Gymnasien auf Bootshaussuche

Uni kündigt Schüler-Ruderclubs

Im Herbst müssen Zoe (links, von vorn), Moritz, Lukas, Sophie, Tim und Niko sowie ihre Clubkameraden das Bootshaus an der Ernst-Moritz-Arndt-Straße in Beuel für immer verlassen.

BONN. Gründe für die Kündigung sind laut Uni Platzprobleme. "Das Ruderangebot des Hochschulsports wird inzwischen viel stärker nachgefragt." Es habe auch Beschwerden unter anderem wegen "wilder Grillpartys und Ruhestörung" gegeben. Diese seien aber nicht ursächlich für die Kündigung.

Noch strahlen die Gesichter der Schülerinnen und Schüler der Ruderclubs des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnaisums (EMA) und des Friedrich-Ebert-Gymnasiums (FEG). Denn in diesen Tagen wird wieder "angerudert", also die Rudersaison eröffnet. Wie es allerdings nach dem Sommer weitergeht, steht in den Sternen.

Die Universität will die traditionsreichen Schülerclubs, die bisher das Bootshaus der Uni in Beuel mitgenutzt haben, vor die Tür setzen. Sie hat der Stadt Bonn als Mieterin des Hauses zum 31. Oktober gekündigt.

Eine böse Überraschung, wie EMA-Schulleiter Thomas Harth sagte. Immerhin verfügen die beiden Clubs zusammen über 30 Boote, und die können über den Winter nicht einfach irgendwo abgestellt werden. Groß ist auch die Sorge von Harth und FEG-Vizechef Dirk Bahrouz, dass die beiden Schulen nicht rechtzeitig zu Beginn der Saison 2015 eine neue Bleibe gefunden haben, denn die Bemühungen seit der Kündigung im Dezember seien bislang erfolglos geblieben.

"Es ist schließlich nicht einfach, ein passendes Gebäude am Rheinufer für die Schülerclubs zu finden", gab Harth zu bedenken. "Wir haben lange warten müssen, bis wir überhaupt mal einen Termin bei der Stadt Bonn bekommen haben", so der Schulleiter. Dabei sei ihnen zwar Unterstützung zugesagt worden, aber angesichts der städtischen Haushaltslage wissen Harth und Bahrouz auch, dass die Stadt Bonn finanziell keine großen Sprünge wagen kann.

"Die Stadt ist mit den Schülerrudervereinen seit Bekanntwerden der Kündigung im Gespräch, um alle Möglichkeiten auszuschöpfen, den Ruderbetrieb fortzusetzen und das weitere Vorgehen abzustimmen", sagte Marc Hoffmann vom städtischen Presseamt. Die Verwaltung versuche, geeignete Liegenschaften zu finden und werde auch die eventuelle Zusammenarbeit mit einem Bonner Ruderverein unterstützen. Nach den geltenden Sportförderrichtlinien werde sie weiterhin die Mietkosten bezuschussen. Laut Harth waren das bisher 700 Euro pro Monat.

Als Gründe für die Kündigung nannte Uni-Sprecher Andreas Archut Platzprobleme. "Das Ruderangebot des Hochschulsports wird inzwischen viel stärker nachgefragt", sagte er dem GA. Es stimme auch, dass es Beschwerden unter anderem wegen "wilder Grillpartys und Ruhestörung" gegeben habe. Diese seien aber nicht ursächlich für die Kündigung.

Die beiden Vorsitzenden der rein von Schülern geführten Clubs, Luise Haas (FEG) und Moritz Wehrmeister (EMA), kennen diese Kritik, haben dafür aber kein Verständnis. "Schüler sind schließlich keine Erwachsenen", verteidigen sie ihre Clubs. EMA-Sportlehrerin Jennifer Helmholdt hofft, dass bald eine Lösung gefunden wird. Sie möchte die Sportart Rudern noch stärker als bisher in den Sportunterricht des Gymnasiums etablieren und auf die Mittelstufe ausweiten.

Die Schüler-Ruderclubs

13 Schüler des heutigen Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums (EMA) gründeten 1906 den Gymnasialen Ruderclub (GRC). Das später aus dem EMA hervorgegangene Friedrich-Ebert-Gymnasium (FEG) gründete ebenfalls einen Schüler-Ruderclub. Beide Clubs mit inzwischen mehr als 100 Aktiven und zwei Fördervereinen nutzen seither gemeinsam ein Bootshaus. Ein eigenes Haus musste 1966 wegen des Baus des Langen Eugen weichen.

Das provisorische Domizil im Alten Wasserwerk tauschten sie 1974 gegen ein neues Bootshaus am Spiritusufer ein. 2004 ging es in den Besitz des Bonner Rudervereins über. Die Schülerclubs mussten erneut umziehen und fanden Unterkunft im Uni-Ruderclub.