Erdbeben erschüttert Beuel

Einsatzkräfte probten den Ernstfall

Am Bahnhof erkunden Helfer einen Waggon mit gefährlichen Substanzen

BEUEL. Ausnahmezustand in Beuel: Das schwerste Erdbeben seit Beginn der Aufzeichnungen erschüttert das Rheinland. Der Wert liegt bei 6,5 auf der Richterskala. Das Epizentrum befindet sich in Remagen - und die Auswirkungen sind in Beuel deutlich zu spüren. Es wird Katastrophenalarm ausgelöst.

Unter diesen Voraussetzungen probten am Samstag Malteser, Technisches Hilfswerk (THW), die Freiwilligen Feuerwehren der Stadt Bonn und die Bundespolizei den Ernstfall. Die Berufsfeuerwehr war nicht mit dabei: Die Übung richtete sich an ehrenamtliche Helfer, in dem Szenarienentwurf waren die hauptamtlichen Kräfte anderweitig im Einsatz. Allerdings war Bonns Feuerwehrchef Jochen Stein vor Ort. Im Ernstfall hätte er die Einsatzleitung inne.

 

  • Die Szenarien: Am Beueler Bahnhof sind zwei Güterwaggons entgleist. In einem befinden sich gefährliche Substanzen, was in dem anderen ist, muss geklärt werden. Teilweise komplett zerstörte Autos, in denen sich um Hilfe rufende Verletzte befinden, liegen auf dem Gelände. Ein Schienenbus, in dem sich behinderte Menschen befinden, kommt nicht vorwärts: Bäume versperren die Gleise, die Einsatzkräfte müssen nicht nur die Menschen retten, sondern auf einen 300 Kilogramm schweren Elektrorollstuhl aus dem Schienenbus hieven.

    Die Bundespolizei baut auf dem Gelände eine Schnell-Dekontaminationsanlage für die Einsatzkräfte, die mit den giftigen Stoffen in Berührung gekommen sind, auf. Die große Variante steht gegenüber dem ehemaligen Fabrikgelände Andernach (in der Übung befand sich dort ein fiktives Chemieunternehmen) an der Maarstraße.

    [kein Linktext vorhanden]Dort hat das Erdbeben kleinere Explosionen ausgelöst, es kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch hier gefährliche Stoffe ausgetreten sind. Verletzte Personen laufen schreiend über das Areal, die Stimmen von verschütteten Erwachsenen und Kinder sind zu hören. Während der Rettungsmaßnahmen kommt es immer wieder zu Explosionen und kleineren Nachbeben.

    An der Maarstraße befindet sich eine Schönheitsklinik, deren Treppenhaus eingestürzt ist. Zur Koordinierung wurde in der Feuerwache 2 eine Einsatzleitstelle eingerichtet. Die Verletzten werden zur Gesamtschule Beuel gebracht. Unter dem Gebäude befindet sich ein Notfallkrankenhaus, in dem die Menschen behandelt werden.
     
  • Die Teilnehmer: Insgesamt waren mehr als 1000 Helfer im Einsatz, 125 teilweise sehr realistisch geschminkte Darsteller mimten die Verletzten, 66 Beobachter und Schiedsrichter hielten die Einsatzkräfte im Auge und bewerteten das Geschehen. Die "Verletzten" riefen um Hilfe, aber es gab auch Schreie von Erwachsenen und Kindern, die vom Band kamen. Wie Marc Bujack vom THW berichtete, gab es "Schreicastings". "Wir haben die Schreie aufgenommen, so dass auch die Dummys Töne von sich geben", so der 39-Jährige. Außerdem seien Seelsorger im Einsatz. "Teilweise besteht Bedarf, weil das Szenario so real ist." Das sei eine Belastung für Helfer und Darsteller.
     
  • Das Ziel: Zweck der Großübung war vor allem, die Zusammenarbeit der Einheiten zu trainieren, den Leistungsstand der Helfer zu überprüfen und zu testen, wie eine gemeinsame Führungsstruktur aufgebaut und betrieben wird.
     
  • Auswirkungen: Den ganzen Samstag über waren im Stadtbezirk Beuel Martinshörner zu hören. Außerdem waren einige Straßen - zum Beispiel die Königswinterer Straße, in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs - gesperrt, die Polizei leitete den Verkehr um. Wie Annika Nitschke vom THW Landesverband berichtete, traf die Alarmierung einige Helfer unvorbereitet: Sie erfuhren erste am Einsatzort, dass es sich um eine Übung handelte.
     
  • Zweck der Übung: "Wir befinden uns im Erdbebengebiet. Hochwasser und Erdbeben sind die wahrscheinlichsten Katastrophenszenarien hier", so Marc Bujack vom THW. Zudem müsse das Zusammenspiel der verschiedenen Einheiten der Gefahrenabwehr geprobt werden. Da biete sich eine Erdbebenübung an, da man diverse Szenarien üben könne: Es gibt verschüttete Personen und entgleiste Züge, einsturzgefährdete Gebäude und Explosionen. Das Wissen dann ist bei anderen Einsätzen wie Gebäudeeinstürzen - wie 2009 der Einsturz des Stadtarchivs in Köln - auch hilfreich.