: "Wenn du zwei Juden triffst, bekommst du drei Meinungen." Was David Gurevich, der an seiner Doktorarbeit in Archäologie arbeitet, zu der Steigerung veranlasst: "Und wenn du zwei Politiker triffst, bekommst du vier Meinungen und eine handfeste Krise."

Sie reden bei ihrem Besuch des General-Anzeigers offen miteinander und schenken sich dabei nichts. Sie stimmen überein, dass sie nicht übereinstimmen. Ganz so, wie es der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu und Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Treffen vergangene Woche in Berlin gesagt haben.

Sie wollen Frieden, aber sie wissen nicht wie. Die meisten von ihnen halten die angestrebte Zwei-Staaten-Lösung für die beste Lösung. Aber allein zwischen Palästinensern und Israelis, da stimmen sie wieder überein, ist das ein nicht erreichbares Ziel. Die Hoffnungen ruhen auch auf Europa, und hier besonders auf Deutschland. Die Mehrheit, sagt Ward Taye, der 24-jährige arabische Student der Wirtschaftsinformatik, "möchte schlicht in Frieden leben".

Wie das geht, macht die Uni Haifa vor. Sie gilt mit ihren 18 000 Studenten als eine der liberalsten in Israel, fördert die Verständigung zwischen jungen Juden und Arabern. Diesem Ziel hat sich auch der deutsche Förderkreis der Universität Haifa verschrieben, der den Besuch der Studenten in Bonn ermöglichte.

Die BIMUN-Konferenz:
Die Simulations-Konferenz BIMUN/SINUB, die noch bis morgen in Bonn veranstaltet wird, steht in diesem Jahr unter der Schirmherrschaft von Professor Jakob Rhyner, Vize Rektor in Europa der United Nations University, Karin Nordmeyer, Vorsitzende des deutschen Komitees für UN Women, und Professor Christian Tomuschat, ehemaliger Vorsitzender der Völkerrechtskommission. Zum ersten Mal steht auch das "Council of the European Union" unter besonderer Aufsicht: Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, vertritt das EU-Parlament in der Simulationskonferenz . Der Verein BIMUN/SINUB (Bonn International Model United Nations/Simulation Internationale des Nations Unies de Bonn) wurde 2002 von Studenten der Universität Bonn ins Leben gerufen, um jedes Jahr eine Simulationskonferenz der UN und der EU auszurichten.

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