Bonner Beethovenhalle

15 Millionen Euro für die Sanierung

Bonn.  Nägel mit Köpfen will jetzt die schwarz-grüne Ratsmehrheit machen: Die Beethovenhalle soll ab dem Jahr 2014 als Multifunktionshalle instand gesetzt werden.
Unbedingt saniert werden musste in diesem Jahr die Heizungs- und Lüftungsanlage in der Beethovenhalle.
								Foto: Barbara Frommann
Unbedingt saniert werden musste in diesem Jahr die Heizungs- und Lüftungsanlage in der Beethovenhalle. Foto: Barbara Frommann

Unabhängig von der Frage, ob das Beethoven-Festspielhaus kommt oder nicht. Rund 15 Millionen Euro will die Koalition in einem ersten Schritt im städtischen Haushalt 2014/15 bereitstellen. Ein entsprechender Änderungsantrag steht am Mittwochabend im Finanzausschuss zur Diskussion.

Die Verwaltung hatte in ihrem Haushaltsentwurf dafür keine Mittel eingeplant. Für die nächsten drei Jahre ist lediglich eine Million Euro pro Jahr für laufende Reparaturen veranschlagt.

Sozusagen auf den letzten Drücker haben CDU und Grüne sich nach intensiver Haushaltsberatung auf diesen Weg verständigt. Denn der Haushalt 2013/14 samt mittelfristiger Finanzplanung soll morgen in der letzten Stadtratssitzung in diesem Jahr verabschiedet und anschließend der Bezirksregierung Köln zur Genehmigung vorgelegt werden. "Wir haben immer gesagt, dass wir die Beethovenhalle als Multifunktionshalle ertüchtigen wollen", sagte Tom Schmidt (Grüne).

Die Bereitstellung des Geldes "war ein riesiger Kraftakt". Schließlich ist der städtische Etat "auf Kante" genäht. Heißt: Jede zusätzliche Ausgabe birgt die Gefahr, dass Bonn unweigerlich in den Nothaushalt rutscht mit der Folge, dass sämtliche freiwilligen Ausgaben auf den Prüfstand kommen. "Es ist uns aber gelungen, für den bis 2015 eingeplanten Betrag für die Beethovenhalle an anderer Stelle entsprechende Deckungen zu finden", bestätigte CDU-Ratsherr Georg Fenninger.

So seien vor allem Straßenausbauprojekte auf die lange Bank geschoben worden, für die noch keine Ausführungsplanungen vorlägen. Etwa für die Joseph-Beuys-Allee oder den Remigiusplatz.

Insgesamt kostet die Sanierung des in die Jahre gekommenen denkmalgeschützten Baus, dessen Abriss im Zuge der Festspielhauspläne schon beinahe besiegelt gewesen war, laut einem von der Stadt im Sommer vorgelegten Gutachten rund 30 Millionen Euro. "Wenn die ersten Schritte umgesetzt sind, werden wir sehen, wie viel wir für die weitere Sanierung noch draufsatteln müssen. Das Geld wird selbstverständlich bereitgestellt", sagte Schmidt.

Rund 42 Millionen Euro würde es kosten, die Beethovenhalle in einen hochwertigen Konzertsaal umzubauen. Doch CDU und Grüne sind sich einig: Bonn braucht einen Saal, der nicht nur für klassische Konzerte geeignet ist, sondern auch für andere Veranstaltungen. "Darauf können wir nicht verzichten", betonten Schmidt und Fenninger.

Mit Blick auf das Jahr 2020, wenn in Bonn Beethovens 250. Geburtstag groß gefeiert werden soll, sei die Zeit ohnehin schon sehr knapp, um bis dahin "vernünftig aufgestellt zu sein."

Die Grünen hatten im Unterschied zur CDU nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie die Realisierungschancen für ein Festspielhaus bis 2020 nicht als "besonders rosig" ansehen, sagte Schmidt. Stimmt. Im September hatte der Rat auf Antrag der CDU gegen die Stimmen der Grünen und der Linken sein Ja zu einem Festspielhaus bekräftigt. Aber auch, dass sich die Stadt nicht an den Baukosten beteiligen werde.

Es soll, wie berichtet, aus privaten Mitteln errichtet werden. Unter anderem hat die Deutsche Post DHL 30 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Parallel hatte Schwarz-Grün in jener Ratssitzung auch beantragt, die Verwaltung solle einen Zeit- und Finanzplan zur Sanierung der Beethovenhalle aufstellen. "Das steht dem Beschluss für das Festspielhaus überhaupt nicht entgegen", sagte Fenninger.

Das sagen...

  • Bärbel Richter (SPD): "Wir sind dafür, dass die Beethovenhalle erhalten bleibt. Es ist aber zum jetzigen Zeitpunkt das falschen Signal an die Sponsoren des Festspielhauses. Schwarz-Grün zementiert mit diesem Beschluss, dass man sich vom Festspielhaus verabschieden will."
     
  • Werner Hümmrich (FDP): "Ich finde es gut, dass die Mittel für die Beethovenhalle jetzt doch bereitgestellt werden. Wir brauchen die Halle letztendlich weiterhin als Multifunktionshalle."
     
  • Bernhard Wimmer (BBB): "Haushaltsmittel dürfen nicht einseitig für die Beethovenhalle, sondern müssen auch für die Sanierung der Bad Godesberger Stadthalle bereit gestellt werden."
     
  • Jürgen Repschläger (Linke): "Bei einem zu erwartenden Scheitern der Festspielhausfantasien sind 43 Millionen Euro erforderlich, um die Beethovenhalle bis 2020 zu einem hochwertigen Konzertsaal zu optimieren."

Kleine Chronik:
September 1959: Die neue Beethovenhalle wird eröffnet.

31. Juli 1983: Ein Brand richtet schweren Schaden in der Beethovenhalle an. Die Aufführungen des XXXI. Beethovenfestes finden im Zelt statt.

1995/1996: Die Halle wird für 22 Millionen Mark renoviert und erweitert.

2007: Der Rat fasst den Beschluss für das Festspielhaus. Post, Telekom und Postbank erklären die Bereitschaft zur Finanzierung. Der Bund sagt 39 Millionen Euro für die Betreiberstiftung zu.

Sommer 2009: Die beiden Siegerentwürfe fürs Festspielhaus "Welle" und "Diamant" beinhalten den Abriss der Beethovenhalle. Dagegen formiert sich Widerstand in der Bürgerschaft.

2010/11: Die Pläne fürs Festspielhaus werden auf Eis gelegt, Telekom und Postbank steigen als mögliche Geldgeber aus. Es gründen sich private Initiativen für den Bau des Festspielhauses. Es soll nun in der Rheinaue einen neuen Standort finden.

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