Aufklärungskampagnen zur Südtangente

Tunnel-Gegner machen mobil

Vereinsmitglieder studieren am Gut Heiderhof Lagepläne: (von links) Franz-Friedrich Rohmer, Doris Lagreze, Rainer Bohnet, Susanne Gura, Anne Küpper-Oszvald und Thilo Schumann.

BEUEL. Seitdem die Diskussionen um den Ennerttunnel erneut aufgeflammt sind, hat der Verein Lebenswerte Siebengebirgsregion seine Aktivitäten im Kampf gegen die umstrittene Entlastungsstraße zwischen A3 und A562 (Südbrücke) wieder intensiviert.

Bereits im Mai haben Vereinsmitglieder an der Grenze zwischen Beuel und Königswinter Informationstafeln zum Thema Südtangente und insbesondere deren rechtsrheinischen Teil Ennerttunnel aufgestellt. "Seit 2003 die Südtangente aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen worden ist, sind viele Neubürger in die Region gezogen, die mit dem Projekt gar nichts anfangen können", erklärte Vorstandsmitglied Susanne Gura.

Der Verein will durch Aufklärungskampagnen und Briefe an Kommunal-, Landes- und Bundespolitiker verhindern, dass die Trasse 2015 erneut im Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wird. Derzeit prüft das Bundesverkehrsministerium, ob die Querspange als vierstreifiger Neubau der B56 zwischen der Anschlussstelle Hardtberg (A565) und der A3 in Höhe von Birlingvoven/Dambroich eine sinnvolle Verkehrsentlastung für die Region darstellt. Und genau das bestreitet der Verein.

"Die Südtangente würde deutlich mehr Verkehr anziehen, vor allem Lkw. Viele Politiker und Verkehrsplaner sprechen im Zusammenhang mit der Südtangente immer von Verkehrsentlastung. Genau das Gegenteil wäre der Fall", erklärte Vereinsmitglied Thilo Schumann. Was den Verein besonders beunruhigt, ist die drohende Zerstörung der Natur. "Die Trasse würde quer durch den Naturpark Siebengebirge führen, vorbei an vielen Kulturstätten. Das wäre für die Umwelt unzumutbar", sagte Mitglied Anne Küpper-Oszwald.

Statt 500 Millionen Euro für den Bau der Südtangente auszugeben, schlägt der Verein dem Bundesverkehrsminister den Bau eines S-Bahn-Rings in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis vor. "Viele Teilstücke sind schon rechts und links des Rheins vorhanden. An einigen Stellen müsste noch der Lückenschluss gebaut werden", sagte Franz-Friedrich Rohmer, zweiter Vorsitzender des Vereins. Für ebenso wichtig erachten die Mitglieder den Bau von neuen Park-and-ride-Plätzen an der Peripherie von Bonn.

Von dort könnten dann Shuttlebusse die Fahrgäste zu Bahnhöfen und S-Bahnstellen fahren. "In der Region registrieren wir seit Jahren wachsende Pendlerzahlen vom Rhein-Sieg-Kreis nach Bonn. Um dem entgegen zu wirken, hilft nicht der Neubau von Straßen, sondern der konsequente Ausbau des ÖPNV-Netzes", betonte Mitglied Rainer Bohnet. Der Verein bereitet derzeit mehrere Infoveranstaltungen vor, die er an der geplanten Trasse zwischen Ungarten und Birlinghoven durchführen will. "Wir müssen das Naturpark-Bewusstsein der Bürger schärfen", so Gura.

Der Verein

Der Verein Lebenswerte Siebengebirgsregion wurde 2001 gegründet und hat heute 70 Mitglieder, darunter mehrere Vereine wie der Verkehrsclub Deutschland. Ziel ist es, das Siebengebirge mit seinem Umland als eine Region zu erhalten, in der es sich zu leben lohnt, und irreversiblen Schäden zu verhindern, die dem ältesten Naturschutzgebiet Deutschlands durch Zersiedelung und durch Bau von Verkehrswegen drohen. Vorsitzender des Vereins ist Jürgen Maier. Der Verein hat sich intensiv um die Südtangente und Bürgernationalpark gekümmert.