Schadstoffe in Niederholtorf

Kita Waldzwerge: Eltern in Sorge

Die Stadt Bonn lässt derzeit die Raumluft der Kita Waldzwerge in Niederholtorf auf eine mögliche Schadstoffbelastung prüfen. Erst wenn die Ergebnisse des Gutachters vorliegen, will die Stadt über mögliche Konsequenzen entscheiden. Die Kita macht ab 7. August drei Wochen Ferien.

Die Stadt Bonn lässt derzeit die Raumluft der Kita Waldzwerge in Niederholtorf auf eine mögliche Schadstoffbelastung prüfen. Erst wenn die Ergebnisse des Gutachters vorliegen, will die Stadt über mögliche Konsequenzen entscheiden. Die Kita macht ab 7. August drei Wochen Ferien.

Niederholtorf. Die Familien, deren Kinder derzeit die Kindertagesstätte Waldzwerge in Niederholtorf besuchen, sind besorgt. Es besteht der Verdacht, dass das Gebäude in der Weinheimstraße mit Schadstoffen belastet ist – und das offenbar schon seit mehr als zehn Jahren.

Eltern haben jetzt den General-Anzeiger darüber informiert. Aufgeschreckt wurden sie durch Briefe, die die Stadt Bonn zwischen Ende Juni und Anfang Juli verschickt hat. Darin werden die Eltern über die aktuelle Sachlage informiert. „Alle Eltern mussten den Erhalt des Dokuments mit Unterschrift bestätigen. Dies ist ein unhaltbarer Zustand für die Erzieherinnen, die Eltern und vor allem die Kinder“, erklärte ein Elternteil, dass namentlich nicht genannt werden möchte.

Die Stadt Bonn, die seit 2007 Träger der Kita ist und jetzt das 1974 errichtete Gebäude von der Kirchengemeinde Sankt Antonius kaufen oder in Erbpacht übernehmen will, erhielt im Rahmen der Verkaufsverhandlungen Kenntnis über die Schadstoffbelastungen, weil plötzlich mehr als zehn Jahre alte Akten zum Vorschein kamen. Die Unterlagen belegen, dass bereits im Jahr 2003 im Gebäude deutlich erhöhte Schadstoffmengen festgestellt wurden, deren Ausdünstungen nach Aussage der Eltern zu einer Vielzahl von Krankheiten inklusive Krebs führen können. „Das ist bereits 2003 in einem der Stadt Bonn vorliegenden Gutachten bestätigt worden, was dazu riet, ein Raumluftgutachten erstellen zu lassen. Angeblich wurde mindestens ein Gutachten erstellt, dessen Ergebnis jedoch nie veröffentlicht wurde“, teilte der Informant dem GA mit.

Die Stadt Bonn bestätigte dem GA, dass sie die Kindertagesstätte Waldzwerge kaufen, umbauen, sanieren und erweitern will. „Vor diesem Hintergrund finden Routine-Schadstoffuntersuchungen in Verbindung mit Messungen statt. Diese werden immer durchgeführt, wenn ein bestehender Kindergarten umgebaut beziehungsweise saniert werden soll“, erklärte Steffi Zießnitz vom Presseamt der Stadt Bonn. Zum Stichtag 1. August 2007 ging der Betrieb der Kita (einschließlich Personal und Inventar) im Rahmen eines Betriebsübertragungsvertrages von der Kirche an die Stadt Bonn über.

Analysen der Stadt nicht bekannt

Der damalige Vertrag beinhaltete als Anlage ein Begehungsprotokoll. Dieses Begehungsprotokoll vom 6. Juni 2003 war durch die Kirchengemeinde als Eigentümerin der Kita beauftragt worden. Die Ergebnisse der Begehung zur Identifizierung von Baustoffen mit Schadstoffpotenzialen waren damals an die Kita-Eigentümerin gegangen.

Aus dem Begehungsprotokoll von 2003 geht laut Stadt Bonn hervor, dass zwei Stichproben an Holzoberflächen genommen wurden zur Überprüfung potenzieller PCP- beziehungsweise Lindan-Anteile sowie eine Probe an einer Stahl-Türzarge, die elastisches Fugenmaterial als Wandabdichtung beinhaltete, bei der PCP-haltige Substrate nicht auszuschließen waren. Analysen dieser Proben waren nicht Anlage des Vertrags und waren darum der Stadt Bonn auch nicht bekannt.

„Wir haben es damals versäumt, entweder bei der Kirchengemeinde nachzufragen, ob es überhaupt zu Analysen der Proben gekommen war, oder andererseits bei Übernahme des Betriebs eigene Untersuchungen in Auftrag zu geben“, erläutert Marc Hoffmann, stellvertretender Pressesprecher der Stadt Bonn.

Aufgrund der derzeit laufenden Schadstoff-Untersuchungen hat die Stadt zwischenzeitlich sowohl den damaligen Gutachter als auch die Kirchengemeinde gefragt, ob die damals angeregten Analysen der genommenen Proben erfolgt waren. Laut Presseamt haben das sowohl der Gutachter als auch die Kirchengemeinde verneint.

Werner Löffler, stellvertretender Kirchenvorstandsvorsitzender von Sankt Antonius, bestätigte gegenüber dem GA die Aussagen der Stadt Bonn: „Es ist leider nicht mehr zu rekonstruieren, wer was damals gewusst hat und warum keine weiteren Untersuchungen vorgenommen worden sind. Sowohl der damalige Pfarrer Kurt Padberg als auch sein Kirchenvorstandsvertreter sind mittlerweile verstorben. Und die damalige Kindergartenleiterin kann sich nicht mehr daran erinnern, ob die Untersuchungsergebnisse von 2003 Anlass zu einer Beunruhigung hätten geben können.“