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Robuste Rinderrasse verhindert Verbuschung der Landschaft
Hinterwälder grasen am Ennertwald
Von Holger Willcke
NIEDERHOLTORF. Dieser Anblick ist selten geworden: grasende Kühe in Beuel. Diese Form der Weidebewirtschaftung erlebt derzeit eine Renaissance. Zwischen östlichem Ortsrand von Niederholtorf und Waldrand liegen in der Verlängerung des Tränkewegs Wiesenflächen, die zum Naturschutzgebiet Ennert zählen.
Neu im Naturschutzgebiet Ennert: Eine Hinterwälder-Herde, bestehend aus Kühen und Kälbern, grast auf einer Wiese zwischen den Wäldern. Foto: Holger Willcke
Eine ertragsreiche Nutzung dieser Flächen ist schwierig, weil sie nicht mit Volldünger behandelt werden dürfen. Für die Mahd gibt es ebenso eng gefasste Vorschriften. "Landwirtschaften im Naturschutzgebiet ist unwirtschaftlich", behauptet Karl Wengenroth, umweltpolitischer Sprecher der CDU-Ratsfraktion.
Der Hobbyreiter hat die Flächen gepachtet, um dort seinen Pferden Auslauf zu ermöglichen. "Sie fressen allerdings nicht alle Gräser und schon gar nicht Brennnesseln und junge Bäume", so der Umweltexperte. Was bleibt, um eine Verbuschung zu verhindern? Antwort: Mähen und Mulchen. Um dieser mühseligen Arbeit zu entfliehen, hat er einen Landwirt zu Rate gezogen. Norbert Korf aus Küdinghoven hält Hinterwälder, eine robuste und seltene Rinderrasse.
"Ich habe diese Tiere auf den Waldweiden am Finkenberg gesehen und gedacht, die sind auch für meine Weiden einsetzbar. Sie fressen nämlich jede Weide runter. Diese Ur-Rasse ist beim Futter nicht wählerisch", sagt Wengenroth. So sind diese Tiere im Spätsommer und Herbst sechs Wochen lang in Niederholtorf im Einsatz. "Das ist eine Win-Win-Situation für Natur, Landwirt und Pferdehalter. Die typische Landschaft bleibt erhalten, weil das Fressverhalten der Rinder eine Verbuschung der Wiesen unmöglich macht", so der Umweltpolitiker.
Hinterwälder Rind
Das Hinterwälder Rind gilt mit einer Schulterhöhe von etwa 120 Zentimetern als kleinstes Rind Mitteleuropas. Es wird für seine herausragende Fleischqualität in Gourmetkreisen hoch geschätzt. Das ursprünglich im Schwarzwald beheimatete Wäldervieh, auch Hirschvieh genannt, wurde von den Waldbauern zwischen Titisee und Feldberg Anfang des 18. Jahrhunderts gezüchtet. Aufgrund der hohen Widerstandskraft, Anpassungsfähigkeit, Trittsicherheit und Steigfähigkeit eignet sich das Rind in der Milch- und Mutterkuhhaltung sehr gut in extensiven steilen Hanglagen, aber auch für feuchte wenig tragfähige Standorte. In den 70er-Jahren war die Rasse fast ausgestorben. Jetzt leben wieder mehr als 4000 Tiere in Deutschland.
Artikel vom 09.10.2012
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