Kostümparty Blauer Affe

Maskottchen aus Brehms Tierleben

Beuel. Klingende Markennamen denken sich meist gut bezahlte, kreative Köpfe aus. Anders verhält sich der Fall bei einer der letzten traditionellen Karnevalsveranstaltungen in Bonn, dem Blauen Affen.

Denn der ungewöhnliche Titel fiel in den 1920er Jahren der Ehefrau des Vorsitzenden des damaligen Bonner Wassersportvereins (BWV) im Vorbeigehen ein.

„Der Vergnügungsausschuss tagte, um für 1927 ein Karnevalsfest zu planen, das einen außergewöhnlichen Namen bekommen sollte“, erinnert sich Karl-Heinz Rosarius, Ehrenvorsitzender der Bonner Ruder-Gesellschaft (BRG), die 1929 mit dem BWV fusionierte. Allein, es wollte niemandem etwas einfallen. Als die Dame des Hauses Getränke brachte, schlug sie spontan „Blauer Affe“ vor. Dieser findet am Karnevalssamstag erneut im Haus am Rhein in Beuel statt.

Früher gab es Mottopartys

In den fast 90 Jahren seines Bestehens hat sich der Affe ein wenig gewandelt, ist aber immer noch höchst erfolgreich. „Früher gab es große Kostümbälle, die stets unter einem bestimmten Motto standen“, sagt Rosarius. Der Blaue Affe beim Zirkus Klimbim (1933) oder der Blaue Affe beim Karneval in Rio (1971) waren zugleich Aufforderung an die Gäste, sich dementsprechend zu kleiden. „Wer das nicht wollte, musste mindestens einen dunklen Anzug mit karnevalistischen Abzeichen tragen“, erläutert Pressewartin Dorothee Leopold-Prinz.

In dicken Ordnern bewahrt sie die Historie in Form von Fotos, alten Eintrittskarten und Zeitungsausschnitten auf. Zu Gast waren die Ruderer in all den Jahren in vielen Sälen: In der Lese am Bonner Rheinufer, dem Rheinhotel Dreesen, dem Haus des Bonner Bürger Vereins an der Poppelsdorfer Straße, dem Steigenberger Hotel im Bonn-Center. Kennzeichen aller Bälle war die aufwendige Deko. „Der Bonner Künstler Ferdinand Just hat uns wundervolle Malereien und Affen gefertigt. Leider ist er vor fast sechs Jahren gestorben“, sagt Rosarius.

Ein paar der großen Tierchen werden auch 2016 wieder im Haus am Rhein im Einsatz sein. „Seit 1976 feiern wir in unserem Vereinshaus, inzwischen mit 650 Leuten“, so Leopold-Prinz. Das spart Saalmiete, auch wenn sich die Gewinne für den Verein nicht mehr in den Sphären früherer Veranstaltungen mit bis zu 1600 Leuten bewegen. „Damals hieß es, dass ein Ball gut ist für ein neues Boot“, sagt die Pressewartin. Mittlerweile feiern die Ruderer eher eine Kostümparty auf drei Ebenen mit Musik für jeden Geschmack.

Am Donnerstag beginnen die Dekorationstage

Geblieben ist der ehrenamtliche Einsatz der Mitglieder. Das Kernteam besteht aus Jannik Graaf, Sebastian Deipenbrock, Simon Krane, Helge Offermann und Heiner Schwaeppe plus 25 weiteren Helfer. „Am heutigen Donnerstag beginnen die Dekorationstage, dann werden Stellwände geschleppt und Bühnen aufgebaut“, beschreibt Leopold-Prinz das Treiben, das an sich schon einem Event gleiche. Als Letztes folgt das große Affenmaul am Eingang, durch das die Besucher eintreten.

Gelassen sieht Pächterin Ivona Slavicek dem Abend entgegen: „Ich kenne das seit 22 Jahren, wir haben ein gut eingespieltes Team.“ Alle Möbel des Restaurants wandern in einen Nachbarraum. 25 Servicekräfte sorgen an fünf Theken für Getränke, dazu kommt ein Essensverkauf mit Schnitzel, Gulaschsuppe & Co. Das Maskottchen, seinerzeit aus Brehms Tierleben abgepaust, wacht derweil als Bronzefigur über den Feiernden.

Für den Blauen Affen am Samstag, 6. Februar, ab 20 Uhr sind noch Karten für 20 Euro im Haus am Rhein, Elsa-Brändström-Straße 74, erhältlich. Weitere jecke Termine und Artikel gibt es auf www.kamelle.de