Städtepartnerschaft Beuel-Mirecourt

Kinder feiern deutsch-französische Freundschaft

Beuel. Jean Marie Bastien und Hans Lennarz, das sind die Väter der Städtepartnerschaft zwischen Mirecourt und Beuel. Der Partnerschafts-Pionier Lennarz wird nicht müde, für die Belange Beuels und insbesondere der Städtepartnerschaft einzutreten.

Dass die Geschichte der Städtepartnerschaft mit der Glockenrückführung von Mirecourt nach Beuel begann, sei hinlänglich bekannt. „Was aber immer wieder untergeht“, erzählt Partnerschafts-Pionier Hans Lennarz, „ist, dass die Geschichte eigentlich mit einem gewissen Pierre Fourier beginnt.“ Dieser wurde 1565 in Mirecourt geboren, das damals zur Diözese Trier gehörte.

Die Geschichte von Mirecourt ist verbunden mit der wechselhaften Geschichte von Lothringen, das eine deutsche und eine französische Vergangenheit hat. So wurde der Franzose Fourier 1589 in Trier zum Priester geweiht. „1957 beschloss der damalige Pfarrer von Mirecourt, Jean Noël, eine Reise zu den Wirkungsstätten von Fourier zu machen, nach Trier, aber auch nach Bonn“, erzählt Lennarz. Den Namen „Schwarzenrheindorf“ auf einer Glocke in Mirecourt hatte er im Gedächtnis, als er zur Doppelkirche nach Schwarzrheindorf kam.

Hier klingelte er beim Pastor, der aber nicht zu Hause war. Deshalb hinterließ er eine Nachricht: „Lieber Mitbruder, ich glaube, wir haben eine Glocke von Dir.“ Noël fügte noch hinzu: „Cum fraterna amicitia“ (in brüderlicher Freundschaft). Daraus entstand, so Lennarz, der Kontakt zwischen der Pfarrei in Schwarzrheindorf und der Pfarrei in Mirecourt. „Von Pfarrei zu Pfarrei, das war die Keimzelle der Städtepartnerschaft, in die sich ganz allmählich die Politik mit eingeklinkt hat“.

Vorbehalte gegen die Partnerschaft habe es in Beuel nicht gegeben, berichtet Lennarz, einer der wenigen Zeitzeugen dieser Epoche. Von höchster politischer Ebene war die Jumelage, wie Partnerschaft auf französisch heißt, in ganz Deutschland, unter anderem vom damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer, abgesegnet worden. In Frankreich hat es jedoch lokale Vorbehalte gegeben. Der damalige Bürgermeister von Mirecourt, Henri Parisot, der selber im Krieg einen Sohn verloren hatte, setzte trotzdem gegen den Widerstand im Rat von Mirecourt den Beschluss zur Städtepartnerschaft durch. „Ihr müsst dafür sorgen, dass diese Partnerschaft weiterlebt und ausgebaut wird“, soll Parisot noch auf seinem Sterbebett zu Lennarz gesagt haben, „ihr seid das der nächsten Generation schuldig.“

Jean Marie Bastien, das Pendant zu Lennarz in Mirecourt, wollte von Anfang an, dass die Jumelage nicht nur auf politischer Ebene, sondern auch unter den Bürgern stattfindet. „Deshalb habe ich den Partnerschaftsverein gegründet“, erzählt er. Er erinnert sich heute noch, dass einige seiner Landsleute gegen diese Partnerschaft mit den „Boches“, einer herablassenden, häufig diffamierenden Bezeichnung für Deutsche, waren. Seine Eltern haben Drohanrufe bekommen, er selber anonyme Drohbriefe. „Doch allen Widrigkeiten und Stimmungen zum Trotz, ich war für die Partnerschaft, um die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen“, berichtet Bastien.

Dass der Austausch mit Mirecourt auf vielen Ebenen funktioniert, beweist auch der regelmäßige Jugendaustausch, der in diesem Jahr zum achten Mal stattfindet. Fünf Kinder aus Mirecourt kommen an diesem Samstag zu einer Ferienfreizeit nach Beuel und werden um 15.30 Uhr in der Mirecourtstube des Rathauses begrüßt.

Die französischen Kinder wohnen in Beueler Gastfamilien und erleben gemeinsam mit den gleichaltrigen deutschen Kindern der Gastfamilien ein abwechslungsreiches Programm. Es handelt sich hierbei um den Erstbesuch der französischen Gäste in Beuel, der Gegenbesuch der deutschen Kinder in Frankreich findet nächstes Jahr in den Sommerferien statt.