Gespräch mit Günter Reiner

Den Ruhestand kreativ gestalten

Günter Reiner (links) und Eike Land-Reinhard interessieren sich für digitale Fotografie und bieten Kurse in Bildbearbeitung und digitaler Kunst an.

Günter Reiner (links) und Eike Land-Reinhard interessieren sich für digitale Fotografie und bieten Kurse in Bildbearbeitung und digitaler Kunst an.

BONN. Kunst und Literatur, Philosophie und Sprachen, Wandern, Radeln und jede Menge Computerkurse. Seit mehr als 20 Jahren bieten die Mitglieder des Vereins „Seniorenbüro Tat und Rat“ Kurse und Aktivitäten für die Generation 50+ an. Mit dem Vorsitzenden Günter Reiner sprach Anke Vehmeier über Ehrenamt und gemeinsame Erlebnisse.

1994 wurde das „Seniorenbüro Tat und Rat“ gegründet. Was war der Anlass?

Günter Reiner: Die Gründer haben sich damals zusammengefunden, um ihren Ruhestand selbst zu gestalten und sich gegenseitig zu helfen und anzuregen. Der damalige Initiator Klaus Adolf ist heute noch dabei.

Wieso war dafür ein Verein nötig?

Reiner: Beim Übergang aus dem vollen Berufsleben oder der Familienzeit in den Ruhestand haben viele Menschen ein Problem. Sie nehmen sich Aktivitäten vor, für die sie vorher keine Zeit hatten. Man kann zwar ein halbes Jahr lang den Keller aufräumen, die alten Fotos ordnen und im Garten wirken, aber was kommt dann? Die Gründer wollten vermeiden, in ein ungebrauchtes Nichts zu fallen und haben damals angefangen, ihr Wissen weiterzugeben an alle, die das wollten. Und dafür braucht es eine gewisse Form.

„Von Senioren für Senioren“ lautet seither das Motto des Vereins. Was bedeutet das?

Reiner: Wir laden die Menschen ein, sich mit ihren Fähigkeiten einzubringen und andere Menschen daran teilhaben zu lassen und sie zu eigenen Aktivitäten zu ermutigen. Daraus ist ein breites Programm mit Kursen und Gruppen entstanden. Der Verein hat heute 275 Mitglieder und somit auch seine zeitliche und räumliche Kapazitätsgrenze im Tenten-Haus erreicht.

Was wird zum Beispiel angeboten?

Reiner: Wir bieten pro Monat 48 Stunden Kurse an wie Sprachen, Bewegungsgruppen, Fotografieren, Bildbearbeitung oder Umgang mit Notebooks, Smartphone und Tablet. Dazu kommen Gesprächsgruppen, Radler-, Wander- und Reisegruppen. Alle Kurse werden von Ehrenamtlern angeboten. Insgesamt sind 28 Mitglieder ehrenamtlich aktiv; wir haben keine Personalkosten und finanzieren unsere Ausgaben aus unseren Mitgliedsbeiträgen.

Welche Idee steckt dahinter?

Reiner: Jeder sollte sich frühzeitig damit befassen, was er oder sie im Ruhestand machen will. Wir sind keine Altenbetreuung, sondern wollen unser Leben in eigener Verantwortung gestalten. Dafür muss man natürlich selbst etwas tun getreu dem Motto „Wir wollen mehr hinterlassen als eine Delle im Sofa“. Dazu kommt der soziale Aspekt. Ältere haben es schwerer Kontakte zu knüpfen als junge Leute, deshalb müssen sie selbst aktiv werden. Bei uns lernen sich Menschen kennen, haben gemeinsame Erlebnisse und Freundschaften entstehen.

Gibt es ein feststehendes Programm und werden immer die gleichen Kurse angeboten?

Reiner: Wir haben Kurse, die seit vielen Jahren laufen, und es entstehen auch immer wieder neue Ideen und Aktivitäten. So hat zum Beispiel Eike Land-Reinhard aus der Gruppe Bildbearbeitung eine Untergruppe gebildet, die digitale Kunst erzeugt – mit erstaunlichen Ergebnissen. Das ist ein gutes Beispiel, wie der Verein wirkt, aus einer Aktivität können immer wieder neue hervorgehen. Das ist einfach kreativ und schön.

Sie leiten selbst verschiedene Gruppen und sind als Vorsitzender stark engagiert. Haben Sie damit eigentlich wieder einen Vollzeitjob im Ruhestand?

Reiner (lacht): Meine Frau sagt ja.... Aber ganz so ist es dann doch nicht.