Lesung mit Krimi-Autor Michael Wagner

Mord und Totschlag im Bonner Polizeipräsidium

War anfangs nervös: Michael Wagner fand bei seiner Lesung im Polizeipräsidium aber schnell zu seiner Souveränität.

War anfangs nervös: Michael Wagner fand bei seiner Lesung im Polizeipräsidium aber schnell zu seiner Souveränität.

Ramersdorf. Zu einem Renner haben sich die Krimilesungen des Kultur- und Kriminalvereins der Bonner Polizei entwickelt. So war auch jetzt die Lesung mit dem Autor Michael Wagner wieder ausverkauft.

Als ob das Leben der Polizei nicht schon spannend genug wäre, so steht bereits seit zehn Jahren „Mord und Totschlag“ im Bonner Polizeipräsidium auf der Tagesordnung. Zumindest wenn es nach dem „Kultur- und Kriminalverein der Bonner Polizei“ geht.

Dieser lädt nämlich Krimifreunde seit dieser Zeit im Winterhalbjahr zu Lesungen mal mehr, mal weniger bekannten Krimiautoren ins Polizeipräsidium ein. Mit Erfolg, wie man dem Verein bescheinigen muss. „Unsere Lesungen“, so Vereinsvorsitzender Jörg Pfefferkorn, „besuchen immer mehr als 200 Krimi-Interessenten, was für uns ausverkauft bedeutet.“

Was auch nicht verwunderlich ist, denn der Verein bietet seinen Besuchern nicht nur Spannung aus erster Hand, es spielt auch das großartige Jazz-Ensemble des Landespolizeiorchesters unter der Leitung von Hans Steinmeier und das Restaurant „Bühne“ beköstigt die Gäste mit Speisen und Getränken.

Michael Wagner aus Hennef stellte am vergangenen Mittwoch sein neuestes Buch vor, das den Titel „Unter tödlicher Sonne“ trägt. Obwohl er seit 2012 Bücher schreibt und obwohl er rund alle zwei Monate eine Lesung hält, gestand er gleich zu Beginn ein: „Entschuldigen Sie bitte meine Nervosität, aber vor solch einer großen Zuhörerschaft habe ich noch nie gelesen.“ Für ihn war dies sozusagen ein Heimspiel, denn seine Kriminalromane aus der „Oliver-Hell-Reihe“ spielen alle in Bonn und Umgebung. „Unter tödlicher Sonne“ ist bereits der zwölfte Band mit Oliver Hell als Protagonisten. Unter Gelächter erklärte er, dass seine Fälle eine 100-prozentige Aufklärungsquote haben.

Vor dem Schreiben ist gründliche Recherche erforderlich

Alles, was er schreibt, hat er sich ausgedacht. Er recherchiert vor dem Schreiben gründlich. So hat er sich für seinen ersten Hell-Roman über Sodomie/Zoophilie informiert, eine Art der „Tierliebe“, die er für eine Krankheit hält. Zu seinem letzten Roman hat er über Serienkiller und deren Marotten recherchiert. So beschreibt er in diesem Buch, wie einer Frau mit einem Skalpell bei lebendigem Leib ein Augenlid abgetrennt wird. Ein deutliches Aufstöhnen der Zuhörerschaft ist dabei zu vernehmen. „Das war aber noch gar nichts zu dem, was ich herausgefunden hatte“, berichtet er in kleinem Kreis. Die Grausamkeiten, auf die er gestoßen ist, die könne er gar nicht wiedergeben.

Dafür gibt er, neben dem Verlauf der Krimihandlung, auch die Lebensumstände seines Polizeiteams sehr genau wieder. „Die Figuren haben sich von Band eins bis Band zwölf weiterentwickelt“, gesteht er. Die Präzision, mit der er Verbrechen und Persönlichkeiten schildert, ist dabei sein Stil von Literatur. Wagner veröffentlichte seine Bücher als ‚Self-Publisher‘, also vom Vorwort über das Nachwort und die Covergestaltung stammt alles von ihm. Daher waren sie nur als E-Book bei Amazon zu finden. Seit gut einem Jahr publiziert er jedoch bei „neobooks“, einer Self-Publishing-Plattform und damit sind sie jetzt auch in Buchhandlungen erhältlich.