Hilfsaktion in Beuel

Letzter Besuch bei der todkranken Mutter

Michael Heine (r.) und Timo Müller (M.) überreichen Tokiharimanitra Fetranantenaina das Geld für das Flugticket.

Michael Heine (r.) und Timo Müller (M.) überreichen Tokiharimanitra Fetranantenaina das Geld für das Flugticket.

VILICH. Ein junger Praktikant aus Madagaskar kann dank der Hilfe von Freunden, Nachbarn und Kollegen spontan in seine Heimat fliegen, um seine todkranke Mutter zu besuchen. Der 21-Jährige absolviert zurzeit ein freiwilliges soziales Jahr auf dem Ledenhof in Vilich.

Als Tokiharimanitra Laurencio Romanthica Fetranantenaina erfuhr, dass es seiner Mutter wieder schlechter ging, hatte er gleich zwei Gründe traurig zu sein: Zum einen, weil die an Gebärmutterhalskrebs leidende Frau wohl nicht mehr lange zu leben hat. Und zum anderen, weil sich der kurz Toki gerufene junge Mann gerade knapp 9000 Kilometer von seiner Heimat entfernt befindet und keinen finanziellen Spielraum für einen Heimflug hat. „Das Schöne an unserem Quartier ist doch der Zusammenhalt“, meint Michael Heine zum Leben rund um den Ledenhof in Vilich und so hat der LVR-Manager kurzerhand sein Netzwerk aktiviert, um für den 21-jährigen Praktikanten aus der madegassischen Hauptstadt Antananarivo das nötige Kleingeld für einen Heimflug zu beschaffen.

Seit vergangenem September ist der junge Mann, der sein Jurastudium zugunsten einer Tätigkeit im sozialen Bereich an den Nagel gehängt hat, nun in Bonn: „Ich absolviere ein freiwilliges soziales Jahr über die ijgd “, erzählt er. Die „Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste“ bieten auch ausländischen Freiwilligen die Möglichkeit, ein Jahr lang in Deutschland Erfahrungen zu sammeln: Gegen Unterkunft und Verpflegung sowie ein monatliches Taschengeld arbeiten die Freiwilligen in Vollzeit bei Einrichtungen wie dem Ledenhof.

„Wahnsinn, wie offen und großzügig die Menschen hier sind“, findet der junge Mann. Nur wenige Tage nach der schlechten Nachricht übergeben ihm Heine und Geschäftsführer Timo Müller vom Tanzhaus Bonn 2000 Euro an Spendengeldern: „Der größte Batzen kommt vom Tanzhaus, aber ganz viele Menschen – von den Kollegen über Mitglieder der Kirchengemeinde bis hin zu Nachbarn – haben sich auch mit kleineren Beträgen engagiert, damit Toki nach Hause fliegen und seine Mutter zum wahrscheinlich letzten Mal sehen kann“, so Heine. Oft seien es sogar Menschen gewesen, die selbst nicht auf Rosen gebettet sind oder den Praktikanten gar nicht persönlich kannten. Rund drei Wochen Zeit hat Fetranantenaina nun, bevor er wieder nach Bonn zurückfliegen muss, wo er dann noch bis September arbeiten wird.

Obwohl Flüge nach Madagaskar nicht gerade billig sind, blieb sogar noch etwas von den 2000 Euro übrig: „Es will aber niemand etwas zurückhaben – die Spender wünschen sich, dass Toki mit dem Rest vielleicht noch etwas Schönes gemeinsam mit seiner kranken Mutter unternehmen kann“, so Heinen.

Inzwischen ist der junge Mann wohlbehalten in seiner Heimat angekommen und die Freude seiner Mutter beim Wiedersehen war kaum zu beschreiben: „Ohne eure Hilfe wäre das nicht möglich gewesen“, bedankte sich Toki über ein soziales Netzwerk bei seinen deutschen Freunden.