Heilige Adelheid

Eine Frau mit vielen Eigenschaften

Die Vilicher begehen den 1000. Todestag der heiligen Adelheid.

BEUEL. Spuren der heiligen Adelheid sind in Vilich und Pützchen vielerorts zu finden, Schulen und Straßen sind nach ihr benannt, Kirchenfenster, Büsten, Altäre und Kupferstiche verschiedener Epochen zeigen sie als mildtätige Nonne, prächtige Äbtissin oder liebevolle Lehrerin.

Obwohl es mehr als 1000 Jahre her ist, dass die erste Äbtissin des Stifts in Vilich wirkte, wird sie bis heute verehrt. Was wir über das Leben der heiligen Adelheid wissen, speist sich zum allergrößten Teil aus der sogenannten "Vita Adelheidis", jener Lebensbeschreibung, die rund 40 Jahre nach ihrem Tod entstand.

Wohl im Jahre 1057 verfasste Bertha, Schwester des Abtes Wolfhelm von Brauweiler, die Lebensbeschreibung in lateinischer Sprache. Sie selbst wurde in der Stiftschule unterrichtet und beruft sich sowohl auf Engilrada, die Kammerfrau Adelheids, als auch auf die Erinnerungen älterer Schwestern, die die Äbtissin persönlich kannten. Der Text ist in drei Handschriften überliefert, von denen die älteste vom Anfang des 13. Jahrhunderts stammt. Wohlgemerkt beschrieb Bertha das Leben und Wirken der Adelheid nicht mit dem Ziel einer wissenschaftlichen Biografie, vielmehr sollte die Vita wohl dazu dienen, den Kölner Erzbischof Anno II. zur Genehmigung ihrer liturgischen Verehrung zu bewegen.

Dem Text nach wurde Adelheid, vermutlich zwischen 965 und 970, als Tochter des Grafen Megingoz und seiner Frau Gerberga in Geldern geboren. Ihre Eltern schickten sie - wie seinerzeit üblich - bereits als Kind in das Kölner Stift Sankt Ursula. Wie in christlichen Heiligenviten üblich, die im Mittelalter zu Tausende entstanden, stellt Bertha Tugenden und Fähigkeiten heraus, die Adelheid schon in jungen Jahren von anderen Heranwachsenden unterscheiden. Schon als Mädchen habe sie begonnen, sich "mit Hingabe in den Hallen der Philosophie aufzuhalten". Und arbeitete seither "in rastlosem Eifer daran, sich an dem Salz der Weisheit zu laben".

Offenbar war es der Tod des einzigen Sohnes und Erben Gottfried auf dem Schlachtfeld, der Adelheids Eltern dazu bewog, vermutlich 978 auf ihrem Grund und Boden in Vilich ein Frauenkloster zu gründen und ihre Tochter Adelheid als erste Äbtissin einzusetzen. Bemerkenswert ist der in der Vita beschriebene Konflikt mit den Eltern, die für die schlichte Tracht und strengen Ordensregeln der Benediktiner plädierten. Doch Adelheid zog, so Bertha, wie in freieren Frauenstiften üblich, ihrem Stand angemessene Kleidung vor und beteuerte, "Gott verlange keinen erzwungenen Dienst". Erst nach dem Tod der Eltern entschied sie sich für die Benediktusregel.

Laut Berthas Schilderungen prägte die Äbtissin das Leben im Kloster durch ihre Bescheidenheit, Selbstlosigkeit und ihre Nächstenliebe. In den gravierenden Hungersnöten jener Zeit speiste sie die Armen und gründete ein Hospital. Auch setzte sie mit dem Ausbau der Klosterschule und der Förderung von Studium und Bildung junger Frauen einen weiteren Schwerpunkt. Da Kaiser Otto III. bereits kurz nach Gründung des Stifts dieses zum Reichsstift mit besonderen Privilegien erhob, wurde Adelheid auch weltliche Macht zuteil. Bertha beschreibt sie als "kluge Verwalterin". Um 1000 wurde sie außerdem als Nachfolgerin ihrer verstorbenen Schwester Bertrada zugleich Äbtissin von St. Maria im Kapitol in Köln.

Vermutlich am 5. Februar 1015, also heute vor 1000 Jahren, starb Adelheid und wurde in Vilich beigesetzt. Dass sie schon bald nach ihrem Tod als Volksheilige verehrt wurde, haben Ausgrabungen rund um die Vilicher Stiftskirche belegt, die dort für das 11. Jahrhundert einen imposanten Kirchenbau mit Ringkrypta nachweisen. Dunkelheit herrscht über den Verbleib der Gebeine und Reliquien.

Der Vita hat Bertha Wunderberichte nachgestellt, die von der Heilungen gelähmter, kranker, besessener Menschen am Grab Adelheids berichten. Was dort allerdings vollständig fehlt, ist jene Legende, nach der die Äbtissin während einer schweren Dürre in Pützchen ihren Stab in die Erde stieß, woraufhin an dieser Stelle Wasser aus dem Boden sprudelte. Der Adelheidisbrunnen, der die Wallfahrt und letztlich auch Pützchens Markt begründete, wird erst 1367 urkundlich erwähnt. 1966 bestätigte Papst Paul VI. offiziell Adelheids Heiligkeit. 2008 wurde sie neben Cassius und Florentius zur Bonner Stadtpatronin erhoben.

Dass sich Berthas Wunsch, der Gegenstand über den sie schreibe, möge nicht verloren gehen, Adelheids Leben und ihre Tugenden nicht von Stillschweigen bedeckt oder gar durch Vergessen ausgelöscht, erfüllt hat, zeigt nicht zuletzt das umfangreiche Festprogramm, mit dem Adelheid dieser Tage gedacht wird.

Alle Infos zum Programm des Festjahres unter adelheidjahr.de