Nach der Entschärfung am Freitag

Bombenfund in Bonn-Geislar gibt Rätsel auf

Die Arbeiten an der S-Bahn-Strecke zwischen Troisdorf und Beuel ruhen nach dem Bombenfund vom Freitag bis auf Weiteres.

Die Arbeiten an der S-Bahn-Strecke zwischen Troisdorf und Beuel ruhen nach dem Bombenfund vom Freitag bis auf Weiteres.

Beuel. Die Deutsche Bahn kann sich nicht erklären, warum der Blindgänger an der S-Bahn-Strecke in Beuel bei Untersuchungen vor Baubeginn übersehen wurde. Die Arbeiten an der Bahnstrecke ruhen jedenfalls bis auf Weiteres.

Nach der Bombenentschärfung am vergangenen Freitag und den Sondierungsbohrungen am Sonntag sind die Bauarbeiten für die neue Strecke der S-Bahn 13 zwischen Troisdorf und Beuel vorerst unterbrochen worden. Wann sie fortgesetzt werden, steht nach Angaben einer Sprecherin der Deutschen Bahn noch nicht fest. Auch am Dienstag werde auf dem Abschnitt definitiv nicht weitergearbeitet. „Wir nehmen das Ganze sehr ernst und fragen uns, wie bei den Bauarbeiten eine Bombe gefunden werden konnte“, sagte die Sprecherin. Vor Beginn der Arbeiten sei das Gebiet von Experten auf Kampfmittel untersucht und anschließend die Freigabe erteilt worden.

Die Bezirksregierung Düsseldorf, die auch im Regierungsbezirk Köln für die Identifizierung und Beseitigung von Kampfmitteln zuständig ist, verweist in diesem Punkt auf die Lage der gefundenen Bombe: „Da die Bombe in unmittelbarer Nähe zum Gleisbett lag, ist die Identifikation eines Objektes in dieser Größenordnung nahezu unmöglich“, teilte eine Sprecherin der Düsseldorfer Bezirksregierung mit.

Luftbilder wurden ausgewertet

Wie bei anderen Baumaßnahmen seien auch vor den Arbeiten an der S 13-Strecke Luftbilder der Alliierten aus den Kriegsjahren ausgewertet worden. „In der Luftbildauswertung gilt es, in Kriegsluftbildern einen Einschlagkrater von einer Größe von 0,1 bis 0,2 Millimeter als möglichen Blindgängerverdachtspunkt zu identifizieren“, heißt es aus Düsseldorf weiter. Sofern eine Belastung der Fläche mit Kampfmitteln möglich sei, würden weitere Untersuchungen vor Ort empfohlen.

Ob es diese entlang der S-Bahn-Strecke vor Baubeginn gegeben hat, konnte die Bezirksregierung am Montag nicht sagen. Die Sondierungsbohrungen am Sonntag standen laut der Bahnsprecherin in keinem Zusammenhang mit dem Bombenfund. Diese seien ohnehin geplant gewesen und würden nun in südlicher Richtung fortgesetzt. Bislang seien dabei keine weiteren Kampfmittel gefunden worden.

Zuflucht beim Bürgerverein

Während der Evakuierung am Freitag fanden einige Betroffene Zuflucht beim Bürgerverein Vilich-Müldorf, der an jedem dritten Freitag im Monat ab 19 Uhr zur „offenen Mühlenbachhalle“ einlädt. „Zeitweise waren bis zu 40 Personen bei uns in der Halle versammelt“, sagte der Vereinsvorsitzende Thomas Biedermann. Angesichts der Umstände habe sich der Verein kurzerhand dazu entschlossen, den Evakuierten wie auch den Einsatzkräften Suppe, Würstchen und Kaffee anzubieten. Das Engagement des Bürgervereins machte auf eine Dame besonders großen Eindruck: Laut Biedermann sei sie noch am Abend Vereinsmitglied geworden.

Von der Evakuierung waren am Freitag mehr als 700 Menschen aus den Stadtteilen Geislar, Vilich und Vilich-Müldorf betroffen. Die Eisenbahnstrecke, die A 59 und die B 56 sowie die Strecke der Stadtbahnlinie 66 waren bereits ab dem Nachmittag komplett gesperrt. Um 22.35 Uhr wurde die Bombe schließlich entschärft.