Jugendbande in Beuel

Experte setzt auf Zivilcourage

Ehrenamtlich im Einsatz für Kriminalitätsopfer: Klaus Holtz vom Weißen Ring.

Beuel. Wegen der Überfallserie in Beuel und vor allem Oberkassel trauen sich einige Jugendliche nicht mehr auf die Straße. Das berichtete eine Mutter aus Oberkassel, die den GA über das Treiben einer Jugendbande informiert hatte. Was also tun, während Polizei und Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben auf Hochtouren ermitteln?

"Zunächst einmal sollten die Jugendlichen nicht alleine unterwegs sein, sondern in Gruppen und im Dunkeln schon mal gar nicht", empfiehlt Klaus Holtz von der Opferschutzberatung Weißer Ring. Er leitet ehrenamtlich die Außenstelle Bonn des bundesweit tätigen Vereins. In Akut-Situationen könnten die Eltern auch Fahrgemeinschaften bilden.

"Aber", so rät der Experte, "alles, was Eltern unternehmen, sollte mit Kindern und Jugendlichen vorher besprochen werden." Denn wenn, wie jetzt geschehen, Jugendliche überfallen würden, handele es sich um eine sensible Gruppe von Opfern. "Mitten in der Pubertät möchte man vielleicht nicht von den Eltern zur Schule gefahren werden", so Holtz.

Er weiß aus seiner sechsjährigen Beratungserfahrung: In diesem Alter sei es uncool sich zu öffnen, sich als Opfer zu outen. "Das ist ein Grund, warum viele Vorfälle nicht gemeldet werden", sagt Holtz. Das "Abziehen" durch Gleichaltrige, die Zigaretten, Geld, Wertgegenstände und Kleidung stehlen, empfänden die Jugendlichen als eigene Schwäche.

"Aber es ist wichtig, sich an Vertrauenspersonen zu wenden, wenn man befürchtet, Opfer zu werden oder Opfer geworden ist", sagt der Weiße-Ring-Leiter. Das müssen für ihn nicht unbedingt die Eltern sein; auch Geschwister, Freunde, Lehrer oder der Meister können gute Zuhörer sein. "Und natürlich sind auch die Polizei und wir Ansprechpartner", betont der Küdinghovener. Denn nach so einer Tat sei man traumatisiert. Vor allem wenn auch noch Bedrohung im Spiel sei.

Wenn es zu einem Übergriff kommt, sollte das Opfer nicht den Helden spielen. "Bitte keinen Widerstand leisten und alles herausgeben", sagt Holtz. Schreien oder eine Trillerpfeife könnten die Angreifer abschrecken. Wenn nicht, rät er zur Anzeige der Tat, was aber keine Voraussetzung für eine Beratung durch seinen Verein ist. Und er wünscht sich, dass Zeugen nicht wegschauen: "Zivilcourage hilft schützen." Konkret bedeute das, im Falle eines Falles die 110 der Polizei zu wählen.

Klaus Holtz und sein Team der Außenstelle Bonn des Weißen Rings sind erreichbar unter der Rufnummer 0228/71036097.