Königswinterer Straße in Beuel

Evonik will Containerdorf für Bauarbeiter errichten

Beuel. Das Spezialchemie-Unternehmen Evonik will auf seinem Firmengelände an der Königswinterer Straße ein neues Gebäude für die vollautomatische Packanlage bauen. Für das Containerdorf der Bauarbeiter, die das Gebäude errichten sollen, wird zurzeit ein großes Areal planiert.

Die Brachfläche des Spezialchemie-Unternehmens Evonik an der Kreuzung Königswinterer/Siegburger Straße wird derzeit asphaltiert und geschottert. Das Gerücht, dass dort Container aufgestellt werden sollen, macht die Runde unter den Anwohnern. „Stimmt“, sagt Evonik-Betriebsleiter Christian Schulze Isfort. In diesem Jahr soll auf dem Gelände der Produktionsstätte mit 65 Mitarbeitern „ein großes Projekt“ realisiert werden. „Ein Informationsbrief für die Anwohner ist in nächster Zeit geplant. Wir machen kein Geheimnis, denn das Unternehmen will transparent agieren.“

Ein Projekt ist der Bau eines neuen Gebäudes für die vollautomatische Packanlage. Sie soll auf einer freien Fläche von gut 800 Quadratmetern im hinteren Bereich des Areals entstehen. Das Investitionsvolumen beläuft sich dem Evonik-Betriebsleiter zufolge auf rund 13,2 Millionen Euro. „Die neue Verpackungsanlage arbeitet effizienter und mit umweltfreundlichen Papiersäcken“, sagt er.

Auf die Baugenehmigung von der Verwaltung habe Evonik eine geraume Zeit warten müssen. „Die Genehmigung der Bezirksregierung war dagegen schon nach zwei Wochen da. Aus dieser Erfahrung haben wir Zeitverzögerungen eingeplant.“ Im nächsten Schritt soll am Rand der Werksgrenze Siegburger/Königswinterer Straße ein Containerdorf errichtet werden. „Dort stellen wir den am Bau beteiligten Firmen Büro- und Sozialräume zur Verfügung“, erläutert Schulze Isfort.

Bevor die Packanlage errichtet werde, erfolge ab März zunächst eine Bodensanierung, um mögliche Altlasten – etwa Cadmium – von früheren Industrieunternehmen im Boden zu entfernen. „Diese Maßnahme ist nicht behördlich angeordnet. Das machen wir freiwillig zur Verbesserung der Bodenqualität.“ Für die Sanierung seien eine Million Euro veranschlagt. Das Bauprojekt soll in anderthalb Jahren abgeschlossen sein, so der Betriebsleiter.

Kreisverkehr statt Ampelkreuzung erwünscht

Außerdem habe Evonik vor, das ehemalige Bürogebäude abzureißen. Es stammt noch aus der Zeit, als das Chemieunternehmen Marquart und später Degussa dort ansässig waren. Es sei baufällig und seit etwa einem Jahr nicht mehr nutzbar. Daher residiere die Standortverwaltung derzeit in Containern. Die Bauvoranfrage ist laut städtischem Presseamt beim Bauordnungsamt gestellt und sei derzeit in der Prüfungsphase.

Das Spezialchemie-Unternehmen Evonik AG produziert am Standort Beuel Substanzen zur Mattierung von Farben. Wie das geht, ist Betriebsgeheimnis. Daher ist das Gelände bewacht und gesichert. Der Chemiker Christian Schulze Isfort erklärt: „Das Grundprodukt ist ungiftige Kieselsäure. In einem Verfahren stellen wir Verbindungen her, die eine Farbe nicht glänzend, sondern matt erscheinen lassen. Die Oberfläche von Büromöbeln beispielsweise soll nicht glänzen, weil Spiegelungen bei der Arbeit stören würden.“ Abnehmer des mehlartigen Pulvers, das für die Weiterverarbeitung produziert wird, sei beispielsweise auch die Autoindustrie.

Der Lieferverkehr soll auch in Zukunft mit zehn bis 15 Lastwagen pro Tag nicht zunehmen. Die Fahrzeuge biegen von der Siegburger Straße aus auf das Unternehmensgelände. Das führe hin und wieder zu Rückstaus an der Kreuzung, räumt Schulze Isfort ein. Zur Entschärfung habe Evonik die Zufahrt bereits verlegt.

Eine andere Diskussion dreht sich um den von Politik und Verwaltung lang gewünschten Kreisverkehr statt der Ampelkreuzung Siegburger/Königswinterer Straße. Damit er den erforderlichen Durchmesser bekommen kann, müsste die Stadt Evonik an der Grundstücksgrenze eine Fläche abkaufen. „Die Verwaltung konkretisiert derzeit die Planungen für die Grundstücksübertragung. Wenn die Pläne vorliegen, sollen Verhandlungen mit Evonik über die konkrete Ausgestaltung aufgenommen werden“, teilt das Presseamt auf Anfrage mit. Schulze Isfort: „Von uns kommt das Signal, dass wir nichts dagegen haben, wenn eine vernünftige Lösung für die Einfahrt der Lkw vorgeschlagen wird.“