Urban Gardening

Kinder legen Hochbeete für ihre Kita in Vilich-Müldorf an

Die Kinder füllen Erde in das erste fertige Hochbeet.

Die Kinder füllen Erde in das erste fertige Hochbeet.

Vilich-Müldorf. Der Bürgerverein Vilich-Müldorf hat mit Kindern Hochbeete für ihre Kitas Haus der kleinen Entdecker und Mühlenbachflöhe gebaut. Bei den Beeten auf dem Vorplatz soll es aber nicht bleiben.

Endlich: Das erste Hochbeet auf dem Platz vor der Mühlenbachhalle war fertig, jetzt kam die Stunde der Kinder. Die hatten bis dahin auf dem Erdhaufen, mit dem das Beet befüllt werden sollte, Gipfelstürmer und Buddelprofis gespielt, was man als Kind eben so tut, wenn die Eltern mit Erwachsenenkram beschäftigt sind. Aber das Einfüllen der Erde war dem Nachwuchs überlassen, erst jeder für sich mit Schippen und Schaufeln. Dann kamen sie nach und nach auf die Idee, zu zweit Eimer mit Erde zu befüllen und diese dann umzuschütten. Gemeinsam geht eben vieles schneller.

Der Bürgerverein Vilich-Müldorf hatte im Rahmen des Projektes „LoTGar“ – das steht für „Lokale Reduzierung von Treibhausgasemissionen: Urban Gardening in Vilich-Müldorf“ – zum Hochbeet-Bauen eingeladen. Da die Beete künftig sozusagen von den Kindern der Kitas Haus der kleinen Entdecker und Mühlenbachflöhe bewirtschaftet werden, beteiligten sich auch vorrangig Eltern und Kinder aus diesen Einrichtungen an der Aktion. Das Material stellte der Verein, teils gesponsert vom Beueler Bauhaus, außerdem gab es Gelder vom Bundesumweltministerium. Angeleitet wurden die Eltern von Michael Schneider, der auch im Gemeinschaftsgarten im Neubaugebiet aktiv ist.

Kindergartenkinder sollen Beete beobachten

Holzbretter auf Paletten übereinander anbringen, zusammengehalten durch rechtwinklige Metallverbindungen an den Ecken, Folie zuschneiden und innen befestigen, dann erst mal grobes Grünzeug – besser kein Efeu – und Gehölz hinein, damit die Erde atmen kann, und schließlich die Erde obendrauf. Zuletzt wurden noch Bretter daran befestigt, die die Kinder vorher bunt angestrichen hatten. Fertig ist das Hochbeet, bereit für Petersilie, Kohlrabi, Salat und anderes. Auch eine automatische Bewässerung wurde eingebaut. Diese Beete bleiben vor der Halle stehen, damit die Kindergartenkinder beobachten können, wie die Pflanzen wachsen, und sie später ernten können, erklärte Joachim Clemens vom Bürgerverein.

Der hat auch noch ein größeres Projekt: Er will weitere 18 Hochbeete auf dem Dach des Hochbunkers gleich neben der Halle aufstellen. „Gerade heute ist die Baugenehmigung gekommen“, sagte Clemens am Samstag. „Wir werden jetzt aktiv werden.“ Dafür hatte der Bürgerverein einen Antrag auf Umnutzung des Dachs gestellt. Bislang haperte es am Brandschutz: Eigentlich bräuchte es eine separate Treppe als zweiten Fluchtweg. Diese würde aber rund 15 000 Euro kosten – zu teuer. Deswegen soll eine sogenannte „Anleiterstelle“ installiert werden, eine leicht erhöhte Fläche, auf welche die Feuerwehr im Fall der der Fälle ihre dreiteilige, sieben Meter lange, Leiter aufstellen könnte. „Experten haben uns versichert, dass das so gehen kann“, so Vorstandsmitglied Thomas Biedermann.

Beete sollen von Paten betreut werden

Der von 1936 bis 1938 errichtete Bunker mit 1,80 Meter starken Wänden und der 1,60 Meter dicken Decke beherbergte bis Mitte der 80er-Jahre Duschen für ein Freibad. Jetzt ist darin die Kita Mühlenbachflöhe, außerdem eine Wohnung. 165 der 265 Quadratmeter Flachdach auf rund sieben Metern Höhe sollen begrünt werden, neben einem Windschutz mit Fenstern sollen auch Bienenstöcke aufgestellt werden, die der Dorfimker beisteuert. Die Hochbeete sollen von Paten betreut werden, einige hat man schon gefunden.

Mit dem LoTGar-Projekt will der Bürgerverein laut Clemens deutlich machen, „dass Gärtnern auch Klimaschutz bedeutet“. Das gehe beim Dünger los: „Oft sind die Privatgärten überdüngt.“ Auf dem Bunkerdach soll die Treibhausgasemission gemessen werden, vor allem der Lachgasausstoß. Das Projekt geht bis Ende August 2019 und beinhaltet neben der Betreuung der Beete auch Workshops auf dem Dach. Dazu passte auch der gemütliche Nachmittag zum Thema „Wo ist der Frühstück für die Bienen?“ rund um Artenschutz und umweltfreundlichen Pflanzenschutz, den der Verein am Sonntag nach seiner Mitgliederversammlung durchführte.