Gespräch am Wochenende

„Beuel bedeutet für mich heile Welt“

Beuel. Wilfried Evertz wirkt seit 20 Jahren als Pfarrer in Sankt Josef. An diesem Sonntag feiert er mit seiner Gemeinde das Jubiläum in Beuel. Mit Evertz sprach Holger Willcke.

Beuel. Vom Gefühl her müsste man eigentlich sagen: Er war schon immer da. Das stimmt natürlich nicht, aber seine Präsenz im öffentlichen Leben von Beuel lässt diesen Eindruck zu. Die Wahrheit lautet: Im März 1997 kam Pfarrer Wilfried Evertz am rechten Rheinufer an. Und standesgemäß setzte er mit einem Boot über den Fluss – natürlich mit der Rheinnixe.

Erinnern Sie sich noch an Ihre Ankunft?

Wilfried Evertz: Sogar sehr genau. Der damalige Dechant von Beuel, Monsignore Pastor Karl Königs, empfing mich mit Vertretern der Gemeinde am Beueler Rheinufer – und die Stadtkapelle spielte dazu.

Warum haben Sie sich damals auf die Stelle in Beuel beworben?

Evertz: Ich war zuvor Direktor am Theologenkonvikt Collegium Albertinum in Bonn. Und in meiner Freizeit ging ich gerne wegen der Sonnenseite in Beuel am Rhein spazieren. Damals dachte ich oft: Hier würde ich gerne arbeiten. Und als ich dann erfuhr, dass mein Vorgänger, Pfarrer Gottfried Richenhagen, in Ruhestand ging, habe ich mich sofort beworben. Mit meiner Versetzung ging somit ein Wunsch in Erfüllung.

Was begeistert Sie an Beuel?

Evertz: Die Herzlichkeit der Menschen, ihre Offenheit und ihr unbändiges ehrenamtliches Engagement. In Beuel findet man noch so etwas wie eine heile Welt. Alle gesellschaftlichen Gruppierungen sind bemüht, das Miteinander im Stadtbezirk zu fördern. Hier hilft jeder jedem. Das habe ich in dieser Form woanders noch nicht erlebt.

Wodurch spüren Sie, dass Sie als Pfarrer von Ihrer Gemeinde angenommen werden?

Evertz: Vor allem durch das Vertrauen, das einem entgegengebracht wird. Wenn sich Menschen mit ihren Sorgen und Ängsten einem anvertrauen, dann weiß man, dass man in seiner Pfarrgemeinde angekommen ist.

Hat sich Ihre Arbeit in den vergangen 20 Jahren verändert?

Evertz: Ja, sehr. Als ich meine Arbeit 1997 aufnahm, war ich Pfarrer von Sankt Josef und für 5000 Katholiken zuständig. 2001 fusionierten die Pfarreien Sankt Josef und Sankt Paulus. Und im Dezember 2008 startete der Seelsorgebereich „An Rhein und Sieg“ mit sechs Kirchengemeinden und fast 15 000 Katholiken. Seitdem bin ich leitender Pfarrer und kümmere mich mit einem hervorragenden Team um die Gemeinden Sankt Josef in Beuel-Mitte, Sankt Paulus in Beuel-Ost, Sankt Peter in Vilich, Maria Königin in Vilich-Müldorf, Sankt Joseph in Geislar und Sankt Maria und Clemens in Schwarzrheindorf.

Kann ein Pfarrer überhaupt so viele Menschen pastoral betreuen?

Evertz: Nein. Dazu benötigt man eine engagierte Mannschaft. An meiner Seite stehen unter anderem Pfarrvikar Michael Dörr und die beiden Diakone Klaus Behne und Barthel Held sowie Pastoralreferent Markus Sakendorf, Gemeindereferentin Bettina Redmann sowie Subsidiar Michael Rieger und Schulpfarrer Dieter Scharf. Wir ziehen den Karren gemeinsam.

Wenn Sie einen Wunsch an das Erzbistum frei hätten, wie würde er lauten?

Evertz: Die örtliche Seelsorge muss trotz Priestermangels gesichert bleiben. Deshalb bitte ich unseren Erzbischof, dass eigens dafür geschulte Ehrenamtliche eine Gemeindeleitung übernehmen dürfen – natürlich unter der Verantwortung eines leitenden Pfarrers. Dieses Leitungsmodell wird derzeit im Erzbistum Köln diskutiert.

Zum 1. Januar dieses Jahres wurde das Dekanat Beuel aufgelöst, und Sie haben den Titel Dechant verloren. Wie bewerten Sie die Entscheidung des Erzbistums?

Evertz: Ich war von Anfang an gegen die Reform der Dekanatsordnung. Durch viele Gespräche mit dem Erzbistums konnte aber erreicht werden, dass Dekanatsbereiche erhalten bleiben. Faktisch hat sich im Alltag dadurch nichts verändert. Die drei Beueler Seelsorgebereiche arbeiten weiterhin eng zusammen. Und statt Dechant bin ich nun „Beauftragter im Dekanatsbereich Beuel“.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung?

Evertz: Sehr gut. Ich nenne nur ein gemeinsames Projekt, den Nikolausmarkt auf dem Vorplatz unserer Kirche. Das klappt bestens.

Was steht 2017 sonst noch an?

Evertz: Es gibt zwei wichtige Termine. Am 20. Mai feiern wir zum ersten Mal einen Gemeindetag unter dem Motto „Ein Tag voller Leben“. Und am 1. Oktober feiern wir anlässlich des Reformationsjubiläums gemeinsam mit der Evangelischen Gemeinde Beuel-Mitte ein Ökumenisches Gemeindefest in der Versöhnungskirche.